ring frei!

Mit freundlicher Genehmigung durch Kombinat Fortschritt:

“First Fight Team”-Trainer bläst zur Punkerjagd

Eine Massenschlägerei zwischen 16 Jugendlichen habe sich im Neubrandenburger Reitbahnweg ereignet und erst die Polizei konnte die Gruppen trennen. So nüchtern und trocken lasen sich die ersten Meldungen des Nordkuriers. Menschen, die einigermaßen sensibilisiert für die Tonlagen der Berichterstattung bei Naziübergriffen sind, stellten sich bereits jetzt die Frage, ob das wirklich die ganze Geschichte ist, dort also „normale“ Jugendliche in Streit geraten und handgreiflich geworden seien. Wie so oft stellte sich heraus: Nein, es ist nicht die ganze Geschichte. Nach allem was bisher bekannt ist, liest sich das ganze in etwa so: Am Abend des 20. Juni gehen drei Neonazis auf 13 nicht-rechte Jugendliche, vornehmlich Punks, zu. Unter den Nazis befindet sich auch mindestens ein Kampfsportler aus dem sattsam bekannten „First Fight Team“ Neubrandenburg. Es kommt zur Schlägerei, bei der auch Flaschen und Reizgas eingesetzt worden sein sollen. Der Kampfsportler, bei dem es sich um den 18-jährigen Philipp S. handelt, erleidet eine Platzwunde am Kopf und wird zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht, das er aber auf eigenen Wunsch gleich wieder verlässt. Sein Trainer beim „First Fight Team“, Ronny Schindhelm, blies auf Facebook derweil zur Punkerjagd – jedenfalls fühlte sich eine Mischung aus Mob, Neonazis und Unterwelt dazu herausgefordert.


Philipp S. präsentiert sich auf Facebook | Screenshot Facebook


“200 Granaten” | Screenshot Facebook

Das „First Fight Team“ (FFT) Neubrandenburg ist Veranstalter der „Fight Night“, einer Kampfsportveranstaltung, die in der Vergangenheit heftiger Kritik seitens Antifa und Lokalpolitik ausgesetzt war. Zwei Kämpfer des Teams, Silvio Dahms und Denis Tomzek, sind langjährig aktive Neonazis. Dahms, der auf der Brust tätowiert das Logo der Kameradschaft Bargischow trägt, wurde 2011 auf den Plakaten zur „5. Fight Night“ in der gesamten Stadt gezeigt. In der Folge hagelte es Kritik. Als Reaktion richteten die beiden FFT-Chefs Schindhelm und Stefan Kreienbrink eine Image-Veranstaltung mit Showkampf aus, und luden Entscheidungsträger aus Stadtpolitik und Presse ein. Halbherzig distanzierten sie sich von ihren beiden Kämpfern, bei Wettkämpfen sollten sie nicht mehr auftreten. Die antifaschistische Gruppe AONB bemängelte, eine echte Distanzierung sähe anders aus, als die beiden einfach nicht mehr auftreten, sie jedoch weiterhin trainieren zu lassen. Dennoch schien der Plan aufzugehen und die Bedenkenträger in Stadt und Medien waren vorerst besänftigt. Antifas erbrachten zwar weiterhin neue Belege für die weitreichenden Verbindungen des FFT in die rechte Szene, reagiert wurde durch die Verantwortlichen aber nicht.

Lynchjustiz, Punkerhass, Sozialchauvinismus – alles dabei

Nun könnten deren Befürchtungen neuen Nährstoff erhalten. Schindhelm, der in der Diskussion um sein Team und dessen Veranstaltung nicht müde wurde seine Abscheu gegen jede Art von Politik „links wie rechts“ zu betonen, äußerte sich in Beiträgen bei Facebook wenig vorbildlich zu den Übergriffen um seinen Schützling Philipp S. „200 Granaten“, Schindhelm meint offenbar Schläger wie er sie trainiert, wären durch Neubrandenburg gezogen und hätten die vermeintlich Schuldigen aufgesucht, wäre S. „draufgegangen“. Andere User nehmen kein Blatt vor den Mund: „Punkerfotzen“ und „Dreckspack“ sind noch die harmloseren Beschimpfungen, die herumschwirren. Mit 1000 statt 200 „Granaten“ müsse man auf „das Pack“ rauf, meint „Maik Volksdorf“. Der Beitrag wird fast 100 Mal geteilt, bevor Schindhelm seine Statements wieder löscht.

Als der Trainer behauptet, S. läge mit Stichwunden im Krankenhaus und sei fast verblutet, kocht die Stimmung in der Kommentarspalte hoch. Doch wie passt das mit der Selbstentlassung Philipp S’. und der Kopfplatzwunde zusammen, von der der Nordkurier berichtete? Gar nicht, aber das stört die Facebook-Meute nicht weiter. Dort wird sich stattdessen über die Berichterstattung des Nordkurier und dessen vermeintliche Falschdarstellung der Verletzungen echauffiert, garniert mit der in Nazikreisen allgegenwärtigen Erklärung, dass „die Presse“ eben „eine unglaubliche Macht ausübt“. „Die Presse lügt“, eine der beliebtesten Naziparolen, kaum verklausuliert. Wenig später postet ein User ein Video der Naziband Sleipnir, das Posting wird prompt mit „Gefällt mir“ markiert.

