Archiv für Mai 2008

// gegendruck

Seit Montag ist eine antifaschistische Gegendemo angemeldet. Mit ihr können wir den Nazis einen gebündelten Protest entgegensetzen. Beginnen soll sie um 8:00 Uhr am Rathaus. Allerdings steht noch nicht fest unter welchen Auflagen und ob sie überhaupt genehmigt wird. Es liegt jetzt in den Händen der Stadt, welchen Prostest sie gegen die menschenverachtende Demonstration der NPD und der Freien Kameradschaften zulässt…

Um auch die Leute in Greifswald auf dem laufenden zu halten, findet am Mittwoch, dem 4. Juni um 19 Uhr eine Mobilisierungsveranstaltung im Klex (Langestraße 14 – Greifswald) statt. Neben Infos zum Naziaufmarsch und zu den geplanten antifaschistischen Gegenaktivitäten, wird es auch nützliche Rechtshilfetipps geben.mehr dazu

// wo sind sie geblieben?

„Würdet ihr euch ein wenig zur Seite setzen? Wir haben auch ältere Kundschaft, die Angst vor euch hat“ – Episoden aus der Provinz.
Es war sonnig, gestern Vormittag in Güstrow. Die Stimmung war heiter und vielversprechend, als sich etwa 150-200 engagierte und interessierte Antifaschist_innen unter dem Motto „Es gibt kein ruhiges Hinterland“ ab 11 Uhr vor dem Bahnhof einfanden.
Gegen Mittag begab sich der Demonstrationszug auf den Weg durch die Güstrower Innenstadt. Am Rathausplatz gab es eine Kundgebung mit Redebeiträgen zum rechten Gewaltexzess von Bützow im vergangenen August, Nazi-Aktivitäten in und um Güstrow. Ebenso wurde zu verstärktem Engagement gegen den Faschismus im Alltag und die immer dreisteren Nazis aufgerufen. Das Anliegen der Initiator_innen wurde erfüllt. Dennoch bleibt ein kritischer Nachgeschmack:

Das Verhalten der Bullen war wie gewohnt zweifelhaft. Im Großen und Ganzen hielt sich die Staatsmacht zwar vom Demonstrationsgeschehen zurück – doch die üblichen, unnötig aggressiven Drohungen gegenüber einzelnen Demonstrant_innen blieben nicht aus. Arrogantes Mackergehabe der Dorfpolizei drückte die Stimmung. Die Anwesenheit einer Hundestaffel blieb unbegründet, die Beamt_innen hatten die Tiere mitunter nicht unter Kontrolle.
Die etwa 25 Nazis, die kurz nach Beginn die Route säumten wirkten eher wie lustlose Touristen, filmten und fotografierten den Demo-Zug. Keine Spur von ähnlich absurden Aktionen wie im vergangenen Jahr.
Doch… was bleibt? Mensch muss sich die Frage stellen, welchen Effekt eine derartige Demonstration bringen will und bringen kann?! Eine politische Demonstration politisiert noch lange nicht, Missstände können hierbei nur benannt, nicht beseitigt werden. Nazis können in ihren Aktivitäten gestört oder behindert werden. Gegenwind ist wichtig, ohne Zweifel – doch wen erreicht mensch nachhaltig?
Dabei geht es nicht um wirtschaftliche Definitionen von Effizienz und Nachhaltigkeit, sondern schlicht und ergreifend um die kritische Wahrnehmung des eigenen Tuns. Antifaschismus ist kein Reflex, sondern Bezugsrahmen allen Denkens und Handelns.

Ein wichtiges Zeichen wurde gesetzt, die Zahl der Teilnehmer_innen spricht für sich. Sollte es aber damit getan sein, bleibt nur Schall und Rauch. Neue, kreative und intelligente Ideen sind gefragt… nicht nur in Güstrow.

hier die Sicht der Antifa Greifswald





// indeed

Wie häufig in den vergangenen Jahren hat die Stadt auch dieses Mal die NPD-Demonstration verboten.
Die Gründe hierfür sind unter anderem die Teilnahme des Verurteilten Schlägers Stefan Köster (der für die NPD im Landtag von M-V sitzt). Im Rahmen des NPD-Landtagswahlkampfes demonstrierten mehrere Menschen gegen ein Treffen der Nazipartei am 04. Dezember 2004 in Steinburg (Schleswig-Holstein). Führende NPD-Funktionäre – darunter auch Stefan Köster – griffen daraufhin die Protestler_innen an. Ein Panorama-Fernsehteam filmte sie dabei – so auch, wie Köster auf eine am Boden liegende Frau eintritt. Im März 2007 wurde er vor dem Landgericht Itzehoe wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 5.400 Euro verurteilt.
Auch der Anmelder Michael Grewe findet sich in der Verbotsverfügung. Wie wir bereits berichteten, befand er sich unter den Angreifer_innen von Pölchow. Aus diesem Grund wurde vor kurzem gegen ihn ein Strafverfahren eingeleitet.
Einen weiteren Verbotsgrund sieht die Stadt in dem Punk-Open-Air im AJZ, welches am selben Tag stattfinden wird. Hierzu sei die gesamte autonome Szene von Mecklenburg-Vorpommern eingeladen, weshalb das Eskalationspotential drastisch steigen würde.
Mit dem von der Stadt verhängten Verbot wird sich nun das Verwaltungsgericht Greifswald befassen müssen. Die NPD hat bereits angekündigt, weitere rechtliche Schritte einzuleiten. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre lehren uns, dass wir mit einer Aufhebung der Verbots rechnen müssen. Dies bedeutet, weiter zu machen wie gehabt… wir bitten euch, weiter zu mobilisieren.

