// mit nazis spielt man nicht

Nazis prügeln ungestraft, verbreiten ungehindert ihre Propaganda, bilden Kader aus und vernetzen sich ganz öffentlich. Who cares?

Wie weit die Ignoranz, Naivität und politische Dummheit gehen können, verdeutlichen die Posse um das diesjährige „Cult Kitchen“ in Burg Stargard und die Diskussion um den für den 15. November geplanten Metalabend im Tabulos.

Aus einer Pressemitteilung der Jungen Gemeinde:

Juni 08 – Anfrage von der Band „Stargarder Jungs“, ob sie bei Cult Kitchen spielen könne. Sie bekam den Hinweis, dass dies ein Team im September entscheidet.
Sept. 2008 – Team entscheidet: Wenn die Band sich klar von rechtsextremen Gedanken und Taten distanziert, darf sie spielen.

Okt. 08 – Organisatoren und Musikanten anderer Bands, die bei Cult Kitchen vorgesehen sind, werden von der Antifa massiv unter Druck gesetzt, u.a. wird ihnen Freundschaft mit Nazis vorgeworfen, einige bekommen Hausverbot im AJZ
Neubrandenburg. Die Antifa lässt durchblicken dass sie Cult Kitchen verhindern will.

3. Nov. 2008 – Der Veranstalter sieht sich nicht mehr in der Lage die Sicherheit des offenen Workshops zu gewährleisten, Cult Kitchen 2008 wird abgesagt. Das tut uns sehr leid! Cult Kitchen hat das eher spärliche Jugend-Kulturleben in der Kleinstadt belebt. Extreme aller Richtungen werden nun wieder mehr Argumente haben. Wie es weitergeht, ist erst einmal offen. Wir danken allen die zum Gelingen von Cult Kitchen beigetragen und sich ehrenamtlich engagiert haben.
Wir bedanken uns nicht bei all den Hitzköpfen und Denkfaulen – egal ob rechts- oder links-extrem, die auf Gewalt und Ausgrenzung setzen.

Chris Heinke

Warum diese Aufregung? Hier ein paar Fakten:

Stargarder Jungs

Christian Dupke (Gesang) aus Burg Stargard

Am 20. Januar 2008 beobachtete Dupke zusammen mit zwei „Kameraden“ (einer von ihnen der 2006er NPD-Landtagskandidat Jens Blasewitz) die von der Partei „Die.Linke“ organisierte Kranzniederlegung zu Ehren Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts. Die vorwiegend älteren Teilnehmer_innen waren durch die Präsenz von Nazis beunruhigt.

Außerdem gehörte Dupke zur Besetzung des NPD-Infostandes vom 3. November 2008 (Bild).

Axel K. (Gitarre) aus Neubrandenburg

K. und zwei Begleiter versuchten, die Veranstaltung zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs mit Wortbeiträgen zu stören. Als drei junge Antifaschist_innen die Plätze hinter ihnen einnahmen, verließen sie eilig den Saal in der Reuterschule.

Es handelt sich also nachweislich um aktive Neonazis, die zum Teil regelmäßig an NPD-Veranstaltungen teilnehmen und fest in die rechte Szene Mecklenburg-Vorpommerns integriert sind.

Mythril

Etwas komplizierter ist es bei Mythril. Es handelt sich bei Mythril um eine Pagan-Metal-Band mit Burg Stargarder Wurzeln. Sie bezeichnen sich selbst als unpolitisch und distanzieren sich von jedweder Gesinnung. Dennoch störte es sie bislang nicht, die Stargarder Jungs als befreundete Band zu bezeichnen und Nazisymbole als Aufnäher zu tragen, dies auch noch zu rechtfertigen. So trat Gitarrist Andy beim Cult Kitchen 2007 mit einer „Schwarzen Sonne“ als Aufnäher auf der Jacke auf. Ein für den 15.11. geplanter Auftritt im Tabulos wurde daraufhin von Seiten der Veranstalter_innen vorerst abgesagt.

Seitdem die Band mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, spart sie nicht an Statements gegen Nazi-Ideologien. Sie stellte sich sogar den Fragen der Tabulos-Organisator_innen. Allerdings bleibt die Gruppe bei der Rechtfertigung der „Schwarzen Sonne“ als wertneutrales Symbol:

„Ich, also der, der das Sonnenrad auf den Bild trug, trug es, weil es ein Glückszeichen ist und war, was Hitler natürlich ausnutzte. […] Ich habe einfach nur kein Bock alle Symbole, die der Penner für seine Zwecke nutzte, einzubüßen, nur weil er die vergewaltigt hat.“

Warum also nicht mal ein Swastika? Um Missverständnissen vorzubeugen: dass Mythril keine Naziband ist, steht außer Frage. Doch sie ignorieren, dass sowohl jede Handlung, als auch Unterlassung politisch sein kann. Das Kokettieren mit zweideutigen Zeichen wird immer Kommentare provozieren und hohe Wellen schlagen. Gerade die Death- und Black-Metal-Szene sind bekannt für ihre Rechtsoffenheit und geraten häufig in Verruf. Vor allem deshalb hätte es Mythril von vornherein am Herzen liegen sollen, sich widerspruchsfrei zu positionieren. Eine Rune macht noch keinen Nazi, doch ein derart fahrlässiger Umgang mit belasteter Symbolik kann nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Ob Chris Heinke – Diakon der Gemeinde – all dies wusste, als er seine pikante Pressemitteilung veröffentlichte?

Wenn ja, so ist es erschreckend, mit welcher Naivität er dem Problem Rechtsextremismus gegenübersteht. Musik ist ein identitätstiftendes Schlüsselelement der Szene und er und sein Team sorgen mit ihrer Veranstaltung für die Verbreitung.

Wenn nein, so ist es erschreckend, mit welcher Gleichgültigkeit und Unwissenheit (ja gar Denkfaulheit) Heinke und sein Team den Symbolen und Einstellungen ihrer Schäfchen gegenüberstehen.

Unklar bleibt, welche Rolle das AJZ hierbei spielen soll (heiß diskutiert im Nordkurier-Blog). Es ist allgemein bekannt, dass Nazis dort ohnehin Hausverbot haben. Auf Anfrage in dem selbstverwalteten Jugendklub versicherte man, dass in letzter Zeit keine individuellen Hausverbote angedroht oder verhängt wurden.
Außerdem lässt Heinke offen, welchen Druck von Seiten der „Antifa“ er meint. Was trieb ihn wirklich zur Absage? Ist es denn so schwer innerhalb von 11 Tagen ein Statement zu verfassen, warum eine Kirchgemeinde eine Naziband spielen lassen will und heidnisch-germanische Feuerspucker und Rockbands zu sich einlädt?

Wer von Chris Heinke persönlich hören möchte, dass die Stargarder Jungs alle eigentlich ganz nett sind, kann ihn am Sonntag, dem 9. November 2008 ab 10 Uhr in der Friedenskirche Neubrandenburg (Oststadt) treffen.


1 Antwort auf „// mit nazis spielt man nicht“


  1. 1 // mit freundlichen grüßen | aonb Pingback am 09. November 2008 um 23:55 Uhr
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