Archiv für Dezember 2008

17.12. – alle jahre wieder

Heute fand mensch im Nordkurier eine Danksagung von Heike Rademacher (Leiterin der Neubrandenburger DRK-Selbsthilfekontaktstelle) an den General Hans-Peter Goebel. Grund hierfür war das 17. Benefizkonzert des Wehrbereichsmusikkorps I am vergangenen Mittwoch in der Konzertkirche.
Seit 1990 führt die Bundeswehr regelmaßig ein Benefizkonzert für die Selbsthilfegruppen des DRK-Neubrandenburg durch. Auch dieses Jahr begaben sich hunderte Besucher_innen in die Konzertkirche. Mit dabei das Antifaschistische Jugendbündnis Neubrandenburg. So kam es, dass zur Begrüßung nicht nur die Fackelträger_innen und bewaffneten Feldjäger_innen zu bestaunen waren. Rund 10 Protesler_innen versuchten mit einem Transpi und Flyern auf ihre Kritik gegenüber dem stattfindenen Konzert aufmerksam zu machen. Schon bei ihrer Ankunft wurden sie vom Platz verwiesen, konnten sich dennoch gut sichtbar am Straßenrand positionieren und die Flyer unter die Leute bringen.

Schirmherr des Abends war – wie kann es anders sein – unser geliebter Oberbürgermeister Paul Krüger. Wieder einmal konnte er sich und seinen guten Freund General Goebel ins positive Rampenlicht setzen.

Hier der Flyertext der Gruppe:

Sie sind überall. Ob in Afghanistan, am Kap Horn, an der Levanteküste, in der Neubrandenburger Innenstadt oder heute in der Konzertkirche. Man kann den neuen deutschen Kriegern nicht ausweichen – Soldaten sind wieder alltagsfähig geworden.

Täglich wirbt die Bundeswehr in Zeitungen, Kinos, Arbeitsämtern oder offen auf der Straße für ihre Sache – Krieg. Gezielt werden soziale Unsicherheiten ausgenutzt, um Jugendliche mit einer guten Berufsausbildung und sicheren Karrierechancen zu den Streitkräften zu locken. Die so genannte Innere Führung mit ihrem Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ soll eine bürgernahe, demokratische Armee vorgaukeln, die mit beiden Füßen auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Der wahre Charakter einer jeden Armee, das Töten, wird dabei mehr und mehr ausgeblendet. Angestrebt ist nicht die Vergesellschaftung des Militärs, sondern die Militarisierung der Gesellschaft. Die Allpräsenz der Bundeswehr soll nicht nur den Soldaten, sondern die gesamte Bevölkerung kriegs- und opferbereit machen.
Dies zeigt sich auch am heutigen Abend. Der Adressat der Hilfe ist geschickt gewählt… wie könnte man auch gegen Hilfe zur Selbsthilfe sein? Wer denkt bei so viel Herzlichkeit noch an den eigentlichen Sinn und Zweck eines Soldaten, einer Armee, des Militärs?
Das DRK zeigt sich geschichts- und gesichtslos, wenn ihm jede Hilfe billig ist. Der Gründungsgedanke der Internationalen Rotkreuzbewegung, nämlich das Lindern durch Krieg verursachten Leids wird für uns auf zynische Art und Weise ausgeblendet.

Militärveranstaltungen mit gemeinnützigem Aufhänger, wie das heutige Konzert, sind nicht mehr als der Versuch, jegliche Kritik und Hinterfragung des militär- und machtpolitischen Denkens zu verhindern. Die Bundeswehr will pazifistische Kritik durch pseudokaritative Gesten „entwaffnen“ und verschleiert dabei das wahre Gesicht, die eigene Tradition.

Wir leben im 21. Jahrhundert, gerade einmal 60 Jahre nach dem größten Völkermord in der Geschichte. Überall auf der Welt toben Kriege. Vorne mit dabei sind deutsche Soldaten, deutsche Waffen, deutsches Geld. Es gibt keine Friedensarmeen!

Setzen wir ein Zeichen: Bundeswehr abschaffen! JETZT! Nie wieder Krieg!

Antifaschistisches Jugendbündnis Neubrandenburg