Die Planungen sind in vollem Gange. Nur noch ein bisschen Geduld…

// 24.5. – ich will action,…!

Ein Anliegen eines Aktivist_innen-Bündnisses aus Güstrow:

Liebe Antifaschisten und Innen,

wie euch sicher aufgefallen ist werden wir in letzter Zeit von der brauen Masse überschwemmt. Und während es in den Großstädten noch ansatzweise gelingt diesem Prozeß entgegenzuwirken breiten sich auf dem Land und in Kleinstädten zusehends klare Nazistrukturen aus. Die hier, ungeachtet von der Allgemeinheit, die Basis für ihre menschenverachtenden Ansichten schaffen können.
Deshalb ist es wichtig auch fernab der Großstädte mit solidarischen Aktionen den Protest auferstehen zu lassen. In diesem Sinne planen wir einen antifaschistischen Aktionstag um diesen Protest auch in die Straßen von Güstrow zu tragen.

Dieser soll am 24.05.2008 stattfinden. Wir starten mit einer lautstarken Demo durch die Güstrower Innenstadt um 11 Uhr am Güstrower Bahnhof anschließend, ca. 16.30 Uhr, soll es ein Seminar zum Thema „NPD und freie Kameradschaften in MV“ geben.

Wir würden uns freuen euch am 24.05. mit möglichst vielen Menschen begrüßen zu können und hoffen auf eure solidarische Unterstützung.

Aktionisten und Innen aus Güstrow

Es lohnt sich… mal raus aus der Großstadt. Und bitte versucht, möglichst nicht allein anzureisen.

// aktuelle infos

Die Demo der Faschos ist für 10 Uhr angemeldet. Als Anmelder fungiert Michael Grewe – jahrelanger Aktivist des neonazistischen Spektrums. Er ist unter anderem Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern und Beisitzer im Landesvorstand der Partei. Er befand sich unter den Angreifer_innen auf Antifaschist_innen am 30.06.2007 in Pölchow. Schon vor einigen Jahren machte der gelernte Wagenmeister auf sich aufmerksam: 1997 beschlagnahmten Polizeikräfte in seiner Wohnung ein Maschinengewehr, einen Karabiner sowie über 1000 Schuss Munition.

Ihre gewünschte Route ist weitaus größer geplant als in den Jahren zuvor.

Wie zu erkennen ist, wollen sie dieses Mal auch durch die Ihlenfelder Vorstadt marschieren. Im Allgemeinen steht aber noch nicht fest ob die Route wie dargestellt genehmigt wird. Start- und Endpunkt ist wie immer am Prellbock (hinter der Fußgängerbrücke am Bahnhof). Am Arbeitsamt soll es zur Kundgebung kommen.
Was es genau an Gegenaktivitäten/Mobi-Material geben wird, steht zurzeit leider noch nicht ganz fest. Dazu wird es aber höchstwahrscheinlich Mitte nächster Woche mehr geben. Außerdem sind wir bemüht, Anfragen per Mail schnell zu beantworten.

An dieser Stelle weisen wir nochmal auf das Demo 1×1 hin, da dieses jede_r auswendig können sollte!

zum drucken und verteilen:

// 8.5. – Спасибо

8. Mai ’45 – der Traum vom „Tausendjährigem Reich“ platzte endgültig mit der bedingungslosen Kapitulation Nazideutschlands. Mehr als ein Jahrzehnt war Europa von faschistischer Barbarei verseucht: Verfolgung, Gefangenschaft, Folter, industrieller Massenmord. Millionen von Menschen sind diesem Regime zum Opfer gefallen. Sei es wegen ihrer religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit, ihres politischen Denkens oder einer weiteren hirnlosen Konstruktion. Der 8. Mai bedeutete für sie die Befreiung von diesem Terror.
Für uns ist er ein Tag des Gedenkens aber auch des Feierns.

Wir sagen Danke den alliierten Truppen und den Kämpfer_innen im Widerstand!


Transparent am Engelsring in NB

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Verschönerung der Innenstadt

In Greifswald trafen sich über 40 Antifaschist_innen, um mit einem kraftvollen Demo-Rave auf den Tag der Befreiung aufmerksam zu machen. Mit Musik und Konfetti bespickt, zog die feiernde Meute durch die Innenstadt. Themenbezogene Flyer wurden unter die aufmerksam gewordenen Leute gebracht. Viele Bürger_innen zeigten sich interessiert und positiv überrascht, so dass sich auch einige spontan dem Rave anschlossen. Obwohl die Aktion nicht angemeldet war, konnte der Umzug bis zum Ende ohne Auftauchen der Polizei beendet werden. Anschließend zogen einige der Teilnehmer_innen weiter zum Mahnmal für die unbekannten Gefallenen der Roten Armee, wo es zu einer Veranstaltung der Partei „Die Linke“ kam. Hier waren rund 20 Besucher_innen zu zählen.
Auch in Rostock kam es zu einer Spontandemo. Hier sogar mit bis zu 100 Aktivist_innen. Ebenfalls konnte hier der Umzug ohne polizeiliche Zwischenfälle in der Innenstadt durchgeführt werden.

