Archiv für Februar 2011

Nazis aufs Maul?


Umgestaltung einer Fight-Night-Werbung in Neubrandenburg

Seit einigen Tagen gerät der Fightclub NB, Veranstalter der 5. Neubrandenburger Fight Night, mehr und mehr unter Druck. Anlass sind zwei Neonazis auf dem Werbeplakat1 des „Sport“-Events, deren Präsenz die Debatte um die Nazi-Affinität der Mixed-Martial-Arts-Szene (MMA) wieder anheizen dürfte.

Auf dem Ankündigungsplakat posiert etwa der vorpommersche MMA-Kämpfer Silvio Dahms – standesgemäß Oberkörper frei – und präsentiert so ein tätowiertes Kameradschaftslogo auf der Brust.

Das KB steht für Kameradschaftsbund, das zweite B vermutlich für Bargischow und der Rest besteht aus in der rechten Szene beliebten Symbolen wie den Lebensrunen, dem Weltenbaum und dem Zahnrad. Bislang waren ähnliche Logos nur bei Aufmärschen auf den Kleidungsstücken von Neonazis aus Bargischow und Ducherow zu sehen, wie zuletzt bei einem Fahnenträger beim Neonaziaufmarsch am 01. Mai 2010 in Rostock. Silvio Dahms ist die ultrarechte Clique offenbar so wichtig, dass er sich deren Zeichen in die Haut stechen ließ und öffentlich zeigt. Weniger auffällig aber nicht weniger überzeugt dürfte Denis Tomzek sein. Der Star des Abends ist nicht nur Gewinner mehrerer Titel, sondern offenbar auch aktives Mitglied der rechten Szene, unter anderem mit Kontakten zur mittlerweile verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ).

Quelle: Indymedia

Wer solche Freunde hat…
Tomzek, zum wiederholten Male auf Fight-Night-Plakaten, dürfte die Vorwürfe bereits kennen und gut verkraften. Da er offenbar seit jeher Rückendeckung seines Vereins (Politik sei Privatsache… und so) genießt, zeigt er seine Gesinnung immer wieder öffentlich auf Demos2.
Dahms hingegen scheint etwas leiser treten zu wollen… so hat der 26-jährige seine nb-town-Seite, nach Erscheinen des Artikels, kurzfristig entschärft und seine Selbstbeschreibung „Erlebnisorientiert, Urgermanisch schlaggewaltig und Drogenfrei“ (FeHlEr iM oRiGinaL Anm. Red.) entfernt. Geblieben sind allerdings die Mitgliedschaften in Gruppen, die die Todesstrafe für Sexualstraftäter fordern – eine Parole, die der NPD verstärkt als Türöffner in unpolitische, bildungsferne, provinzielle Milieus dient3. Auch die Freundschaften mit Aktivisten des so genannten „Jungsturms Pommern“ (ehemals Heimatbund Pommern4) und anderen Kameradschaftsmitgliedern unterstreichen die Verbindungen Dahms‘ in die rechte Szene5.

Der Verein ist, aus Angst vor einem Verbot der Veranstaltung und dem immensen Rufschaden, bemüht, die Sache kleinzureden und von der Öffentlichkeit fern zu halten. Die Werbetrommeln werden eifrig gerührt und Anwälte halten bürgerlich-demokratische Versuche, unter anderem die Sponsoren über die Zusammenhänge aufzuklären, zurück. Nun hat auch der Nordkurier einen Werbeartikel für die Veranstaltung und ihre regionalen Teilnehmer, nach kurzer Zeit wieder entfernt:


Screenshot des NK-Artikels (Lokalsport Usedom – Quelle: Google-Cache)

Seitdem warten die Journalist_innen ab…

Mit Nazis spielt man nicht.
Sport ist Sport. Doch wenn Neonazis in den Gyms den Straßenkampf proben und ganz unverblümt in tausendfacher Ausführung ihre Bekennersymbole verbreiten, stellt sich die Frage, warum Stadt (Veranstaltungszentrum – VZN6) und Nordkurier keinen Bedarf sehen, die Vorgänge transparent zu machen. Vielleicht zeigt sich aber auch nur wiederholt, dass nicht einmal die Institutionen der Neubrandenburger Öffentlichkeit ausreichend sensibilisiert sind.

So bleiben die Plakate hängen und der Vorverkauf geht eifrig weiter – kein Bedarf, die Vorwürfe zu thematisieren. Wir haben kein Naziproblem hier… in Neubrandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, 2011… wir bestimmt nicht.

UPDATE: Der Nordkurier ist bereits an der Sache dran und wartet derzeit noch auf offizielle Statements der Veranstalter. Da werden dann sicher Bekenntnisse gegen Rassismus und Gewalt angekündigt, man kennt das. Das Gejohle mancher Teile des bierseligen Publikums ist vorhersehbar.

  1. Inhaltlich ergänztes Fight-Night-Plakat [zurück]
  2. Fight Night NB: Disziplin und Manneszucht – Indymedia [zurück]
  3. Info-Text zur NPD-Kampagne / Nazidemo 25.09.2010 in Schwerin [zurück]
  4. Nur für Neugierige: Der „Jungsturm“ über seine Zukunftsplanung im Naziforum widerstand.info [zurück]
  5. Bildschirmfoto Dahms‘ Profil in der Weltnetzgemeinschaft NB-Town[zurück]
  6. bisher dafür bekannt Homosexuelle aus ihren Lokalitäten zu werfen, im Namen des Herrn [zurück]