Nur wenige Kommentatoren lassen sich die Gelegenheit entgehen ihren Ressentiments gegen Punks freien Lauf zu lassen. Dazu präsentieren sie dann auch die eigenen Wunschlösungen: Folterkeller, Arbeitslager, im Zweifel Prügel – Sozialchauvinismus, Lynchjustiz und Vernichtungsgelüste, man kennt das ja.

Mehrfach versuchen Kommentierende Schindhelm zu beruhigen und ihm zu Besonnenheit zu raten. Doch der lässt sich nicht beruhigen. Im Stakkato und mit wohl festgeklemmter !-Taste postet er einen Beitrag nach dem anderen, will sich nicht den Mund verbieten lassen und erfindet immer neue Bewaffnungen, die die Punks bei sich getragen haben sollen – selbst Morgensterne.


Folterkeller Screenshot

Dabei hält Schindhelms Distanzierung von „links wie rechts“ auch einer nur oberflächlichen Überprüfung nicht stand. Einer seiner Mitkommentierenden ist der Anklamer Neonazi Frank Schumacher. Dessen Facebookprofil zeigt auch ein Foto der Gebrüder Schindhelm, im Hintergrund sind die Pokale des FFT zu sehen. Schumacher kommentierte das Foto mit anerkennenden Worten über die besten Trainer die er kenne. Während eines Prozesses um Neonazi-Angriffe auf Punks in Anklam wurde Schumacher vor dem Anklamer Amtsgericht der Mittäterschaft beschuldigt, die Staatsanwaltschaft kündigte damals an die Aufnahme von Ermittlungen zu prüfen.

Parallelen zu Pölchow und Toitenwinkel

Wie häufig in solchen Diskussionen, stoßen sich viele an dem vermeintlich unfairen Zahlenverhältnis von Punks und Neonazis. Doch allein die zahlenmäßige Überlegenheit der Punks als ein Indiz für deren Schuld zu werten, ist falsch. Erinnert sei hierbei an die Harakiri-Aktion von drei Rostocker Neonazis im Landtagswahlkampf 2011, die mit Pfefferlöschern bewaffnet etwa 70 Teilnehmer eines antifaschistischen Stadtspaziergangs angriffen, dann jedoch überstürzt die Flucht ergreifen mussten. Nur die gute Dokumentation des Vorfalls durch Fotografen konnte damals die erste Deutung, dass nämlich die linken Jugendlichen die Neonazis angegriffen hätten, widerlegen. Es ist eine beliebte Strategie von Neonazis, sich nach Angriffen selbst als Opfer zu inszenieren. Traurige Bekanntheit erreichte der erfolgreiche Versuch von Udo Pastörs (NPD) nach dem brutalen Überfall auf linke Bahninsassen in Pölchow 2007 in Gesprächen mit der Polizei die Geschehnisse praktisch umzudrehen. Plötzlich hieß es, die Linken hätten die Neonazis im Zug überfallen. Diese Falschdarstellung bestimmte danach die Ermittlungen der Polizei und konnte auch im drei Jahre später stattfindenden Prozess nur teilweise revidiert werden. In die Hände spielt den Neonazis dabei die Skepsis, dass eine zahlenmäßig stark unterlegene Gruppe eine überlegene angreifen würde. Spätestens die Ereignisse in Rostock-Toitenwinkel haben jedoch eindrucksvoll bewiesen, dass rationales Handeln bei Neonazis nicht vorausgesetzt werden kann. Weiter muss davon ausgegangen werden, dass ein kampfsporterprobter Neonazi wie Philipp S. durchaus Willens und in der Lage ist, es mit mehreren vermeintlich schwachen Kontrahenten aufzunehmen.

Die Neubrandenburger Polizei, die die Gruppen trennte und Ermittlungsverfahren einleitete, hat im Übrigen keine Messer gefunden. Und auch keine Morgensterne.


Frank Schumacher über die Schindhelm-Brüder (Ronny Schindhelm rechts)

gute freunde…

…kann niemand trennen.

Warum das Neubrandenburger „First Fight Team“ noch immer kein Problem mit Nazis und somit ein Naziproblem hat.

Als das „First Fight Team“ vor gut einem Monat zur Podiumsdiskussion und Schauveranstaltung lud, war zu erwarten, dass die Kampfsportler versuchen werden, ihr Naziproblem unter den Teppich zu kehren. Dass es augenscheinlich anders kam und klare Aussagen wie „dass Rassismus im First Fight Team und im MMA-Sport ‚ganz klar‘ nichts zu suchen habe“ fielen, wusste positiv zu überraschen. Dementsprechend fiel auch das Echo im Nordkurier aus und alle konnten sich freuen, dass die guten Fighter nicht mehr mit den bösen Fightern zusammen spielen. Diese Lobby-Arbeit trägt nun offenbar auch Früchte: Wie der Nordkurier berichtet, hat Neubrandenburgs OB Paul Krüger bereits grünes Licht für eine Fight Night im kommenden Jahr gegeben.
Es gibt jedoch eindeutige Belege dafür, dass an einer wirklichen Trennung der Neubrandenburger Fighter von der gewalttätigen und kriminellen Nazi-Szene nichts dran ist.