Mehr dazu hier und hier.


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Der Party-Rave in Greifswald

Doch nicht alles war so rosarot; so tauchten auch in diesem Jahr in mehreren Städten Neonazis auf und versuchten die dortigen Veranstaltungen zu stören.
In Neubrandenburg provozierten drei Faschisten mit hohlen Phrasen eine Gedenkveranstaltung. Sie versuchten wie üblich geschichtsrevisionistisch die Opferrolle auf das „Deutsche Volk“ zu projizieren, wurden aber schnell durch aufmerksame und aktive Antifaschist_innen der Veranstaltung verwiesen. Ein ähnliches Szenario spielte sich auch in Neustrelitz ab. Hier haben zwei Nazis – höchstwahrscheinlich Mitglieder der Mecklenburgischen Aktionsfront (MAF) – ein Transparent präsentiert, das jedoch sofort von der Polizei beschlagnahmt wurde. Nachdem sie dennoch nicht unterließen, die Gedenkveranstaltung zu Provozieren nahm die Polizei beide in Gewahrsam. Einer der Provokateure trug seine Botschaft ungestüm zur Schau: Sein T-Shirt im Endstation-Rechts-Design zeigte einen bedeutenden Unterschied… der Schriftzug lautete „Endstation Pölchow“. Eine Anspielung auf den brutalen Angriff von Neonazis auf Zug reisende Antifaschist_innen im vergangenen Jahr.
Außerdem versuchten Anhänger der MAF in Neubrandenburg in der Nacht zum 9. Mai mit Plakaten, Flyern und Aufklebern, ihre geschichtsrevisionistische Propaganda unter die Leute zu bringen – ein 17-jähriger Handlanger wurde dabei von der Polizei in Gewahrsam genommen.

Alles in allem kann der Tag kann als ein Erfolg für die Antifaschistische Bewegung in MV angesehen werden.

// 7.6. – schluss mit lustig

same procedure as every year?!

Am 7. Juni 2008 soll es also wieder soweit sein.
Die Zielgruppe ist abgesteckt, die Route Tradition. Popanz Pastörs und Handlanger wie Wortakrobat Stefan Köster machen mobil. Ab 10 Uhr wollen sie in alter Manier vom Bahnhof durch das Vogelviertel und den Reitbahnweg ziehen.

In den vergangenen Jahren war zu beobachten, dass der antifaschistische Widerstand gegen die Naziaufmärsche mehr und mehr nachließ – die meisten Bürger_innen ließen den schaurigen Spuk gleichgültig über sich ergehen. Immer mehr Neubrandenburger_innen vernehmen zwar den Anstieg rechter Aktivitäten, ohne jedoch entsprechend darauf zu reagieren. Aber vielleicht hält es auch der/die ein oder andere nicht für nötig, da die Durchschlagskraft der Nazi-Parolen in Neubrandenburg vergleichsweise gering war…

don‘t worry?

NEIN! Nicht erst seit gestern sind in Neubrandenburg und Umgebung verstärkt Naziaktivitäten zu beobachten – von Aufklebern über Graffitis bis hin zu Provokationen auf offener Straße. Die Misswirtschaft und Arbeitslosigkeit in der Vier-Tore-Stadt sorgen für einen gefährlichen Stimmungswandel; allgemeine Ablehnung und Resignation sind auch unter vermeintlich ‚harmlosen‘ Bürgern weit verbreitet. Die NPD mit ihren Hetzkampagnen liefert allen im-Stich-Gelassenen die lang ersehnten Feindbilder: linke Kriminelle, Ausländer und ‚Polit-Bonzen‘. Mit apokalyptischen Drohungen und Erlöser-Auftreten versuchen die Nazis die Opfer des kapitalistischen Systems für ihre Zwecke zu gewinnen. Dass dahinter menschenverachtende, rassistische
Ideen stecken wird nur den wenigsten offenbar. Werden die hohlen Argumente nicht als falsch entlarvt, bleibt ein kräftiger, zahlenreicher Widerstand aus, so treffen sie auf fruchtbaren Boden.

talking is over

Deshalb rufen wir am 7. Juni zu einem aggressiven und kreativen Widerstand gegen den Naziaufmarsch auf. Weder in Neubrandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder sonstwo darf es einen Platz für rechte Gesinnung geben! Neonazi-Horden gilt es in die Schranken zu weisen, immer und überall, mit allen Mitteln!
Engagiert, motiviert, informiert euch und andere!

Beteiligt euch, wo ihr könnt und haltet euch auf dem Laufenden.

Nazis mal tüchtig ins Gesicht fassen!