Archiv für Juli 2007

// schier unmöglich

Immer wieder für eine Überraschung gut: Klaus Schier – Stadtabgeordneter in Neubrandenburg für die Wählergemeinschaft „Allgemeine Unzufriedenheit“.

Doch diesmal ging er mit seinen populistischen Äußerungen eindeutig zu weit. In einer Antwort (hier) auf einen Artikel des Nordkurier bezüglich der Schließung des Naziladens „Most Wanted“ in der Pfaffenstraße bezeichnete er die antifaschistische Arbeit gegen den Laden und dessen Inventar als „wenig hilfreich“ und diskreditiert die Aufklärung über die Nazi-Marke Thor Steinar als Kriminalisierung.

Hier wird sehr deutlich, wie wichtig die Initiative gegen den neuen Nazi-Chic ist, wenn ein „demokratischer“ Stadtabgeordneter derartige Bildungslücken aufweist.
Die Marke Thor Steinar ist trotz ihrer modisch-bürgerlichen Fassade ein eindeutiges Bekenntnis zur rechten Szene. Denn im Gegensatz zu früheren Dress-Codes a la „Lonsdale“ oder „Fred Perry“ handelt es sich bei Thor Steinar um eine originär rechte Kleidungsmarke, die ganz bewusst mit Nazi-Symbolik kokketiert. Der Bezug der Kleidung erfolgt nur durch den eigenen Versandhandel oder eben einschlägige Geschäfte. Somit ist jeder Träger eines TS-Shirts oder -Pullovers ein Unterstützer und Sympathisant der Neonazi-Szene. Das ist keine Kriminalisierung sondern eine Tatsache.

Wir bieten Herrn Schier an, sein gefährliches Halbwissen aufzuarbeiten und mit Infomaterialien seine offensichtlichen Wissensdefizite zu beseitigen – er möge uns kontaktieren.
So allgemein die Unzufriedenheit auch sein mag, so müsste man bei aller Pöbelei genauer hinsehen, wofür und wogegen mensch agiert. Dann hätte her Schier die „Energien“ gegen Naziläden vielleicht verstanden. Ansonsten gilt: wenn man keine Ahnung hat,…

Nazikleidung stinkt!

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Infoseite „Stop Thor Steinar“
Reaktion des Nordkurier (04.08.2007)

// landesweite aktionen gegen naziläden

Eine Pressemitteilung von Antifaschistischen Gruppen aus MV vom 19. Juli 2007

In vielen Städten Mecklenburg-Vorpommerns haben Antifaschist_innen heute mit tausenden Flugblättern auf Läden aus und für die Neonazi-Szene hingewiesen. In allen Regionen des Bundeslandes werden von Mitgliedern der Szene inzwischen erfolgreich mit der menschenverachtenden Ideologie der Rechten Geschäfte gemacht.

“Wir wollen mit unseren Aktionen die Öffentlichkeit sensibilisieren”, teilt Caroline Jürgens, Pressesprecherin der verschiedenen antifaschistischen Gruppen, mit. “Fast überall im Land gibt es inzwischen Umschlagplätze für die Hasspropaganda der Neonazis. Proteste von Anwohnerinnen und Anwohnern in Wismar und Rostock zeigen jedoch, dass es möglich ist, sich gegen Nazi-Läden zu wehren und sogar ihre Schließung zu erreichen.”

Von den Antifaschist_innen aus verschiedensten Gruppen wurden in Rostock, Wismar, Grevesmühlen, Güstrow, Neubrandenburg, Gnoien, Strasburg, Stralsund und Anklam mehrere tausend Flugblätter verteilt. In allen Städten gibt es rechte Szene-Shops. In Neubrandenburg sollten mögliche Vermieter_innen von Geschäftsräumen gewarnt werden, um eine Neueröffnung eines einschlägen Ladens zu verhindern. Auf den Handzetteln wird auf die Bedeutung der Geschäfte für das rechtsradikale Milieu, die Verquickung mit der NPD im Schweriner Landtag und die rechte Modemarke “Thor Steinar” hingewiesen. Außerdem wird darüber informiert, wie Anwohner_innen gegen die Neonazi-Läden protestieren können.

