niemals vergessen

Heute wird bereits zum vierzehnten Mal der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Ein Datum von Bedeutung, denn am 27. Januar 1945 befreiten die Soldaten der Roten Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. In dieser größten Todesfabrik des „Dritten Reiches“ wurden in nur vier Jahren über eine Million Menschen industriell ermordet.
Auschwitz ist längst zum Synonym für die faschistische Barbarei im Zweiten Weltkrieg geworden, weshalb der heutige Tag alle Menschen auf ewig erinnern soll, was Menschen einst Menschen angetan haben. Die wenigen Überlebenden konnten für den Rest ihres Lebens nicht vergessen, in der Hölle auf Erden „gelebt“ zu haben und nur wenige von ihnen sind heute noch am Leben, um Zeugnis abzulegen.

Auch deshalb wurde 1996 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog (CDU) ein nationaler Gedenktag eingeführt. 51 Jahre nach Beendigung des Krieges, sollte auch im Land der Täter_innen offiziell den Opfern des Nazi-Terrors gedacht werden.

Grundlegendes Ziel von Erinnerungspolitik ist von jeher, bestimmte Teile der Vergangenheit im breiten Bewusstsein zu halten und gezielt zu vergegenwärtigen. In der Proklamation von 1996 heißt es:

„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

Dennoch ist der 27. Januar nach wie vor ein Datum, dem nur mindere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Nur wenige wissen damit etwas anzufangen und von einer kollektiven Erinnerung kann schon gar nicht die Rede sein. Der industrielle Massenmord an Millionen von Juden und Jüdinnen, Kommunist_innen, Anarchist_innen, Homosexuellen, Sinti und Roma eignet sich nuneinmal nicht zum patriotischen Fahnenrausch. Von Verantwortung für die eigenen Taten oder die der Eltern und Großeltern keine Spur – nur eine von vielen Pflichtübungen, eine Art historischer Ablasshandel. Ganz anders das Jubiläum der Wiedervereinigung oder die Heroisierung der Nazi-Clique um Graf Schenk von Stauffenberg, hier definiert sich das deutsche Volk neu, als urdemokratisch und im Kern „gar nicht so schlecht“. Die Erinnerung muss für den neuen Nationalstolz neu konstruiert werden, damit Vergangenheit und Selbstsicht in Einklang kommen.
Der heutige Bundespräsident Horst Köhler (CDU) löste dieses Problem bei den Feierlichkeiten zum Mauerfall letztlich mit folgenden Worten: „Wir haben heute guten Grund, stolz auf unser Land zu sein. Das Erreichte ist undenkbar ohne die Lehren, die wir gezogen haben, und ist das Ergebnis ständiger Anstrengung“. In diesem Verständnis sei Deutschland, durch die stetige und intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, zu einer Nation gereift, die Faschismus und Sozialismus überwunden und sich als eine demokratische Nation etabliert hat.
Es scheint als können wir Deutschen, nun wo wir doch alle Lehren der Vergangenheit verinnerlicht haben und uns der Verantwortung bewusst sind, die Vergangenheit des Nationalsozialismus mit leichteren Schritten begehen.

Die Nazi-Verbrechen werden als finstere, aber bewältigte Vergangenheit verbucht und neue Traditionslinien eifrig geknüpft. Sei es die als Friedenseinsatz verkaufte, aggressive Außenpolitik der Bundeswehr, die auch innenpolitisch nahezu alle Lebensbereiche durchdrungen hat (von der Schule bis zur Fernsehwerbung) – oder die Revision der Schuldfrage durch die emotionalisierte Politik der Vertriebenenlobbyisten. Vergessen auch die Bilder vom nationalistische Fremdenhass von ganz „normalen Neonazis“, die Einheitsrausch Asylsuchende durch Rostock Lichtenhagen jagten und bei lebendig verbrennen wollten.

Die neue deutsche Erinnerungspolitik hat keinen Platz mehr für eine kritische Aufarbeitung der Geschichte, sondern setzt nur noch auf kleine Gesten und großen Vaterlands-Pomp…

Unsere Antwort kann nur ständige Kritik an der gegenwärtigen Geschichtsklitterung sein, damit die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten nie endet, damit sich Auschwitz nie wiederholt, weder hier noch anderswo.

Kein Opfer ist vergessen, kein Mord vergeben!
Nazis bekämpfen, immer und überall!