…gute Freunde…

Ein genauerer Blick hätte schon direkt Zweifel am tatsächlichen Umsetzungswillen der schönen Floskeln aufkommen lassen müssen. Denn die Ankündigung, die Neonazis im Team, Silvio Dahms und Denis Tomzek, würden lediglich nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen, ist ein bedeutender Unterschied zu einer wirklichen Trennung. Das First Fight Team will zwar die beiden Neonazis nicht mehr in Neubrandenburg auflaufen lassen, hat aber nicht vor, tatsächliche Konsequenzen zu ziehen und auch persönlich auf Distanz zu gehen.

Allerdings liegt auf der Hand, warum eine Trennung der Fighter von der Neonazi-Szene nicht so einfach vonstattengehen kann:

Dafür genügt schon ein Blick auf die Sponsoren des Teams. Ist doch die Firma „Losch Maler- und Bodenleger“ aus der Ihlenfelderstr. 119 in Neubrandenburg Arbeitgeber des „Fighters“ Denis Tomzek. Dieser ist bekanntermaßen Anhänger der so genannten Hammerskin-Bewegung; einer international organisierten, militant neonationalsozialistischen Skinhead-Vereinigung. Außerdem war er Mitglied der mittlerweile verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ), die sich, in Tradition der „Hitlerjugend“, der ideologischen Schulung des Nazinachwuchses verschrieben hatte.

Noch etwas spannender jedoch ist ein weiterer Sponsor, die Firma „Silvio Nagel Kurierdienste“ mit Sitz am Quastenberger Damm 223 in Burg Stargard: deren Firmenwagen wurde als Catering-Station beim diesjährigen neonazistischen „Tollensemarsch“ im Februar genutzt.


Für Neonazi-Events auf Achse: „Silvio Nagel Kurierdienste“, Burg Stargarder Neonazis und Denis Tomzek (ganz rechts) beim so genannten „Tollensemarsch“ im Februar.

Diese Verbindung ist der am „Tollensemarsch“ maßgeblich beteiligten Burg Stargarder Neonazi-Szene zuzurechnen. In diesem Fall ist es Elisabeth Nagel zu „verdanken“. Die 23-Jährige nimmt regelmäßig an NPD-Aufmärschen teil und ist immer wieder, gemeinsam mit anderen Neonazis aus Burg Stargard und Neubrandenburg, an diversen Aktionen beteiligt.


Elisabeth Nagel (links) beim NPD-Fackelmarsch in Demmin

Bedient wurde die „Gulasch-Kanone“ von weiteren Burg Stargarder Neonazis – unter ihnen die Brüder Robert und Ronny Schwenk. Letzterer ist mit der Lebensmittelausgabe gut vertraut, er liefert für die „Diakonie Stargard“ Essen aus. Der kirchliche Träger war bereits vor einigen Jahren im Gespräch, weil er mit Norman Runge (NPD) einen der prominentesten Neonazis aus dem Neubrandenburger Umland in der Pflege beschäftigt hatte.


Ronny Schwenk auf einer Demonstration an einem Transparent der mittlerweile verbotenen Kameradschaft „Mecklenburgische Aktionsfront“


Schwenk als Mitarbeiter der „Diakonie Stargard“

… sind nie allein.

Doch der Unterstützerkreis der Neubrandenburger Fighter in der Naziszene ist noch größer. Der Administrator und Gestalter der Online-Auftritte des First Fight Teams, Kai Schäfer, hat nicht nur eine Vorliebe für Computer und Kampfsport, sondern ist auch organisierter Neonazi. So trägt der mittlerweile in Berlin lebende Anklamer nicht nur eindeutig seine Gesinnung auf der Haut…


„Ewig lebt der Toten Tatenruhm“ heißt in Runenschrift – unter dem Bild eines Hitlerjungen vor einer „Schwarzen Sonne“ – auf Schäfers Oberarm


Bezeichnender Weise ist dieses Tattoo auf Schäfers Wade mit „Gemeinschafts-Tattoo“ untertitelt. Dieses Tattoo trägt auch der zweite Neonazi-Fighter, Silvio Dahms

… sondern war auch Anmelder und Administrator diverser Nazi-Webauftritte, unter anderem der Internetpräsenz der Kameradschaft „Jungsturm Pommern“ aus der Region Anklam.


Der braune Weltnetzgestalter als Admin der „FFT“-Facebook-Seite


Nazi und Pro-Gamer Kai Schäfer

…jede Menge Quark

Es ist erschreckend und vielsagend, dass die Fight-Szene derartig von Neonazis unterwandert ist. Noch dreister ist die Ignoranz ihrer Sprecher. Nach wie vor geht das „First Fight Team“ von Ronny Schindhelm und Co nicht auf Distanz zu den Neonazis Dahms und Tomzek, deren Mitgliedschaft im Club der Auslöser der ganzen Debatte um die „Fight Night“ war und die dort nach wie vor geduldet werden. Sie stellen sich sogar mit kruden sozialarbeiterischen Thesen hinter ihre „Kameraden“. Schindhelm sei, so der Nordkurier, fest davon überzeugt, dass sein Kampfsport charakterbildend sei. Sein Team wolle auch Tomzek und Dahms „den richtigen Weg aufzeigen, ohne den ganzen politischen Quark – egal, ob linksextrem oder rechtsextrem“.