Im Internet sind darüber hinaus auf der Internetseite links-lang.de ausführliche Informationen über das Netz von Neonazi-Läden im Land verfügbar.

In Rostock protestieren die Antifaschist_innen gegen den Laden “East Coast Corner” der Hamburger Neonazis Torben Klebe und Thorsten de Vries. Seit mehreren Wochen kommt es in der Stadt immer wieder zu Aktionen gegen das Geschäft. In Wismar richteten sich die Flugblätter gegen ein Netzwerk von Neonazis, das neben einem Ladengeschäft einen Versandhandel, ein Tattoo-Studio und sogar ein Hausprojekt betreibt. Nahe Grevesmühlen ist in dem Ort Plüschow ein rechter Versandhandel angesiedelt. Ein rechter Szene-Shop in Güstrow ist in der Eisenbahnstraße beheimatet. In der Stadt kommt es seit einiger Zeit zu Protesten gegen Rechts.

In Gnoien hat erst kürzlich ein rechter Szene-Shop in der Friedensstraße eröffnet, der die einschlägige Kleidungsmarke “Thor Steinar” vertreibt. In Stralsund gibt es mit dem “Sonnenbanner” und “Headhunter Streatware” inzwischen sogar zwei Geschäfte für die Szene. In Anklam existiert schon seit mehreren Jahren der Laden “New Dawn”, der eng mit der lokalen Neonazi-Szene verknüpft ist. In Strasburg gibt es seit zwei Jahren den Laden “Youngland”, wo neben rechter Kleidung auch NPD-Propaganda über die Theke geht. In Neubrandenburg informierten Antifaschist_innen potenzielle Vermieter_innen von Geschäftsräumen. Damit soll die Neueröffnung des Ladens “Most Wanted” an anderer Stelle verhindert werden, nachdem dessen bisheriger Standort in der Pfaffenstraße vor einigen Tagen geschlossen hat.

Weitere Geschäfte von Neonazis gibt es auch in anderen Städten: So betreibt Doris Zutt, Mitglied im Bundesvorstand der NPD, seit Jahren ungestört den rechten Gemischtwarenladen “Zutt’s Patriotentreff” in Waren-Müritz. In Schwerin hat erst kürzlich der “Thule Store” mit Verbindungen in die Berliner Neonazi-Szene eröffnet.

“Wo Neonazis ungestört Läden betreiben können, verdienen sie nicht nur prima im wachsenden Markt rechter Kleidung, Musik und Accessoires”, teilt Tobias Albrecht, Pressesprecher der Antifa-Gruppen, mit. “Von diesen Orten aus wird menschenverachtende Propaganda verbreitet. Jeder Normalisierung von Volksgemeinschaftswahn, Herrenmenschentum und Kriegsbegeisterung gilt es jedoch entschieden entgegenzutreten. Nazi-Läden gehören nicht in die Innenstädte Mecklenburg-Vorpommerns, sondern geschlossen!”

// neues aus der pfaffenstraße

Seit gut zwei Wochen ist am Eingang des (geplanten) rechten Szeneshops „Most Wanted“ in der Pfaffenstraße eine Notiz angebracht, die eine Neuvermietung des Geschäftsraumes ab dem 1. August 2007 ausweist. Wir beobachten diesen Rückzug mit Skepsis. Mensch darf zu Recht vermuten, dass sich die Bandidos woanders ein neues Domizil suchen werden – in einer preisgünstigeren Gegend, mit einem besser gesonnenen Umfeld.

Wir fordern deshalb alle wachsamen Bürger_innen und Unterstützer_innen auf, genau hinzusehen und uns Hinweise jeder Art zukommen zu lassen – die Adresse(n) findet ihr unter Kontakt.