---

Im Alternativen Jugendzentrum in der Seestraße findet aus Anlass des Gedenktages eine Filmvorführung statt. Zu sehen gibt es „Die Freiheit des Erzählens: Das Leben des Gad Beck“, über den jüdischen Widerständler. 19 Uhr soll’s losgehen.

es gibt kein ende der geschichte…

beim nicht-vergessen was vergessen

Am vergangenen Wochenende kamen 1400 so genannte Ostpreußen im Neubrandenburger Jahnsportforum zusammen, um sich mit Marschmusik, Trachten und Tänzen ihrer bzw. der Geschichte ihrer Vorfahren zu erinnern.

Immer mehr drängen Vertriebene auch anderswo mit ihren Geschichten in den Vordergund der Kriegserinnerung und leugnen den Ausgangspunkt aller weiteren Geschichte: den Deutschen Faschismus und den nationalsozialistischen Vernichtungskrieg. Dabei beteuern sie stets, man wolle das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen, wie auch am Sonnabend „Landesgruppenschef“ Manfred Schukat. Allergings erwarte man endlich Gerechtigkeit und eine „Erklärung“ von Seiten Polens, zitiert der Nordkurier weiter.

Eine Erklärung wofür? Für die 6 Millionen Pol_innen, die von deutschen Soldaten, der SS und der deutschen Bevölkerung ermordet wurden? Für die 3 Millionen polnischen Zwangsarbeiter_innen, die aus ihrer Heimat verschleppt wurden, um in der deutschen Kriegsindustrie zu arbeiten? Für die Zerstörung der polnischen Städte durch den Krieg und die Strategie der verbrannten Erde?

Kein_e Pol_in muss sich erklären… wie die anderen Bürger_innen des Deutschen Reiches, haben auch die Ostpreuß_innen ihr „Schicksal“ selbst gewählt. 1933 erzielte die NSDAP in den östlichen Wahlkreisen Ostpreußen, Pommern und Frankfurt/Oder mit über 55% die besten Ergebnisse im Reich.
Wie üblich für Vertriebenenverbände (und seien sie noch so „gemäßigt“) wird der Ausgangspunkt für die Verbrechen im Zweiten Weltkrieg ausgeblendet, um sich in der Erinnerung an die verlorene Heimat zu aalen und Geschichte zu emotionalisieren. Mitunter zweifellos tragische und ungerechte Schicksale werden für revanchistische und revisionistische Zwecke missbraucht und mit ihnen moralische Einbahnstraßen gebaut, um jede Gegenrede zu vermeiden. Dabei tradiert die vermeintlich unpolitische Heimattümelei genau das Denken, das die Ursache für ihre Geschichte war. Der deutsche Nationalsozialismus und der polnische Nationalismus produzierten, wie jeder andere Patriotismus, ein exklusives, menschenverachtendes Denken vom „wir“ und „ihr“.
So ist das klägliche Gejammer um die verlorene Heimat auch immer ein Bedauern der Kriegsniederlage. Zwar sind die deutschen Täter_innen von einst größtenteils schon verstorben… doch ihre Kinder stilisieren sich jetzt, im Schleier der Vergesslichkeit, zu Opfern und begehen überall im Land ihre gruseligen Vertriebenenfeste.
Weite Teile der CDU feuern den Vertriebenenkult und die Verdrehung der Geschichte und die Vernebelung der Zusammenhänge immer wieder an. Kaum eine andere „Volksgruppe“ ist so beharrlich, wie die deutschen „Vertriebenen“.
Dabei haben von den Millionen Menschen, die im 20. Jahrhundert Vertreibung und Zwangsumsiedlung zum Opfer fielen, nur die wenigsten das Glück gehabt, eine neue Heimat und gesellschaftliche Anerkennung zu finden, wie ihre deutschen „Leidensgenossen“.
Nach wie vor werden Sinti und Roma überall in Europa diskriminiert und ausgegrenzt. Noch immer leugnet die Türkei den Völkermord an den Armenier_innen. Noch immer sind die Spuren der rassistisch motivierten Genozid-Versuche auf dem Balkan zu spüren. Überall in Amerika und Australien kämpfen indigene Minderheiten vergeblich um die Anerkennung ihres Schicksals.
In Deutschland hüpft und tanzt das vertriebene Volk und weint der ruhmreichen Vergangenheit hinterher, kassiert Renten, schreibt Bücher und dreht Dokumentationen über die „verlorene Heimat“.

