Archiv für November 2008

// druck gemacht

… Aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft lernen! Damit das Jüdische Leben in Neubrandenburg und anderswo nicht in Vergessenheit gerät!

Hier nun die Broschüre des Aktionsbündnis „Wider das Vergessen“ zum Download. Gedruckte Exemplare könnte ihr euch im Infoladen „…Stunk!“ abholen oder bei uns bestellen.

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KEIN VERGESSEN – KEIN VERGEBEN!

// abschluss

Viel wurde diskutiert. Es gab heiße Wortgefechte, internen und öffentlichen Meinungsaustausch.

Das Wochenende ist vorbei, das nach vielen Jahren schon fast zur Tradition gewordene Konzert der Jungen Gemeinde in Burg Stargard, „Cult Kitchen“, fand nicht statt. Die „Stargarder Jungs“ kamen nicht zu ihrem ersten öffentlichen Auftritt.

Warum bedarf es nun noch einer Auswertung?

Viele involvierte Personen fühlten sich von unseren Veröffentlichungen persönlich getroffen und sahen sich in Ermangelung eines Mediums nicht in der Lage, ihre Position zu kommunizieren. Es tut uns Leid, falls sich, die Jugendlichen der Gemeinde im Allgemeinen und ihr Diakon Chris Heinke im Speziellen, durch unsere Darstellung angegriffen oder diffamiert fühlten. Die Absicht unserer Beiträge war es, einen sensibleren und weniger gutgläubigen Umgang mit rechtsextremen Akteuren und ihrem Gedankengut zu erreichen, da wir das Vorgehen der Organisationsgruppe für falsch hielten und immer noch für falsch halten. Nie von uns beabsichtigt war die Absage des Konzertes als Ganzes, ein an-den-Pranger-Stellen Einzelner. In Zukunft ist, bei derartig hochfrequentierter Nutzung unseres Blogs, ein verantwortungsvollerer Umgang mit der „Öffentlichkeit“ angebracht. Zu keinem Zeitpunkt aber gingen von unserer Seite Drohungen an die Veranstalter_innen!

Das Gegenteil von faschistischer Einfalt ist die Pluralität – die Existenz verschiedener Meinungen, Lebensentwürfe, Problemlösungen usw.
Deshalb möchten wir der Band „Mythril“ und der Jungen Gemeinde und/oder Chris Heinke die Möglichkeit bieten, ihre Position – bei Bedarf – dar- bzw. richtigzustellen und uns per E-Mail zuzusenden. Wir werden die Meinungen dann an dieser Stelle veröffentlichen.

Ausdrücklich ausgenommen von unserem Angebot ist in diesem Zusammenhang die Band „Stargarder Jungs“. Die Definition eines Neonazis mag, wie die Diskussion gezeigt hat, variieren… wir bieten allerdings keine Plattform für apologetische Lippenbekenntnisse von Hobby-Extremisten, die urplötzlich „nur Musik machen“ wollen.

// SCHULE oder: die würde des menschen ist altersabhängig

Unter dem Motto „Bildungsblockade einreißen“ demonstrierten am vergangenen Mittwoch im gesamten Bundesgebiet Schüler_innen für eine bessere Bildungspolitik. Von Seiten der Organistor_innen heißt es, dass in rund 40 Städten über 100.000 Menschen an diesem Aktionstag teilnahmen. In Mecklenburg-Vorpommern gingen in Rostock 5000 und in Stralsund 500 Schüler_innen auf die Straßen. Über Aktionen in Neubrandenburg ist leider nichts bekannt.
Auf der Seite der Kampagne ist ein erster Bericht zum Schüler_innenstreik in Rostock zu lesen.
Auf der Seite „Schülerstreik MV“ könnt ihr euch ebenfalls auf dem Laufenden halten.

// geschichtsbewusst

Überall in Mecklenburg-Vorpommern wurde am vergangenen Sonntag den jüdischen Opfern der so genannten Pogromnacht gedacht. Vor 70 Jahren kam es in der Nacht vom 09. zum 10. November zu Gewaltexzessen, bei denen im gesamten Deutschen Reich Synagogen angezündet, jüdische Läden zerstört und geplündert, jüdische Friedhöfe geschändet und Jüd_innen umgebracht oder deportiert wurden. Die Pogrome gelten als Auftakt der systematischen Judenverfolgung im „Dritten Reich“.
Auch am kleinen Neubrandenburg gingen diese Geschehnisse nicht einfach so vorbei. Der SA-Mann Klaus Reinke steckte die 1877 geweihte Synagoge in der Poststraße in Brand; die Feuerwehr ließ das Gotteshaus ausbrennen und verhinderte lediglich ein Übergreifen der Flammen auf die anliegenden Gebäude. Auch die Friedhofskapelle und der Leichenwagen auf dem jüdischen Friedhof, sowie der Manufakturladen von Erich Wolff in der Treptower Straße fielen der Zerstörungswut zum Opfer.