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das sagt der nordkurier

// geschichtsstunde

In Anbetracht der wüsten Reaktionen bezüglich unserer Aufregung um eine Traueranzeige im Neubrandenburger Nordkurier sehen wir uns gezwungen, den Beitrag etwas zu ergänzen.
Natürlich war es eine Provokation, die genannte Anzeige mit einem derart knappen Kommentar online zu stellen – es polarisiert. Das Ergebnis ist allerdings mehr als interessant. Die Kommentierenden bei Indymedia standen Kopf.

All den Hobbyhistoriker_innen und Revisionist_innen, die uns mit ihren Ergüssen erfreuten sei an dieser Stelle ernsthaft ins Gewissen geredet.

Die Anzeige wie die Kommentare äußern ihren Tenor nicht nur durch die bloße Formulierung des Antikommunismus, sondern vor allem durch die undifferenzierte Herangehensweise an die Problematik „Ostfront“.
Mordende, plündernde Kommunisten und Gräueltaten auf der einen, ein unschuldiger Stalin, der „da nur so reingerutscht“ ist auf der anderen Seite.

Rollen wir die Thematik ganz von vorn auf, müssen wir allem Anschein nach im so genannten Ostpreußen um 1917 beginnen.

Besagter Heinz Trottnow hat um diese Zeit an der Ostfront definitiv kein Eisernes Kreuz erhalten, es sei denn die kaiserliche Generalität hätte (fiktives Sterbealter des H. T. min. 100 Jahre) Kinder damit „ausgezeichnet“.
Ein weiteres Kontraargument ergibt sich aus der Tatsache, dass das Russische Zarenreich erst gegen Ende des Krieges (1917) zusammenbrach und aus Russen Sowjets wurden – Russische Truppen verwüsteten während des 1. Weltkrieges zu keiner Zeit deutsche Dörfer und Landstriche.
Es ist also Anzunehmen, dass Herr Heinz Trottnow (möge er in Frieden ruhen) zu seinen militärischen „Ehren“ während des Zweiten Weltkrieges gekommen ist. Als Träger des Eisernen Kreuzes 1. Klasse gehört er einer Gruppe von etwa 450.000 Personen an, die diese Ehre teil(t)en. Hierbei ist es zu bezweifeln, dass er einer von wenigen finnischen Juden ist, die das EK1 für ihren Kampf gegen die Rote Armee in Finnland verliehen bekamen. Kurz und knapp lässt sich schlussfolgern, dass es sich bei dem 2004 Verstorbenen um einen der Wehrmachtssoldaten handelt, die a) am Überfall auf Polen und die Sowjetunion beteiligt waren und gemeinsam mit regionalen Kollaborateuren furchtbare Gräueltaten begingen oder die b) die Verbrannte Erde Politik ihres „Führers“ mit einer abartigen Grausamkeit in die Tat umsetzten.
Ja, jeder deutsche Soldat, der eine Kugel auf einen „Feind“ abgefeuert hat ist ein Verbrecher und ja, er verdient nicht mehr als Verachtung!
Ein weiteres Argument der nicht durchweg destruktiven Kritiken war der Vorwurf der indirekten Beschönigung der Handlungen der Rotarmisten. Der wohl wichtigste Konsens, der vor einer Diskussion gefunden werden muss ist, dass mensch zwischen Stalinisten und Kommunisten differenzieren muss. Der Stalinismus war, dies ist wissenschaftlich gesichert, das Werk Stalins – Die Sowjetunion war spätestens von 1927 an bis 1953 einzig und allein Stalins Projekt. Die Säuberungen, die Judenverfolgungen und auch die Kriegsverbrechen waren Ideen Stalins und seines Hofstaats. Es ist ein großer Fehler, dieses totalitäre Regime dem Kommunismus gleichzusetzen oder es auch nur als eine Entartung desselben zu bezeichnen. Diese Gleichsetzung ist NS-Propaganda, die auch nach dem Krieg fortgesetzt wurde. Kommunismus als Faschismus unter roter Fahne ist die westalliierte Umdeutung, nationalsozialistischer Kommunistenhetze und sollte deshalb mit Vorsicht genossen werden.
Auf die Geschehnisse an der Ostfront im Speziellen eingegangen muss mensch Bedenken, dass die Rote Armee aus einem Verteidigungskrieg in einen Angriffskrieg geriet und viele vom Krieg gezeichnete Soldaten, die viele Angehörige und andere geliebte Menschen durch Wehrmachts- und SS-Angehörige verloren haben, nun auf den vermeintlichen Urheber dieser Verbrechen trafen: den Deutschen (Soldaten) per se. Auch wenn diese Pauschalisierung durchaus streitbar ist, so ist die Brutalität und Härte der sowjetischen Truppen neben dem stalinschen Terror durch diese „Rache“ zu erklären.
Sowohl die Geschichte als auch die Traueranzeige ließen sich beliebig zerpflücken und diskutieren. Fakt ist aber, dass mensch stets differenzierter und fundierter argumentieren sollte, bevor er_sie sich auf die ein oder andere Seite schlägt – denn das ist Schwarz-Weiß-Denken.