Wieder war ein pseudo-antirassistisches Lippenbekenntnis der Köder, um mit der Nazi-Szene wenig vertraute Verantwortungsträger für sich zu gewinnen. Dabei steckt das „First Fight Team“ bis zum Hals im braunen Sumpf und macht sich durch die nach außen getragene Gleichgültigkeit gegenüber menschenverachtender Einstellungen zum Steigbügelhalter der rassistischen Hetze der NPD und ihrer Anhänger. Wer Neonazismus für nicht mehr als politischen Quark hält, gleichzeitig aber gewaltaffinen Neonazis ein Sammelbecken, eine Schlägerausbildung und Trainingsmöglichkeiten verschafft, der sollte zum einen weitere Schläge auf den Kopf vermeiden. Vor allem aber, sollte er in Zukunft weder in der Neubrandenburger Veranstaltungs- noch in der Kampfsport-Szene einen Platz haben.

kampf und bewegung

Am 19. November will das Neubrandenburger „First Fight Team“ (ehemals „Fight Club NB“) im Radisson Blu Hotel eine Werbeveranstaltung abhalten. Geladen sind vor allem Politiker und Meinungsträger. Der Club will die Debatte auf den Sport lenken und sein Naziproblem unter den Teppich kehren.

Am liebsten würden Ronny Schindhelm und Stephan Kreienbrink einfach ihr Ding machen. Sie mögen Kampfsport und die große Show und haben natürlich auch kommerzielle Interessen. Die beiden Frontmänner des „First Fight Teams“ Neubrandenburg haben eigentlich nur ein Problem: organisierte Neonazis in ihrem Team. Wobei, eigentlich haben sie kein Problem damit – es sind andere Leute, die sich daran stoßen.

Aber von vorn: Mittlerweile ist es fast zwei Jahre her, dass Antifaschist_innen aus Neubrandenburg erstmalig darauf hinwiesen, dass nicht nur eine große Affinität von Neonazis aus der Region zur MMA/Freefight-Szene besteht und allerlei schräge Gestalten im Publikum zu finden sind, sondern dass sich mit Denis Tomzek aus Neubrandenburg und Silvio Dahms aus Gnevezin bei Anklam, auch unter den Neubrandenburger Fightern selbst, engagierte Neonazis tummeln.
Dies hatte für große mediale Wellen gesorgt und den Veranstaltern arge Probleme bereitet. Sponsoren sprangen ab und die Stadt Neubrandenburg zeigt sich seitdem bemüht, der „Fight Night“ keine eigenen Immobilien mehr zu vermieten. Selbst ein Verbot zukünftiger Veranstaltungen wird diskutiert. Vor allem die SPD um Sylvia und Rüdiger Bretschneider, treibt die „Fighter“ und ihren Dunstkreis vor sich her.
Kein Wunder also, dass Schindhelm und Co. nun ins Rudern kommen und versuchen, von der braunen wieder in die Ringecke zu kommen. Ganz offensichtlich hat man bemerkt, dass ein lieblos vorgetragenes Statement gegen „Extremismus“ den Sportlern mit ihren Nazifreunden kaum jemand abkauft. Darum gibt es nun eine neue Strategie…

Sport ist Sport

Das „First Fight Team“ hat sich ausgedacht, am 19. November eine Schauveranstaltung mit anschließender Podiumsdiskussion zu veranstalten. Geladen wurden etwa 200 Personen aus Politik und Gesellschaft.

„… Als direkt Betroffene möchten wir mit einer Informationsveranstaltung grundlegende Kenntnisse über unseren Sport vermitteln und somit einen Beitrag zur Versachlichung der Debatten leisten […] Im Rahmen der Veranstaltung möchten wir Ihnen durch Vortrag und Vorführung sowie in einer Podiumsdiskussion Wissenswertes über unseren interessanten und spannenden Sport vermitteln sowie Ihnen die Gelegenheit zu Fragen und Diskussion geben.“ – Quelle: Einladungsschreiben

Irgendwie kann man Ronny Schindhelm fast glauben, dass es ihm um den Sport geht. Er ist ein lokales Kampfsport-Urgestein und in der nationalen wie internationalen Szene geschätzt und anerkannt. Schindhelm ist bisher keineswegs politisch in Erscheinung getreten. Es ist wahrscheinlich, dass er wirklich davon überzeugt ist, Politik und Sport und Politik und Freundschaft voneinander zu trennen. Darum bietet er nun den Politiker_innen und Politikern, die versuchen MMA als zügellose Gewalt zu diskreditieren, die Stirn. Das wirklich „Spannende“ und „Wissenswerte“ über das „First Fight Team“ findet sich in der Einladung allerdings nicht wieder.
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass er damit bei vielen Erfolg hat. Schließlich treffen die landläufigen Argumente gegen MMA als Sport auch auf etliche andere Kampfsportarten zu und erweisen sich als willkommene Nebelkerzen, die die „Betroffenen“ nutzen können, um der eigentlich zu führenden Debatte zu entgehen. Mit einer Diskussion über Gewalt im Sport haben die anderen Diskutanten, die Debatte von dem eigentlichen Problem mit der rechten Szene aktiv weggesteuert. Die Gewaltfrage allein ist ganz einfach nicht der Punkt, der zu diskutieren ist und zu dem Außenstehende tatsächlich nicht hinreichende Sachkenntnis besitzen. Die Gewaltfrage gewinnt ausschließlich durch die Verbindungen zur / Überschneidungen mit der gewaltbereiten Neonaziszene an Relevanz.