Jeder Vertriebenen-Nationalismus ist revanchistisch… die „Wunde“ der Vertreibung ist das Symptom der Nicht-Verarbeitung des Nationalsozialismus, der Nicht-Anerkennung der eigenen Schuld.

Kein Mitleid mit den Tätern.
Patrioten sind Idioten. Überall.

m-v ist alternativ!

Etwa 200 Jugendliche demonstrierten heute gut gelaunt und bei bestem Wetter in Burg Stargard für eine bunte, weltoffene und friedliche Gesellschaft. Getreu dem Motto „Reclaim the Streets“ ging es mit Musik und zahlreichen witzigen Aktionen vom Bahnhof einmal quer durch das mecklenburgische Städtchen und zurück. Die meisten der jungen Menschen waren vom derzeit in Lärz stattfindenden AjuCa angereist, um in der „Stadt der Rosen“ für alternative Jugendkultur zu werben.

Viele der Passanten zeigten sich erfreut von der Anwesenheit der linken Demonstrant_innen und nahmen bereitwillig Infomaterial entgegen. Burg Stargard sowie das Stargarder Land sind, mit Wahlergebnissen von über 10% für die NPD, rechte Hochburgen in der Region um Neubrandenburg. Weite Teile der örtlichen Jugendszene werden seit Jahren vom ehemaligen Stadtvertreter und aktiven Neonazi Norman Runge dominiert und indoktriniert, Naziaufkleber und -parolen prägen das Stadtbild… ein trauriges Beispiel für fremdenfeindlichen Alltag in der mecklenburgischen Provinz – so dauerte es auch heute nicht lange, bis es am Rande des Demonstrationszuges zu Provokationen kam: ein angedeuteter Hitlergruß aus dem Fenster, geballte Fäuste von einer die Demo passierenden Nazi-Treckerfahrt und Runge persönlich, der aus dem Auto heraus die Demonstration fotografieren wollte.
Doch der Zug ließ sich nicht beirren, blieb kräftig und laut und befreite Burg Stargard von Nazischmierereien und -aufklebern.

Die Polizei – anfangs ziemlich nervös und überfordert – rückte zwar mit allerhand Fahrzeugen samt Personal an, blieb aber bis zum Ende ruhig und freundlich.

Nazis heimsuchen! Gegen den rechten Normalzustand!




von alten und neuen helden

Jedes Jahr am 20. Juli ehren Offizielle von Regierung und Militär den Mordanschlag der Nazi-Offiziersclique um Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler 1944. Zwar spricht nichts dafür, dass es Stauffenberg darum ging, den rassistischen, mörderischen Nationalsozialismus zu beseitigen, doch offenbar qualifiziert die bloße Absicht, Hitler töten zu wollen zum demokratischen, toleranten Menschen. Und da es offenbar an bürgerlichen, gut-deutschen Helden mangelt, sieht man es nicht so genau mit den historischen Tatsachen. Eifrig wird am Mythos Stauffenberg als eine Art demokratischen Urtyps gearbeitet. Der versuchte Tyrannenmord wird ohne wenn und aber zur einzigen vorbildlichen Heldentat stilisiert.

Für die Bundeswehr ein gefundenes Fressen, wieder militärische Tugenden in die Gesellschaft zu tragen. Ruhm, Ehre, Tapferkeit und Heldenmut finden sich auf Abzeichen, Urkunden und auch bald auf Denkmälern. Das „Öffentliche“ (sic!) Gelöbnis vor dem Reichstag ist bereits etabliert.

Wie andere Gruppen zuvor, haben sich auch in Neubrandenburg erneut Menschen zusammen gefunden, die so ihre Zweifel an der Aufrichtigkeit der vielen Bürger_innen in Uniform haben, die zum Morden ausgebildet, dafür bezahlt und geehrt werden. Wiederholt wurde darum der Gedenkstein für die Panzergrenadierdivision „Hanse“ verschönert:

Die Militarisierung der Gesellschaft kann von uns nicht hingenommen werden. Wir stellen uns gegen die Verharmlosung von einer „weltweit agierende Interventionsarmee’’. Das Gerede von den „humanitären oder friedenschaffenden Einsätzen“ täuscht nicht darüber hinweg, dass in der Bundeswehr das Mordhandwerk gelehrt und gelernt wird, um Krieg gegen andere Länder zu führen. Genauso wenig ist die Bundeswehr dazu da, „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ – im Gegenteil: Mit dem geplanten Bundeswehreinsatz im Inneren sollen in Zukunft die Streitkräfte gegen die Bevölkerung eingesetzt werden können, gegen Massenproteste und Streiks. Nicht zu Verteidigung, sondern zur Unterdrückung von Freiheitsrechten.