Anlässlich dieser Geschehnisse wurde am Sonntag in der Stadt der Vier Tore der neue Synagogenplatz an der Stelle der ehemaligen Synagoge eingeweiht. Neben der schon vorhandenen Gedenkplastik, sind hier nun auch die 19 übriggebliebenen Grabsteine des ehemaligen jüdischen Friedhofs zu finden. Der Platz gliedert sich in das Gesamtkonzept des Lehrpfads „Spurensuche Orte der Gewalt – Jüdisches Leben in Neubrandenburg“ ein. Pünktlich um 17 Uhr trafen 150 bis 200 Bürger_innen am Platz ein, um gemeinsam den Opfern zu gedenken.



Neben den Vertreter_innen der Stadt, der verschiedenen Parteien, Vereinen und Initiativen, war auch das Antifaschistische Jugendbündnis zum Abschluss seiner Veranstaltungsreihe „Wider das Vergessen – Aktionswochen gegen Antisemitismus“ anwesend. Vom 23.10. bis 09.11. organisierte das Bündnis verschiedene Veranstaltungen.
Zu insgesamt sechs Terminen wurde auf das Thema Antisemitismus aufmerksam gemacht. Die emotionalste Veranstaltung stellte wohl die Lesung des Zeitzeugen Hans-Joachim Roeseler dar, der aus seinem Buch „Auf einmal waren wir Judenkinder“ vorlas. Etwa 30 Interessierte fanden an diesem Abend den Weg in den kleinen Hörsaal der Neubrandenburger Hochschule. Die theoretische Auseinandersetzung erfolgte bei den Vorträgen „Geschichte des Antisemitismus“ und „Antisemitismus in der DDR und heute“. Auch hier trafen sich Jung und Alt – auch, um im Anschluss gemeinsam über die jeweiligen Themen zu diskutieren. Kulturell wurde das Thema am 01. November mit der jüdischen Theatergruppe Mechaje bearbeitet, die bei den „Liebhabern des Theaters“ in der Oststadt auftrat. Am Sonntag war zu einem gemeinsamen Frühstück mit anschließendem Film ins AJZ in der Seestraße geladen. Danach machten sich etwa 20 Personen auf den Weg, um gemeinsam den neuen Lehrpfad zu begehen und der Gedenkveranstaltung beizuwohnen. Mit Transparenten, Aufklebern und Broschüren wurden auch Bürger_innen auf das Anliegen des Bündnisses aufmerksam gemacht.

Fazit

Bei einem – immer wieder unterschätzten und unterdrückten – Thema wie der Bekämpfung des Antisemitismus, kann im Falle der Aktionswochen ein positives Fazit gezogen werden. Es wurden etliche Wissenslücken geschlossen und es wurde viel diskutiert.

Das Gedenken an die Verbrechen der Geschichte, besonders der NS-Diktatur, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart und Zukunft. Gerade die Aufarbeitung der Verbrechen des Nazi-Regimes an der jüdischen Bevölkerung und allen anderen Opfern des Faschismus bedarf großer Aufmerksamkeit. Wahrscheinlich kennen wir auch heute noch nicht das vollständige Ausmaß der Gräueltaten des deutschen Faschismus. Besonders wichtig ist es, jetzt, wo NPD und DVU versuchen, sich in Stadtvertretungen, Landtagen und in den Köpfen der Menschen breit zu machen, auf die Vergangenheit aufmerksam zu machen. Auch das Aufstreben so genannter Kameradschaften und der mit ihnen verbundenen „Autonomen Nationalisten“ macht deutlich, dass etwas geschehen muss, damit uns die Geschichte nicht erneut einholt. Um diesem Rechtsextremismus etwas entgegenzustellen, muss man sich und sein Umfeld ständig mit der Vergangenheit konfrontieren, um aus ihr zu lernen und neue Strategien im Umgang mit einer wiederkehrenden Bedrohung für Freiheit und Leben zu entwickeln.

Aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft lernen! Damit das Jüdische Leben in Neubrandenburg und anderswo nicht in Vergessenheit gerät!

KEIN VERGEBEN – KEIN VERGESSEN!

// mit freundlichen grüßen

Normalerweise ist es ein müßiger Vorgang, mit Nazis zu diskutieren, ihnen die Welt zu erklären, sie „aufzuklären“. Aber wie schrieben schon Adorno/Horkheimer:

„Sie [die Aufklärung] sollte die Mythen auflösen und Einbildung durch Wissen stürzen.“

Zwei verzweifelte Hilferufe bezüglich unseres Artikels „mit nazis spielt man nicht“ ereilten uns im Laufe des gestrigen Tages, per E-Mail. Sie zwingen uns, Licht ins große Dunkel zu bringen:

Sa, 8.11.2008, 01:06

HALLO IHT HELDEN VON DER ANTIFA UND LINKS LANG!!!!
HABT IHR EIGENDLICH NICHTS BESSERES ZU TUN IN EUREM LEBEN ALS ANDERE LEUTE ZU
BESPITZELN???? WIR SIND KEINE NEO NAZI BAND,2 VON UNS HABEN IN DER VERGANGENHEIT
MIST GEBAUT: NA UND??? IHR HABT NIE FEHLER GEMACHT WA?? ICH SEID NICHT BESSER ALS
FASCHISTEN: WENN IHR PROBLEME HABT; GEHT ZUM ARZT!!!!

STARGARDER JUNGS

Dazu:

Mo, 3.11.2008, 11:58 – Neubrandenburg (jüngste Vergangenheit)

Auch Absurd-Schlüsselbänder, “ und Thor-Steinar-Jacken, mit denen sich die Band im Internet präsentiert, sind nicht verhandel- oder irgendwie anders auslegbar. Und das Tragen von Fanshirts zwielichtiger, antisemitischer Metal-Bands wie „Ravensblood“, ist nur ein weiterer Beweis für die politischen Hintergründe und Motive. Was macht eine Neonaziband noch zu einer Neonaziband, wenn nicht der Fakt, dass besagte Band aus Neonazis besteht?

Sa, 8.11.2008, 23:51

SEHR ZU DAS IHR DAS BILD VON UNS RAUS NEHMT; SONST GIBS N SCHÖNE ANZEIGE VON UNS!!!
IHR HABT BIS MONTAG ZEIT!!!!

STARGARDER JUNGS

Dazu:

Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie

§ 22
(1) Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. (2) Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, daß er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt. 3Nach dem Tode des Abgebildeten bedarf es bis zum Ablaufe von 10 Jahren der Einwilligung der Angehörigen des Abgebildeten. 4Angehörige im Sinne dieses Gesetzes sind der überlebende Ehegatte oder Lebenspartner und die Kinder des Abgebildeten und, wenn weder ein Ehegatte oder Lebenspartner noch Kinder vorhanden sind, die Eltern des Abgebildeten.

§ 23
(1) Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden:
1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte;
2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen;
3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben;
4. Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient.

(2) Die Befugnis erstreckt sich jedoch nicht auf eine Verbreitung und Schaustellung, durch die ein berechtigtes Interesse des Abgebildeten oder, falls dieser verstorben ist, seiner Angehörigen verletzt wird.
Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie

Wir wünschen viel Erfolg

Des Weiteren empfehlen wir einen Kurs „Deutsch als Fremdsprache“, Teil des Programms „Integrationskurse nach dem Zuwanderungsgesetz“. Klick!

ach und übrigens… an alle anderen Kommentator_innen:

§ 187 StGB – „Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

// mit nazis spielt man nicht

Nazis prügeln ungestraft, verbreiten ungehindert ihre Propaganda, bilden Kader aus und vernetzen sich ganz öffentlich. Who cares?

Wie weit die Ignoranz, Naivität und politische Dummheit gehen können, verdeutlichen die Posse um das diesjährige „Cult Kitchen“ in Burg Stargard und die Diskussion um den für den 15. November geplanten Metalabend im Tabulos.