Blind vor Toleranz

So haben es Kreienbrink und Schindhelm stets vermieden, sich zu den Vorwürfen zu den mindestens zwei Neonazis in ihem Team konkret zu äußern. Sie gerieren sich offen für jedermann und werden nicht müde, zu betonen, dass Politik im Ring nichts zu suchen hat. Lediglich Dahms ließ über einen Anwalt verlauten, dass er aus der Szene ausgestiegen sei. Eine übliche Strategie.
Dass hinter derartigen Äußerungen nicht viel steckt, zeigten jüngst im September der erste Prozess gegen die Schläger, die im Mai diesen Jahres eine regelrechte Hetzjagd auf alternative Jugendliche in Anklam machten. Hier wurde unter anderem auch gegen Dahms als Beschuldigtem ermittelt. Er wurde von mehreren Zeugen als Tatbeteiligter genannt, vor Gericht geladen und verweigerte die Aussage um sich nicht selbst zu belasten.
Aber auf auch der Anklagebank fanden sich mit dem Gneveziner Toni R. und dem aus Anklam stammenden Timm L. zwei Bekannte des First Fight Teams. Timm L. , der im Verfahren gestand, bei einer der Hetzjagden beteiligt gewesen zu sein und einen 24-Jährigen und zwei 16-Jährige zum Teil bewusstlos geschlagen zu haben, ist mit Ronny Schindhelm befreundet und zeigt sich in Sozialen Netzwerken als Freund der Fighting-Szene. Aber auch der zweite Beschuldigte, Toni R., hat Verbindungen ins Neubrandenburger Dojo und fährt einen „First Fight Team“-Aufkleber auf der Heckscheibe seines Autos herum. Doch er ist nicht irgendein Schläger, sondern ein Bruder des Bargischower Kameradschaftsaktivisten und Sängers der vorpommerschen Rechtsrockband „Wiege des Schicksals“, Daniel Rosa, und gilt als führende Figur der Kameradschaft „Jungsturm Pommern“.


Keine Kompromisse – einer der Anklamer Nazischläger präsentiert sich auf Facebook

Dass auch Denis Tomzek nach wie vor Verbindungen in die Szene unterhält ist naheliegend. So zeigte sich das ehemalige Mitglied der verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) und Hammerskin Anfang des Jahres mit seiner Tochter am Treffpunkt des so genannten „Tollensemarsch“ in Neubrandenburg und begrüßte die Teilnehmer_innen.

Nicht zuletzt waren im Publikum bei der Fight Night 2011 mehrere bekannte Neonazis, wie Alexander Wendt aus Salchow, oder der Neubrandenburger NPD-Stadtvertreter Jens Blasewitz und NPD-Kreistagsmitglied Hannes Welchar aus Friedland, die ihren politischen Weggefährten mit „Tommy, Tommy“-Rufen anfeuerten.

Sport ist Sport und Politik ist überall

Wie soll es möglich sein, die brutalen Aktivitäten der Neonazis von ihrem Leben im Dojo zu trennen? Sind Sportler multiple Persönlichkeiten? Haben die Schläger von Anklam ihre im Training erlernten Fähigkeiten bei ihrem Überfall abgestreift? Sind Neonazis in ihrer Ringfreizeit keine Neonazis mehr? Und gehören zu einem vollständigen „bunten“ Publikum auch NPD-Kader, die ihren Kameraden zujohlen und Pressevertreter bedrohen? Lässt sich eine menschenverachtende Gesinnung einfach ausblenden, wenn man Woche für Woche eng beieinander trainiert, Zeit verbringt und Freundschaften pflegt?


unpolitische Knuddler unter sich (von rechts: Dahms, Schindhelm, Tomzek) – Quelle: Facebook

Ist man guten Willens, kann man Schindhelm für naiv halten. Aber der Versuch, den Menschen hinter der Nazi-Fassade zu finden, und eine derartige Verquickung zwischen Free-Fight-Szene und Neonazis in Mecklenburg-Vorpommern einfach auszublenden ist nicht duldbar. Nach wie vor zeigen die Verantwortlichen vom First-Fight-Team, dass ihr Verhältnis zur rechten Szene vor allem von einer absoluten Distanzlosigkeit geprägt ist.

Wem nützt es?

Der Klüngel aus Neubrandenburger Veranstaltungs- und Türsteherszene wird versuchen, alle denkbaren PR-Strippen zu ziehen. Der für seine Entgleisungen im Kampf gegen das eigene rechte Image bekannte Rechtsanwalt Hagen Schäfer wird weiter mit der Klagekeule wedeln und von der tollen Truppe, deren Teil er mittlerweile selbst ist, berichten.


Mittendrin statt nur dabei, Hagen Schäfer – Quelle: Facebook

Durch das Ablenken der Diskussion vom eigentlichen Kernthema wird vermutlich sogar von Sport als Gewaltprävention die Rede sein. Die geschilderte Beteiligung von „Fightern“ an brutalen Hetzjagden zeigt, wie zynisch die vermeintlich unpolitische „Versachlichung der Debatte“ ist.