den ganzen Text gibt’s bei Indymedia

Keinen Frieden mit der Bundeswehr!
Soldaten sind Mörder, keine Helden!

nord(ic) kurier

Nur wenigen Aufmerksamen dürfte es aufallen, doch genau darin liegt das Problem: immer wieder schafft es die Neonazi-Kleidermarke Thor Steinar durch ihre Träger_innen in die Medien, die sich so zum Werbeträger menschenverachtender Ideologie machen. Nazis senden, ohne sich stumpfer Parolen oder auffälliger Symbolik bedienen zu müssen, Signale an ihre Gesinnungsgenoss_innen und an alle, die es werden wollen. Noch dazu bekommen die Vertreiber_innen der Textilien kostenlose Werbung für ihre Produkte.

Seit mehreren Jahren klären Antifagruppen über den Hintergrund der Marke auf, immer wieder gab es Demonstrationen, Flugblätter, Offene Briefe und Aufkleber. Insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern war das Thema durch Naziläden wie die ECC in Rostock oder Zutt’s Patriotentreff in Waren in der Diskussion. Doch vielen ist noch immer nicht klar, dass im Falle von Thor Steinar Kleider tatsächlich Leute machen.
Die Symbolik und Aussagekraft der Marke zielt unzweifelhaft auf Neonazis. Doch geht die Strategie der Gründer dahin, auch jenseits der eigenen Szene Abnehmer_innen zu finden. Man will nicht nur Zulieferer für die bereits Bekehrten sein, sondern breite Öffentlichkeit für die modische Nazi-Klamotte schaffen. Mit äußerst zweideutigen, für das ungeschulte Auge nichts-sagenden, Botschaften und nordischer Mythologie gibt sich die Marke normal und unpolitisch. Zudem soll es Nazis so auch möglich sein, sich untereinander zu erkennen, auch wenn sie sich nicht gerade Schriftzüge wie „Opa war in Ordnung!“ oder „Aryan Warriors“ auf T-Shirts durch die Gegend tragen. So hat sich die Marke innerhalb weniger Jahre in der gesamten Naziszene durchgesetzt und findet sich nahezu uniform bei Naziaufmärschen und Rechtsrock-Konzerten.

Demouniform Thor Steinar

Finden sich dann übereifrige Schreiberlinge wie Roland Gutsch vom Nordkurier, der den netten Nazi aus dem Oberhavelkreis beim Intelligenzwettbewerb „Allcartreffen“ im Nazi-Chic ablichtet und auf Seite 2 des Lokalteils (Neubrandenburger Zeitung vom 20.07.2009, S. 12) bringt, ist das Ziel der Marke wohl erreicht: unfreiwillige Bewerbung und Akzeptanz von Nazi-Devotionalien in den Medien der ominösen Mitte der Gesellschaft.

Es ist beschämend, dass ganz offensichtlich selbst unter Journalist_innen derart leichtfertig mit der Nazimode umgegangen wird.
Es geht dabei nicht um ein paar T-Shirts. Es geht um eine offene Auseinandersetzung mit den teils sehr subtilen Repräsentationsformen neofaschistischer Gesinnung. Thor Steinar ist keine Marke wie jede andere. Thor Steinar findet sich (noch) nicht in einem Geschäft wie jedem anderen.
Wer Thor Steinar trägt ist Gesinnungstäter – da gibt es kein „aus Versehen“ oder „nicht gewusst“. Und genau darum ist von einem verantwortungsvollen Journalisten ein offenes Auge zu erwarten, wenn er einen Neonazi vor sich hat.

Stopp Thor Steinar!

[w³] mehr über die Hintergründe der Nazimarke

zahnlose tiger

Gestern versammelte sich die im Juli neu gewählte Neubrandenburger Stadtvertretung zu ihrer konstituierenden Sitzung. Erstmalig auch als Teilnehmer dabei: der Neonazi Jens Blasewitz vom Lindenberg.
Als seine Fans unter anderem mit von der Partie: Norman Runge aus Burg Stargard (Angestellter bei der Diakonie in Weitin und ehemaliger Gemeindevertreter in Burg Stargard) und der 2006er Landtagskandidat Sven Leibnitz (MST-II/MÜR-II 9,1%).

