Archiv für September 2008

// schön( )geredet

Eine Pressemitteilung der Antifaschistischen Offensive Neubrandenburg vom 25.09.2008

Vor kurzem berichtete der Nordkurier vom Bündnistreffen „Bunt statt Braun“ in Neubrandenburg. Zentrales Thema der Sitzung waren die „Gefahren des Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern“. Dazu eine Pressemitteilung der Antifaschistischen Offensive Neubrandenburg.

In dem Beitrag informierte das Blatt seine Leser_innen über die wichtigsten Punkte des Treffens. Antifaschist_innen aus der Region sind überrascht über die Aussagen vermeintlicher Expert_innen. Besonders in Erstaunen versetzte sie hierbei der Kommentar der Leiterin des Regionalzentrums für demokratische Kultur, Manuela Becker. Sie berichtete, dass in Neubrandenburg „weder feste Organisationen noch Stammtreffpunkte der rechten Szene“ nachzuweisen seien. Die Szene bestünde aus Einzelpersonen, weshalb das „Gefahrenpotenzial“ in der Viertorestadt vergleichsweise gering einzuschätzen sei.

Für Stefanie Prehborn von der Antifaschistischen Offensive Neubrandenburg sind diese Aussagen nicht nachvollziehbar. „Es ist durchaus korrekt, dass die rechte Szene in Neubrandenburg derzeit gering bis gar nicht organisiert ist. Wir halten die Schlüsse des Bündnisses jedoch für falsch. Von einem geringen Gefahrenpotenzial zu sprechen, ist für uns eine starke Verharmlosung. Rechte Gewalt – egal in welcher Form – braucht keine Organisation oder feste Struktur. Sie kann von ein, zwei, vielen Neo-Nazis ausgehen; sei sie nun geplant oder spontan.“ Prehborn und ihre Mitaktivist_innen sehen in solchen Folgerungen, wie sie von Frau Becker gemacht wurden, eine falsche – aber weit verbreitete – Herangehensweise an das Problem Rechtsextremismus. „Den Menschen wird erklärt, dass nicht Neubrandenburg, sondern die anderen Städte und Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern ein Problem mit Rechtsextremismus haben. Doch auch Neubrandenburg hat ein Naziproblem“ Umso verheerender ist es, wenn behauptet wird, dass „so gut wie keine Aktionen aus der Stadt heraus“ stattfinden. Wie die Antifa Offensive berichtet, wurden Neubrandenburger Neonazis nachweislich auf Demonstrationen in Güstrow und Neustrelitz beobachtet. Auch Kontakte mit der Malchiner Kameradschaftsszene würden gepflegt.

Anfang des Jahres sei eine unprofessionelle, aber aktuelle Internet-Seite aufgetaucht, welche den Titel „Zusammenschluß der Jungen Nationalen Neubrandenburg“ trägt. Im Wesentlichen bestünde sie nur aus einem internen Forum. „Dennoch sind bereits 14 Nutzer_innen angemeldet, welche mehr oder weniger an dem Aufbau einer Kameradschaft in der Stadt arbeiten.“ Ebenfalls erinnert sie an die von Rechtsextremen durchgeführten Sprüh- und Klebeaktionen der letzten Wochen, die kaum von außerhalb kommen könnten.

Die Gradmesser für Rechtsextremismus sind nach Ansicht der Antifa-Gruppe nicht nur die Existenz einer festen Szene. Auch die Verbreitung von grundlegend rechtem Gedankengut in den Köpfen der Bürger und Bürgerinnen der Stadt ist ein wichtiger Faktor. Die Landtagswahlergebnisse von 2006 sprechen eine deutliche Sprache. Auch die Teilnehmer_innen-Zahlen der antifaschistischen Gegendemonstrationen haben einen bedenklichen Tiefpunkt erreicht. „Heute sind die Leute zu bequem, gegen Rechtsextreme aufzustehen. Wenn nichts passiert, wird es bald die Angst sein, die sie stillhalten lässt.“, mahnt Prehborn.