Aus einer Pressemitteilung der Jungen Gemeinde:

Juni 08 – Anfrage von der Band „Stargarder Jungs“, ob sie bei Cult Kitchen spielen könne. Sie bekam den Hinweis, dass dies ein Team im September entscheidet.
Sept. 2008 – Team entscheidet: Wenn die Band sich klar von rechtsextremen Gedanken und Taten distanziert, darf sie spielen.

Okt. 08 – Organisatoren und Musikanten anderer Bands, die bei Cult Kitchen vorgesehen sind, werden von der Antifa massiv unter Druck gesetzt, u.a. wird ihnen Freundschaft mit Nazis vorgeworfen, einige bekommen Hausverbot im AJZ
Neubrandenburg. Die Antifa lässt durchblicken dass sie Cult Kitchen verhindern will.

3. Nov. 2008 – Der Veranstalter sieht sich nicht mehr in der Lage die Sicherheit des offenen Workshops zu gewährleisten, Cult Kitchen 2008 wird abgesagt. Das tut uns sehr leid! Cult Kitchen hat das eher spärliche Jugend-Kulturleben in der Kleinstadt belebt. Extreme aller Richtungen werden nun wieder mehr Argumente haben. Wie es weitergeht, ist erst einmal offen. Wir danken allen die zum Gelingen von Cult Kitchen beigetragen und sich ehrenamtlich engagiert haben.
Wir bedanken uns nicht bei all den Hitzköpfen und Denkfaulen – egal ob rechts- oder links-extrem, die auf Gewalt und Ausgrenzung setzen.

Chris Heinke

Warum diese Aufregung? Hier ein paar Fakten:

Stargarder Jungs

Christian Dupke (Gesang) aus Burg Stargard

Am 20. Januar 2008 beobachtete Dupke zusammen mit zwei „Kameraden“ (einer von ihnen der 2006er NPD-Landtagskandidat Jens Blasewitz) die von der Partei „Die.Linke“ organisierte Kranzniederlegung zu Ehren Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts. Die vorwiegend älteren Teilnehmer_innen waren durch die Präsenz von Nazis beunruhigt.

Außerdem gehörte Dupke zur Besetzung des NPD-Infostandes vom 3. November 2008 (Bild).

Axel K. (Gitarre) aus Neubrandenburg

K. und zwei Begleiter versuchten, die Veranstaltung zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs mit Wortbeiträgen zu stören. Als drei junge Antifaschist_innen die Plätze hinter ihnen einnahmen, verließen sie eilig den Saal in der Reuterschule.

Es handelt sich also nachweislich um aktive Neonazis, die zum Teil regelmäßig an NPD-Veranstaltungen teilnehmen und fest in die rechte Szene Mecklenburg-Vorpommerns integriert sind.

Mythril

Etwas komplizierter ist es bei Mythril. Es handelt sich bei Mythril um eine Pagan-Metal-Band mit Burg Stargarder Wurzeln. Sie bezeichnen sich selbst als unpolitisch und distanzieren sich von jedweder Gesinnung. Dennoch störte es sie bislang nicht, die Stargarder Jungs als befreundete Band zu bezeichnen und Nazisymbole als Aufnäher zu tragen, dies auch noch zu rechtfertigen. So trat Gitarrist Andy beim Cult Kitchen 2007 mit einer „Schwarzen Sonne“ als Aufnäher auf der Jacke auf. Ein für den 15.11. geplanter Auftritt im Tabulos wurde daraufhin von Seiten der Veranstalter_innen vorerst abgesagt.

Seitdem die Band mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, spart sie nicht an Statements gegen Nazi-Ideologien. Sie stellte sich sogar den Fragen der Tabulos-Organisator_innen. Allerdings bleibt die Gruppe bei der Rechtfertigung der „Schwarzen Sonne“ als wertneutrales Symbol:

„Ich, also der, der das Sonnenrad auf den Bild trug, trug es, weil es ein Glückszeichen ist und war, was Hitler natürlich ausnutzte. […] Ich habe einfach nur kein Bock alle Symbole, die der Penner für seine Zwecke nutzte, einzubüßen, nur weil er die vergewaltigt hat.“

Warum also nicht mal ein Swastika? Um Missverständnissen vorzubeugen: dass Mythril keine Naziband ist, steht außer Frage. Doch sie ignorieren, dass sowohl jede Handlung, als auch Unterlassung politisch sein kann. Das Kokettieren mit zweideutigen Zeichen wird immer Kommentare provozieren und hohe Wellen schlagen. Gerade die Death- und Black-Metal-Szene sind bekannt für ihre Rechtsoffenheit und geraten häufig in Verruf. Vor allem deshalb hätte es Mythril von vornherein am Herzen liegen sollen, sich widerspruchsfrei zu positionieren. Eine Rune macht noch keinen Nazi, doch ein derart fahrlässiger Umgang mit belasteter Symbolik kann nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Ob Chris Heinke – Diakon der Gemeinde – all dies wusste, als er seine pikante Pressemitteilung veröffentlichte?