Vielleicht wird es am kommenden Montag aber auch jemand wagen, Tomzek und Dahms anzusprechen. Vielleicht sind die Organisatoren sogar so dreist und lassen ihre Vorzeige-Nazis auflaufen… doch übrig bleiben wird nur noch mehr Nebel. Und während im Nachbarkreis Neonazis weiter versuchen, Räumlichkeiten für Straßenkampftrainings anzumieten und Menschen jagen, werden die Geschäftemacher weiter ihre Propaganda der Harmlosigkeit verbreiten und einfach „nur“ ihr Ding machen.

weitere Infos:

Die Probleme sind bei weitem keine Neubrandenburger Besonderheit. Auch der Rostocker „Fight Night“-Kämpfer Siegfried Hille wurde erst durch antifaschistische Recherchen als Neonazi enttarnt. Auch an der Küste gab es daraufhin Diskussionen um den Umgang mit den „Fight Nights“. Wie weit der MMA-Sumpf reicht, zeigt auch die Geschichte des Cottbusser Neonazis Markus Walzuck, die ausführlich im aktuellen Antifaschistischen Infoblatt behandelt wird.

recherchen haben ergeben…

Der Verfassungsschutzbericht wurde beinahe erschöpfend diskutiert und kommentiert. Doch er ist nicht nur zum Fremdschämen geeignet, sondern ein politischer Skandal.

2011 war das Jahr in dem aufgedeckt wurde, dass Neonazis in Mecklenburg-Vorpommern zwei Banküberfälle zur Finanzierung ihres Lebens im Untergrund begangen haben. Es war das Jahr, in dem die NSU-Mordserie aufgedeckt wurde. Über ein Jahrzehnt währender Terror eines ganzen Neonazinetzwerks, dessen Verbindungen nach Mecklenburg-Vorpommern mehr als wahrscheinlich sind. Eine halbe Seite Platz hat das Pamphlet für die rechten Nazimörder, die am 25. Februar 2004 Mehmet Turgut in Rostock-Toitenwinkel mit drei Schüssen in den Kopf hinrichteten… mehr hielt Google offensichtlich nicht bereit.

Dennoch haben es die Damen und Herren beim Inlandsgeheimdienst für das Kapitel „Linksextremismus“ nicht versäumt, allerhand Blogsport-Aktivisten mit dem Ritterschlag einer Erwähnung in diesem Opus Dei zu adeln, oder den Nietenkaisern von Feine Sahne Fischfilet anderthalb Seiten Promotion zu widmen.

Der Vollständigkeit halber: der bericht. Wer vermeintlich linke Projekte erwähnt findet, darf sie behalten. Wer Belege für mutwillige Falschbehauptungen findet, auch.

PS: das nächste Treffen der Selbsthilfegruppe „Anti-deutsch und in der AONB“ findet diesmal nicht im AJZ, sondern im CDU-Bürgerbüro in der Stargarder Straße statt. Inhaltlich wird es um den aktuellen Stand bezüglich der geplanten dschihadistischen Antifa-Zelle in Neubrandenburg gehen und der gewaltbereite Flügel wird ein paar neue Moves zeigen.

mupinfo: blasewitz schon lange out

Wir kennen Jens Blasewitz. Seit Jahren hält der tollpatschig wirkende Neonazi die NPD-Fahne in Neubrandenburg hoch. Viel bekommt man davon in der Regel jedoch nicht mit. Manchmal wollen die Schläger- und Saufnazis der Stadt mit ihm spielen, manchmal nicht. Auch seit er in der Stadtvertretung sitzt, ist es nicht wirklich lauter um ihn geworden. Ohne Aktion nunmal keine Reaktion. Blasewitz schnarcht Sitzung um Sitzung durch.

Es ist es ein glücklicher Umstand, dass er somit nur den geringsten Teil der Neubrandenburger Bevölkerung erreicht – für viele dürfte er auch nach Jahren des politischen Gestrampels noch immer ein Unbekannter sein. Doch trotz allem: Er und seine Partei sind überzeugt, dass das „Deutsche Volk“ anderen überlegen ist und schon ganz ganz bald ausstirbt (ehrlich!). Seine Partei fordert die Todesstrafe für psychisch kranke Triebtäter und die Abschiebung von hilfesuchenden Flüchtlingen, die sie als kriminell verurteilt. Dafür geht Jens Blasewitz auf die Straße, krächzt Reden bei Aufmärschen, lässt sich wählen, tritt an die Öffentlichkeit, ist in der Neonazi-Szene gut vernetzt.

Doch anders als es Blasewitz‘ Ideologie vielleicht vorgibt, sieht man Menschen jedoch nicht an, welche kognitiven und sozialen (In)Kompetenzen sie besitzen. Der Familienvater vom Lindenberg, geht mit Frau und Kind spazieren, geht feiern, geht einkaufen und zum Arzt, fährt mit seinem Skoda durch die Stadt – er führt ein ganz normales Leben, ungestört und nicht konfrontiert mit dem Widerstand, der seiner menschenverachtenden Haltung gebührt.

Genau diese Normalität zu durchbrechen, Nazis aus ihrer heilen Welt zu holen und vor allem ihr Umfeld zu informieren, ist der Sinn von Outings. Manchmal werden dabei Personen ans Tageslicht geführt, die bisher politisch noch nicht in Erscheinung getreten sind – die Veröffentlichung ihrer Aktivitäten ist in der Regel ein einschneidender Schritt, da sich weitergehende Konsequenzen für ihre Biographie abzeichnen können, wie bei Nadja Drygalla und ihrem Partner Michael Fischer.
Manchmal jedoch können Outings Menschen betreffen, die zwar als Aktivisten bekannt sind, sich aber gesellschaftlich eingerichtet haben. Ein Outing, oder eine Flyer-Aktion sorgt dann vor allem auch für den nötigen Druck auf die Menschen, Nachbarn und Freunde, die Neonazis in ihrer Gesellschaft dulden.

