// gegendruck

Fast ein halbes Jahr ist es wieder her, dass der Wirtschaftgipfel der „Großen Acht“ in Heiligendamm tagte. Ist er bei den Bürger_innen fast ausnahmslos vergessen, so sind Staat und Justiz noch mittendrin in der Hetze gegen die Gipfelgegner_innen. Hinzu kommen die Vorhaben von Schäuble&Co Deutschland zu einem Präventionsstaat zu machen, also de facto Repressionsmaßnahmen und Justizwillkür zu erheblich fördern. Auf Basis dieser Geschehnisse organisierte das Antirepressions-Bündnis Rostock am vergangenen Samstag eine Demonstration, um kritisch darauf aufmerksam zu machen. Die Demo fand in der KTV statt und war selbst nur der Höhepunkt einer ganzen Veranstaltungswoche gegen staatliche Unterdrückung.
Um ca. 14:00 Uhr trafen sich über 450 Teilnehmer_innen aus M/V und anderen Bundesländern wie Berlin und Hamburg am Saarplatz. Nach Redebeiträgen verschiedener Gruppen und Initiativen sollte der Demonstrationszug um 15:00 Uhr seine genehmigte Route antreten. Aber er wurde von der Polizei gestoppt. Der Einsatzleiter begründete diesen Vorgang mit angeblichem Verstoß gegen die Auflagen – genau meinte er damit, dass die Transparente länger als 1,50m waren und über Schulterhöhe gehalten wurden. Nachdem sich die Anmelderin und die Polizei auf einen Kompromiss geeinigt haben und alle Ordner ihre Personalien zur Kontrolle abgeben mussten konnte sich die Demo letztendlich um 16 Uhr im Spalier der Bullen in Bewegung setzen. Nach einem kurzen Fußweg kamen die Protestler_innen an der Bundespolizei vorbei, wo es zu einem weiteren Redebeitrag kam. Dieser problematisierte vor allem die Flüchtlingspolitik und rassistische Polizeiübergriffe in Rostock und der ganzen BRD. Wenige Meter weiter machte die Demo vor der Polizeiwache wieder halt. Sie war die Gefangensammelstelle während des G8-Gipfels. Erlebnisberichte blickten zu den grausamen Umständen für die Gefangenen während dieser Zeit zurück. Außerdem kam es zu einer Liveschaltung zu einer zeitgleich stattfindenden Demonstration in Genua. Auch dort demonstrierten die Menschen (am Ende zählte man 100.000 Teilnehmer_innen) kraftvoll gegen die Repression im Folge des G8 im Jahr 2001. Nach diesem Ansporn begab sich der Zug weiter Richtung Doberaner Straße zur Staatsanwaltschaft, um dort eine weitere Kundgebung zu abhalten. Er machte auf die Kriminalisierung von Protestbewegungen durch den Staat aufmerksam und mahnte an, dass durch Gesetze wie §129a und ferner durch die Vorratsdatenspeicherung der Staat seinen Repressionsapparat kontinuierlich ausbaut. Wenige Minuten später kam es vor der Brauerei zu einen Zusammenstoß zwischen den Demonstrant_innen und der Polizei, da die letztgenannten anscheinend ein Problem mit einer spontanen Laufeinlage hatten. Es kam zu Schlagstock- und Reizgaseinsätzen, wobei einige Teilnehmer_innen leicht verletzt wurden. Danach ging mensch über die Friedrichstraße zum Amtsgericht, um auch dort seine_ihre Meinung gegenüber den Kürzungen der Privatsphäre und der Kriminalisierung zu äußern, und sich weiter zur Endkundgebung auf dem Doberaner Platz zu begeben. Dort kam es zu einer Konfrontation zwischen einigen Demonstrierenden und einem provozierenden Nazi-Fotografen. Wieder setze die Bullenschaft ihre geliebten Hilfsmittel Reizgas und Knüppel (in dieser Reihenfolge) ein und wieder kam es zu Verletzungen. Die Demonstration konnte trotzdem friedlich um ca. 18:00 Uhr beendet werden, nachdem die Bullen sich wieder beruhigten und die Endkundgebung (inklusive einer Schweigeminute zum Tod der wichtigsten Grundgesetze) vollzogen werden konnte.
Es sind bis jetzt keine Festnahmen bekannt.

Lasst euch nicht unter’n Rock schaun! Stoppt die Überwachung!
Gebt dem Staatsterror die volle Breitseite!

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indymedia