Wenn ja, so ist es erschreckend, mit welcher Naivität er dem Problem Rechtsextremismus gegenübersteht. Musik ist ein identitätstiftendes Schlüsselelement der Szene und er und sein Team sorgen mit ihrer Veranstaltung für die Verbreitung.

Wenn nein, so ist es erschreckend, mit welcher Gleichgültigkeit und Unwissenheit (ja gar Denkfaulheit) Heinke und sein Team den Symbolen und Einstellungen ihrer Schäfchen gegenüberstehen.

Unklar bleibt, welche Rolle das AJZ hierbei spielen soll (heiß diskutiert im Nordkurier-Blog). Es ist allgemein bekannt, dass Nazis dort ohnehin Hausverbot haben. Auf Anfrage in dem selbstverwalteten Jugendklub versicherte man, dass in letzter Zeit keine individuellen Hausverbote angedroht oder verhängt wurden.
Außerdem lässt Heinke offen, welchen Druck von Seiten der „Antifa“ er meint. Was trieb ihn wirklich zur Absage? Ist es denn so schwer innerhalb von 11 Tagen ein Statement zu verfassen, warum eine Kirchgemeinde eine Naziband spielen lassen will und heidnisch-germanische Feuerspucker und Rockbands zu sich einlädt?

Wer von Chris Heinke persönlich hören möchte, dass die Stargarder Jungs alle eigentlich ganz nett sind, kann ihn am Sonntag, dem 9. November 2008 ab 10 Uhr in der Friedenskirche Neubrandenburg (Oststadt) treffen.

// 03.11. – beine im bauch

Über 200 Wörter widmete die NPD-Fraktion ihrem Info-Stand in der Neubrandenburger Innenstadt und hetzte doch eigentlich nur gegen die Protesler_innen. Etwas anderes blieb ihnen auch nicht, denn Fortuna…Odin…bzw. die Neubrandenburger_innen waren nicht auf ihrer Seite.

Schon bei ihrer Ankunft – kurz vor 12 am vergangenen Montag – sahen sich die 12 angereisten NPD-Kameraden – unter ihnen Tino Müller und Enrico Harmisch – etwa 40 engagierten Antifaschist_innen gegenüber. Nachdem sie ihren kläglichen Stand vor einem C&A-Schaufenster aufgebauten hatten, versuchten sie u.a. die Fraktionszeitung Der Ordnungsruf unter die Leute zu bringen. Jedoch ohne Erfolg: Zunächst mussten sie den besagten Platz räumen, nachdem das Management des C&A darauf aufmerksam gemacht wurde wer ihr Schaufenster belagert. Dann platzierten sich die Zeitungsträger an einem neuen, durchaus vorteilhaften Stellplatz – direkt vor einem der Graffitis die am Vorabend gesprüht wurden. Antifaschist_innen hatten sowohl das Marktplatzcenter als auch das C&A-Gebäude mit „Keine Geschäfte mit Nazis“ und Ähnlichem dekoriert. Nachdem sich unter den Protestierenden großes Gelächter breit machte, schien auch den Herren aufzufallen, vor welchem Hintergrund sie sich präsentierten. Also ging es schnell fünf Meter weiter, vielleicht hat’s ja keine_r bemerkt. Doch auch am neuen Standort mit frischem Tatendrang verlief die Propagandaaktion nicht erfolgreicher; die meisten Bürger_innen dankten ab und der Rest übergab die Zeitungen den antifaschistischen Gegendemonstrant_innen oder dem Mülleimer.
Diese deprimierende Tatsache und über drei Stunden bei erfrischenden 9° waren wohl allem Anschein nach auch der Grund, dass die Kameraden anfingen mehreren Antifaschist_innen eine „dritte Halbzeit“ anzudrohen. Letztlich packten sie pünktlich um 15 Uhr ihre Sachen und zogen kleinlaut unter Polizeigeleit wieder davon.