Die Gruppe „Step Forward“ hat in einem etwas holprigen Text die Bürger auf dem Lindenberg über ihren langjährigen Nachbarn informiert:

Am 7. Juni 2009 haben die Neubrandenburger zur Kommunalwahl einen Neonazi und Rassisten als Volksvertreter gewählt. Damit sitzt nun der erster bekennender Nazi im Neubrandenburger Stadtparlament und darf das Geschehen in unserer Gemeinde mitgestalten. Die Rede ist vom NPDler Jens Blasewitz, der auf dem Lindenberg in der Kirschenallee wohnt.

Seine politische Laufbahn begann der 38 Jährige in der autonomen Kameradschaftsszene in der er Kontakte zu gewaltbereiten Neonazis aus der Region pflegen konnte. So war er einer der führenden Köpfe der „MAF“, der Mecklenburgischen Aktionsfront, die aufgrund von Geschichtsrevisionismus und Verherrlichung des Nationalsozialismus bereits 2009 verboten wurde.
Ganz nach Vorbild der NPD Spitze verschob sich das Aktionsfeld des ehemaligen Kameraden in die bürgerliche Öffentlichkeit. Blasewitzs Aktivitäten bei Demonstrationen bei dennen er häufig als Ordner oder Redner auftritt, sind ein Beleg dafür. Ebenso wie die vermehrten Kundgebungen in der Mecklenburgischen Seenplatte Anfang 2012. Gemeinsam mit dem verurteilten Nazigewalttäter Michael Grewe, auch als der Schläger von Pölchow bekannt, meldete er in diesem Jahr die 1. Mai Demonstration der NPD in Neubrandenburg an. Unter dem rassistischen Motto „Leben und arbeiten in der Heimat“ lockte er an die 300 Neonazis aus ganz Mecklenburg Vorpommern in die Stadt.

Im Stadtparlament beteiligt sich Blasewitz kaum am geschehen, nicht an Ideenfindung und Problemlösungen die, die Stadt betreffen oder an sonstigem. Sein Mandat gebraucht er allenfalls um seinen braunen Unsinn und Propaganda zu verbreiten, wobei er die Stadtvertretung als Bühne nutzt. Wenn überhaupt beschränkt sich seine politische „Arbeit“ die er für die Bürger Neubrandenburgs verrichtet auf Störungen und Behinderungen der übrigen Abgeordneten.

Doch warum dieser Text wenn Jens Blasewitz so angepasst und bieder daher kommt?Wenn stören schon ein paar Kundgebungen und die Abgeordneten wissen schon mit ihm umzugehen, mag man sich denken…
Weil es gefährlich ist sein eingeschränktest Aktionsfeld durch Unfähigkeit zu erklären oder als harmlos abzutun. Denn er möchte nicht an der Demokratie mitwirken, sondern sie zerstören. Allein kann er im Parlament nichts verändern, aber Blasewitz pflegt weiterhin gute Kontakte zu gewalttätigen Neonazis. Sein wissen und die finanziellen mittel die Blasewitz durch seine Arbeit im Parlament erhält, nutzen er und die NPD um damit die „Kameraden“ auf der Straße zu unterstützen. Während die NPD noch bieder versucht den netten Nazi von Nebenan zu mimen, um ja nicht aufzufallen, werden diese vom Hass auf alles was in ihren Augen fremd ist angetrieben und schlagen immer wieder zu.

Ein Menschenverachtendes Weltbild wie es Jens Blasewitz vertritt ist inakzeptabel und kann nicht geduldet werden.

Nazis aus der Deckung holen… auf der Straße, im Parlament,überall!!!

Die Redaktion des Neonazi-Blogs „MUPinfo“ hat dieser Flugblatt-Aktion der (offensichtlich neuen) Antifa-Gruppe aus Neubrandenburg einen eigenen, belehrenden Artikel (*anonymisierter Link) gewidmet. Ihre hämische Analyse hat ergeben, dass der Text wenig Neuigkeiten enthält… … ja, ähm… wie soll sie auch zu anderen Schlüssen kommen? Als eine Bewegung, die stillsteht und deren seit Jahren gleiche Anhängerschaft nur Hass produziert und ausschließlich bemüht ist, Aktionsformen des politischen Gegners zu adaptieren, bleibt eben so die ein oder andere Reflexion auf der Strecke, der Propaganda zu Liebe.

Auch für uns ist es keine neue Erkenntnis, dass Jens Blasewitz jeder Nazi ein Scheißtyp ist. Und doch ist es notwendig, Namen zu nennen, in ihren Nahbereich einzudringen und den Druck zu erhöhen.

Das war ein erster Schritt – step by step… forward. Nazis auf die Pelle rücken.