Auch in Malchin konnte einst die rechte Szene mit Hilfe von Ignoranz und Verharmlosung kontinuierlich aufgebaut werden. Heute hat die Stadt mit einer starken und aggressiven rechten Szene zu kämpfen. „Es ist an der Zeit Taten sprechen zu lassen, anstatt ein Bündnis nach dem anderen zu gründen, Frau Bretschneider – wo waren sie am 7. Juni?“


Das Logo der vermeintlichen „Kameradschaft-Neubrandenburg“. Die gekreuzten Hammer und Schwert sollen eine Volksgemeinschaft aus Soldaten und Arbeitern symbolisieren. Benutzt wurde das Symbol u.a. von den Gebrüdern Gregor und Otto Strasser, die den »nationalrevolutionären« Flügel in der NSDAP anführten. Ab 1929 war es Gaufeldzeichen der Hitler-Jugend. Heute wird es in der Neonazi-Szene als »Symbol der Nationalen Revolution« gedeutet.

// abgekratzt

Eine Pressemitteilung der Antifaschistischen Offensive Neubrandenburg und des Infoladen „…Stunk!“ vom 12.09.2008

Anfang dieser Woche sind an mehreren Orten in Neubrandenburg rechtsextreme Sprühereien aufgetaucht. Wieder einmal war die Unterführung der Hochbrücke in die Oststadt Ziel der Aktion. Auch in der Südstadt wurden Parolen gesprüht.

Gerade mal einige Monate ist es her, da waren die Standbeine der Hochbrücke zur Oststadt mit mehreren Hakenkreuzen und SS-Runen beschmiert. Nun sind dort erneut Sprühereien zu sehen. „Globalisierung ist Völkermord“, „Arbeitsplätze statt Kriegseinsätze“ und „Wir sind das Volk – Deutschland uns den Deutschen“ heißt es dort. Die mit Sprühschablonen angefertigten Schriftzüge wurden an Plakatwänden und Litfasssäulen angebracht. Dieselben Schriftzüge sind ebenfalls in der Südstadt zu finden. Auch hier mussten Plakatwände, aber auch Bushaltestellen – wie die am Kaufhof Süd – für die rechte Propaganda herhalten. „Wir haben viele Schriftzüge gezählt und dokumentiert. Es ist aber davon auszugehen, dass noch mehr zu finden sind“, berichtet Stefanie Prehborn, Pressesprecherin der Antifaschistischen Offensive Neubrandenburg. Alle gefundenen Schmierereien sind mittlerweile entfernt worden.

„Diese Sprühereien stehen für uns in starken Zusammenhang zu den steigenden Neo-Naziaktivitäten in der Stadt“, sagt Stefanie weiter. „In den vergangenen Wochen tauchten in Neubrandenburg immer häufiger Nazi-Aufkleber auf. Für uns ist klar, dass dies schon in Vorbereitung der Kommunalwahl passiert.“
Pünktlich zum Vier-Tore-Fest waren fast in der gesamten Innenstadt Aufkleber der Neonazi-Kameradschaft „Mecklenburgische Aktionsfront“ (MAF) zu finden. Zu übersehen waren sie nicht, denn sie wurden flächendeckend an Laternen, Stromkästen oder einem anderen geeigneten Untergrund geklebt. „Opa war in Ordnung“ oder „Nationaler Sozialismus“ waren die Slogans, welche den Bürger_innen plakativ in die Augen stechen sollte. Neben der Innenstadt, waren auch das Katharinenviertel und das Lessing-Gymnasium nicht verschont geblieben. Aufmerksame Antifaschist_innen konnten die Aufkleber aber noch am Tag nach der Klebeaktion vollständig entfernen. Bereits einige Tage später versuchten die Neo-Nazis noch einmal am Gymnasium und in der Südstadt ihre Propaganda zu platzieren. Diesmal mit Aufklebern von der NPD.

„Wir werden nicht zulassen, dass unsere Stadt von gescheiterten Nazi-Kadern wie Norman Runge und ihren Handlanger_innen mit Propaganda verseucht wird. Faschist_innen haben Namen und Adressen!“

// 10.09. – vivir la utopía

Am kommenden Mittwoch lädt das AJZ mal wieder zu einem bildungsreichen Abend ein. Die Veranstaltung beginnt um 20:00 Uhr mit einem spannenden Vortrag rund um die Facetten des Spanischen Bürgerkriegs. Im Anschluss wird der Film Land And Freedom gezeigt. Die weltweit bekannte vegane Vokü wird natürlich nicht fehlen.
Also kommen und staunen!