Deutscher Opferkult ist und bleibt ein revisionistischer und revanchistischer Akt und gehört veurteilt!

// denkanstoß!

Eine neue Gruppierung, die Antihierarchische Gruppe Rostock (AHGRO), stellt in einem Grundsatztext Strukturen und Handlungsweisen, der autonomen Linken in Mecklenburg Vorpommern, in Frage.
Hierarchische Elemente in vorhandenen Strukturen wird der Kampf angesagt, und die Kooperation mit der gemäßigten Linken, z.B in der „Keine-Stimme“ Kampagne 2006, wird kritisiert.

Die Meinungen dazu dürften divergieren und die Kritik ist keine neue – jedoch wird ein interessanter Diskurs auf das Parkett gebracht, den es sich zu diskutieren lohnt. Bleibt zu hoffen, dass sich die Resultate und Konklusionen wahrnehmbar äußern werden.

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Antihierarchische Gruppe Rostock (AHGRO)

// flucht vor kommunisten


„Flucht vor den Kommunisten, die…“

Mensch musste tatsächlich zweimal hinsehen um zu glauben, was sich am 30. Juni bei den Traueranzeigen im Neubrandenburger Lokalteil des „Nordkurier“ fand. Sicherlich mag es vielen Lesern aufgrund der Post-NS-Erziehung vom „bösen Iwan“ nicht sonderlich sauer aufgestoßen sein. Dennoch ist es ein Skandal, dass die Lokalredaktion einer Stadt wie Neubrandenburg (mit der dunklen Vergangenheit eines Otto Ernst Remer und des Lagers Fünfeichen) derartig maskierte Kommunistenhetze einfach übersieht. Eine öffentliche Diffamierung der Befreier Europas und der Welt vom Nazi-Terror und dessen Machern darf nicht gedultet werden! Ein Träger des Eisernen Kreuzes 1. Klasse wird genau gewusst haben, warum er fliehen musste.

Спасибо an alle Rotarmisten, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben riskiert und geopfert haben! Gegen deutschen Opferkult!

// HardROck


Wie sich alles wiederholt… die Frontkämpfer der „East Coast Corner“ in Rostock versuchten auch am vergangenen Wochenende für den Bestand des rechtsextremen Bekleidungsgeschäftes in der KTV zu demonstrieren. Wie auch am 30. Juni sah die nationale Solidarität diesen Samstag wieder etwas Mau aus. Die peinlichen 300 Teilnehmer wurden abermals nicht überschritten.
Die antifaschistische Gegendemo unter dem Motto „let’s rock them hard“ konnte hingegen mit 1000 Teilnehmern eine erfolgreiche Mobilisierung vermelden. Es darf weiter gerockt werden.

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Hier ein umfangreicher Bericht auf Indymedia