epilog

Was war los?
Der 6. Irgendwo-im-Wald-von-Mecklenburg-Strelitz-Marsch ist vorüber. Was genau passiert ist, berichten die Plattform „Blick nach rechts“ und das Useless-Blog sehr ausführlich. Und auch der Nordkurier hat aktuell informiert.

Was bleibt?
Dass es nur 60 Nazis waren, die am vergangenen Sonnabend zum selbsternannten „6. Tollensemarsch“ anreisten ist erfreulich. Waren es doch deutlich weniger als in den Vorjahren, in denen sich bis zu 120 Faschisten zu der 40km-Wehrsportübung versammelten. Auch die erstmalige Aufmerksamkeit des Nordkurier und des NDR und die damit verbundene öffentliche Problematisierung des Nazi-Events sind sehr positiv zu bewerten. Erstmalig bemerkten die Behörden und die Gemeinden rund um den Tollensesee überhaupt, was sich einmal jährlich, heimlich in den Wäldern südlich von Neubrandenburg abspielt. Die Veranstaltung und ihre Strippenzieher, wurden aus dem Schutz der Verborgenheit geholt – ihre Vorbereitungen auf den physischen Kampf gegen Ausländer, politische Gegner und das bestehende System wurden aufgedeckt. Eine längst überfällige öffentliche Diskussion über den Umgang mit Naziaktionen wurde angestoßen.

Dass die 60 Jugendlichen, die sich an den beiden Kundgebungsorten zu Gegenaktivitäten versammelten, lediglich von zwei bürgerlichen Akteuren (namentlich der Linke Landtagsabgeordnete Torsten Koplin und der Stadtvorsitzende der Linken Dieter Kowalick) unterstützt wurden, muss jedoch zu denken geben.
Der Irrglaube, Neofaschismus totschweigen zu können ist immer noch weit verbreitet. „Ihr gebt denen doch nur eine Plattform“, heißt es immer wieder. Anscheinend ist Antifaschismus auch für immer mehr Neubrandenburger_innen nicht mehr als eine Pflichtübung für das gute Image. Zu selten werden Nazis mit Argumenten konfrontiert, die ihre Ideologie enttarnen und dekonstruieren können. Zu wenige sind es, die herausfordern und sich entgegenstellen. An diesem Wochenende hat es noch funktioniert – die Neonazis rund um David Petereit konnten nicht in Neubrandenburg marschieren.

Doch in einem viertel Jahr stehen die Kommunalwahlen an. Dann geht es um Plätze in der Stadtvertretung. Dann wird es wieder Distanzierungen und Aufrufe hageln… bis dahin schläft das „bunte“ Neubrandenburg weiter seinen grauen Winterschlaf.

Wer jetzt schon wach ist, kann was tun:
am Freitag, den 13. März lädt das Antifaschistische Jugendbündnis (AJUB) zum zweiten Antifatresen in das AJZ Neubrandenburg ein. In der Seestraße soll ab 19 Uhr über die Herausforderungen des anstehenden NPD-Kommunalwahlkampfes und die Organisation der rechten Szene in Neubrandenburg und Mecklenburg-Vorpommern referiert werden.