Antifa-Demo gegen NPD und JN

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Mobiveranstaltungen:

07.10.2012 – Lübeck – 16 Uhr Café Brazil
11.10.2012 – Greifswald – 19.30 Uhr IKUWO
15.10.2012 – Rostock – 19 Uhr Café Median
16.10.2012 – Schwerin – 19 Uhr Komplex

beine in die hand

Nachdem die NPD bereits am Montag in Greifswald und am Dienstag in Demmin Infostände abzuhalten versuchte, sollte am vergangenen Mittwoch Neubrandenburg an der Reihe sein. Von 13:30 bis 15 Uhr hatte die Nazipartei vor dem Einkaufszentrum auf dem Datzeberg, sowie von 15 bis 17 Uhr in der Einsteinstraße, Ecke Gagarin-Ring in der Oststadt einen Stand angemeldet. Doch daraus wurde nichts…

Erwartet hatten sich die Kameraden in Neubrandenburg wahrscheinlich das einstudierte Spiel der Propaganda. Die Berufsarbeitslosen und steuerfinanzierten Nazi-Aktivisten bauen schnell ihren Stand auf, führen ein „Bürgergespräch“, machen ein nettes Foto und packen wieder ein. Garniert wird das tapfere Rumstehen dann mit einem schönen Artikel in einschlägigen Portalen – über Bürgernähe, Deutschland und Tugendhaftigkeit. Die daun wat.

Doch in Neubrandenburg lief es anders. Die vierköpfige Gruppe um den Burg Stargarder Norman Runge* und den Usedomer Daniel Ohm**, die mit leichter Verspätung auf dem Datzeberg eintraf, zögerte. Möglicherweise lag dies an den etwa 15 bis 20 Jugendlichen, die am „Platz der Familie“ warteten, um die „Kameraden“ samt ihrer Propaganda in Empfang zu nehmen. Nach internen Beratungen in sicherer Distanz, einigen Telefonaten und einem Gespräch mit den vor Ort anwesenden Polizeibeamten, entschieden sich die Neonazis gegen 14:30, den Datzeberg noch einmal zu verschonen und reisten ab.
Überrascht vom Rückzug der NPD, begab sich die Gruppe Antifas zum Ort der zweiten Anmeldung in die Oststadt. Dort wuchs sie rasch auf etwa 50 junge Menschen an und wartete auch hier auf den Auftritt der Nazis.
Gegen 15 Uhr gesellten sich zwei Polizeibeamte der vis-a-vis gelegenen Oststadt-Wache dazu und teilten mit, dass die NPD beide Infostände abgesagt habe. Der Beamte Schäfer verriet auch den Grund: Man wolle „sich in Neubrandenburg nicht auf die Mütze hauen lassen“…

Aber auch ohne etwas auf die Mütze sind öffentliche Aktivitäten der NPD in Neubrandenburg jenseits der Aufmarschversuche eher selten und schon gar nicht von Erfolg gekrönt. Im Landtagswahlkampf vor gut einem Jahr fuhr das so genannte Fischmobil zwei Stunden durch einige Stadtviertel, Parolen krächzten aus dem Lautsprecherwagen und so schnell wie es kam, verschwand es auch. Davor, 2008, versuchte eine Delegation aus NPD-Ordnungsdienst und ostvorpommerscher Kameradschaftsszene einen Infostand in der Innenstadt abzuhalten. Damals wie heute ohne Erfolg – in Bedrängnis durch etwa 40 Jugendliche, die sich gegen Nazis in ihrer Stadt engagierten, konnten sie kein Material an Passanten verteilen.

Und jetz jetz jetz?

Doch auch diese Erfolge können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in der Stadt eine rege Naziszene gibt, die durch das Verteilen von Propagandamaterialien, Schmierereien oder unterstützend bei Aufmärschen in der Region kontinuierlich in Erscheinung tritt. Immer wieder versuchen Neonazis auch in Neubrandenburg, die sozialen Nöte zu instrumentalisieren und die Unzufriedenheit der Menschen auf vermeintlich Schwächere wie Migrant_innen, Obdachlose, Andersdenkende zu projizieren.
Ob es an diesem Mittwoch nun an mangelnder Organisation oder schlichter Selbstüberschätzung lag, dass die NPD nicht in der Lage war, einen Infostand in Neubrandenburg abzuhalten, ist Spekulation. Aber es gibt Indizien, die für sich sprechen…

David P. aus der Ihlenfelder Vorstadt beispielsweise gab jüngst einen ungewohnt offenen Einblick in die Gedankenwelt, Potenziale und Strukturen des hiesigen Nationalen Widerstands. Bei Facebook gab sich der Neonazi auf beeindruckende Weise der Lächerlichkeit Preis und schaffte es so zu kurzer, virtueller Berühmtheit:


Syntax und Orthografie sind wohl zu undeutsch


Jetzt auch in deiner Stadt: join autonom nazi böck


Der Mann hinter der Bewegung: David P. aus Neubrandenburg


Lachen oder heulen? Der „Natinale Widerstand“ NB

Auch wenn Dummheit bekanntermaßen nicht minder gefährlich macht: nur weiter so.

* Ex-Aktivist in der mittlerweile verbotenen Mecklenburgischen Aktionsfront (MAF), zeitweise Stadtvertreter in Burg Stargard und jetzt NPD-Kreisvorsitzender in der Seenplatte

** Seit vielen Jahren aktiver Neonazi aus dem Umfeld des Kameradschaftsbunds Usedom (KBU), jetzt Stadtvertreter der NPD in der Stadt Usedom



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