abmarsch

Eine Pressemitteilung der Antifaschistischen Offensive Neubrandenburg vom 24.02.09

Rechtsextremer Marsch um den Tollensesee geplant

Am 28. Februar 2009 wollen Neonazis aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg offenbar erneut ihren „Tollensemarsch“ veranstalten – möglichst ohne Öffentlichkeit, geduldet in den betroffenen Gemeinden und verschwiegen von Behörden und Polizei. Antifaschist_innen kritisieren das gefährliche Nichtstun und die ignorante Informationspolitik.

Seit 5 Jahren treffen sich etwa 80 bis 130 Neonazis am letzten Februar-Wochenende regelmäßig zum so genannten „Tollensemarsch“ um den gleichnamigen See. Auch in diesem Jahr bereiten sich Jugendliche aus der Region auf den „Marsch mit Leistungsabzeichen“ vor. Verantwortlich für die Organisation zeichnet sich offenkundig der frisch gewählte NPD-Bundestagskandidat David Petereit mit seiner „Mecklenburgischen Aktionsfront“.

Die ersten vier Jahre ging es einmal um den Tollensesee, unbehelligt von Berichterstattung und Protest. In Gemeinden rund um den See, wie Alt Rehse oder Wustrow, schien man nicht bemerkt zu haben, dass jährlich etwa 100 Neonazis durch die eigenen Straßen zogen. Erst die mediale Aufmerksamkeit des vergangenen Jahres hat die Nazis erstmalig gezwungen, heimlich an die brandenburgische Grenze auszuweichen – von der Polizei „geschützt“ vor Presse und Gegenwehr. Dennoch ist zu erwarten, dass in diesem Jahr wieder die Region rund um die Vier-Tore-Stadt das Ziel sein wird.

Doch auch in diesem Jahr ist man lieber still. Weiß die Stadt überhaupt von dem Szene-Ereignis?
Das Nichtwissen und Wegschauen von Staat und Zivilgesellschaft bei Naziaktivitäten ist ein entscheidender Faktor, der das klandestine Agieren von Neonazis so erfolgreich macht. Offenbar hält man die rechten Kraftproben für Pfadfindermärsche ohne politische Qualität. Dabei hat gerade erst die Diskussion um die Feldlager der völkisch-rassistischen HDJ gezeigt, welch ideologisch-gefärbten Rituale hinter der neuen, rechten Naturverbundenheit und Freizeitgestaltung stecken. Erst vor wenigen Tagen marschierten Mitglieder des „Heimatbund Pommern“ um den Malchiner See. Im Nachhinein feierte die Organisation des Landtagsabgeordneten Tino Müller auf ihrer Internetseite in schwärmerischem Ton die schöne Landschaft und das Andenken an ihre Großväter. Außerdem heißt es: „Wir werden nicht aufhoeren uns Koerperlich und Geistig zu schulen, bis unsere Jugend frei ist vom Ungeist dieser Zeit.“
Wer davor die Augen verschließt, macht sich mitverantwortlich für die immer dreister agierende rechte Szene.
Ebenso gefährlich ist der Irrglaube, sich durch Verschwiegenheit den „Ärger“, als welcher der antifaschistische Protest ganz offensichtlich empfunden wird, vom Halse halten zu können. Eine Einschränkung der Rechte auf Information und Widerstand wird billigend in Kauf genommen um eine politische Auseinandersetzung zu verhindern.

Erst diese Politik, gepaart mit der Gleichgültigkeit vieler Bürger_innen ermöglicht derartige Veranstaltungen und stärkt die Identität der extremen Rechten. „Während sich das Innenministerium mit dem angestrebten HDJ-Verbot selbst zu befriedigen versucht, stehen Organisationen wie der „Heimatbund Pommern“ und der „Kulturkreis Mecklenburg-Strelitz“ schon lange bereit, um die Lücke zu füllen. Ihre Stärke ist das unmittelbare Resultat einer Politik des Wegschauens und Ignorierens“, sagt Stefanie Peters von der Antifa-Gruppe AONB – „Die dringend notwendige Konfrontation mit politischen Realitäten wird vermieden und vertagt, die Ursachen umgangen“.

Damit muss Schluss sein! Wir fordern, Nazis offensiv und konsequent entgegenzutreten – immer und überall!