Der Antifaschistische Widerstand gegen den ersten bekennenden Neonazi in der Neubrandenburger Stadtvertretung gab nur ein kurzes Zwischenspiel vor dem Rathaus, als etwa 20 Jugendliche ein Transparent mit dem Spruch „Konstruktive Politik statt Nazi-Parolen“ entfalteten um gegen Blasewitz zu protestieren.
Im Rathaus ging es jedoch wesentlich entspannter zu. Von der wehrhaften Demokratie war nicht viel zu spüren. Ganz offensichtlich hatten sich die so genannten demokratischen Parteien darauf geeinigt, den Neuen im Ratssaal, hinten rechts neben der FDP, zu ignorieren. Man hofft wohl, dass es still bleibt um den bislang unauffälligen Blasewitz. Keine unnötigen Reibereien, die ihn aus der Reserve locken könnten. Keine Aktionen, die die Stadtvertretung für Medien und Bürger interessant machen könnten. Keinen Eklat wie anderswo – mensch könnte ja denken, Neubrandenburg hätte ein Naziproblem?!? So zeigte sich die Wehrhaftigkeit nur in schüchternen Nebensätzen, in denen für ein friedliches, demokratisches und anständiges Miteinander plädiert wurde.
Mit keiner Silbe wurde in den vielen Worten der Begrüßung erwähnt, dass sich etwas verändert hat. Dass es ausreichend Neubrandenburger_innen gab, die einem Rassisten und Faschisten ihre Stimme gaben und diesen so in die Stadtvertretung wählten. Dass dieser nun unter ihnen sitzt und unsere Stadt mitgestalten darf, so lange seine Organisation legal bleibt. Auch keine Ermutigung zum gemeinsamen Handeln gegen die menschenverachtende Idee, die Blasewitz vertritt, keine Gesten der Geschlossenheit, einfach… nichts! Stattdessen gab es Glückwünsche, Blumensträuße, Loblieder auf vergangene Legislaturen und das übliche Händeschütteln. Blasewitz selbst zeigte sich gelangweilt und tauschte höchstens verliebte Blicke mit Norman Runge aus, der ihn grinsend in die NPD-Kommunalparlamentsstrategie der inneren Emigration einwies, mit der dieser bereits in Burg Stargard punkten konnte.

Ein Thema totzuschweigen und zu ignorieren ist keine seltene Strategie der gegenwärtigen Politik. Die Waffe der Verdrängung funktioniert, wenn die Ausdauer der Verdrängten nur von zwölf bis Mittag reicht. Verfolgt Blasewitz mit seinem Mandat jedoch ein Interesse jenseits des Symbolischen, könnten unsere Kommunalpolitiker_innen noch ins Schwitzen kommen. Die Auseinandersetzung mit Naziparolen war bislang allenfalls mehr schlecht als recht der Spielplatz einiger Linker oder SPDler. Ein geschulterer, ambitionierterer Blasewitz als der gestrige wird der Stadtvertretung Probleme bereiten. Die Selbstbeweihräucherung der „aufrichtigen“ Demokraten hilft dann nicht weiter…

Es gibt keinen Königsweg in der Auseinandersetzung mit Nazis. Der Konfrontation dann aber völlig aus dem Weg zu gehen ist allerdings ein bedenklicher Vorgang. Die Ideologie hinter den Nazi-Parolen bleibt so nämlich im Verborgenen und wird nicht als Problem thematisiert. Die NPD-Vertreter_innen sammeln unbehelligt praktische Erfahrungen in kommunaler Politik. Beim nächsten Mal sind es dann vielleicht schon zwei, drei, viele Kandidaten, die gewählt werden und nicht mehr nur rumsitzen wollen. Die Demokraten in der Neubrandenburger Stadtvertretung haben sich auf ein gefährliches Experiment eingelassen und damit die Verantwortung für die Bekämpfung des Neofaschismus in unserer Gesellschaft von sich gewiesen.

Darum ist es wichtig, selbst aktiv zu werden.
Nazis aus der Deckung holen… auf der Straße, in den Parlamenten, überall!

Leibnitz
Nahkämpfer Blasewitz (18. Januar 2008)

Leibnitz
Sven Leibnitz (rechts)

Runge
‚Querdenker‘, ‚Philosoph‘…

Runge
… und Nazi-Aktivist Norman Runge (links)



Referer der letzten 24 Stunden:
  1. google.com (9)
  2. images.google.de (3)
  3. antifa-neubrandenburg.tk (3)