Archiv für Juli 2011

Stadt.Land.Seenplatte.

Ähnlich wie in Rostock haben im Verlauf der letzten zwei Wochen mehrere antifaschistische Aktivist_innen aus Neubrandenburg in Städten und Dörfern westlich der Stadt Flyer der Kampagne „Wake Up – Stand Up“ verteilt.
Im Gegensatz zu Neubrandenburg, wo die NPD erst am 28.07. in der Dämmerung anfing ihre Plakate aufzuhängen, sind sie schon seit fast zwei Wochen auf den Dörfern präsent. Bis auf die NPD, scheint sich keine der zur Landtagswahl antretenen Parteien explizit für den ländlichen Raum zu interessieren. Darum machten sich die Antifaschist_innen, bestückt mit tausenden Flyern und Aufklebern, auf den Weg nach u.a. Alt Rhese, Neuendorf, Lübkow, Penzlin und Siehdichum. Während des Spaziergangs in der Mecklenburgischen Seenplatte und am Rande der Aktion gab es einige Jugendliche, die die Flyer dankend entgegen genommen haben und Unterstützung zusagten.

Die NPD fährt seit Jahren die Strategie „Erst die Dörfer, dann die Städte“. Um diese aufzubrechen und mit dem rechten Populismus der Partei aufzuräumen, wurden Themen-Fyler wie „Die NPD und das Asylrecht“ jedem Haushalt zu gesteckt. Wir sehen insbesondere im ländlichen Raum die Notwendigkeit, sachliche Aufklärungsarbeit zu leisten. Dort, wo die NPD ohne Widerspruch bleibt und das Nichtinteresse der anderen Parteien taktisch ausnutzt, um sich als Kümmererpartei des „kleinen Mannes“ darzustellen, ist es besonders wichtig präsent zu sein und Widerspruch zu zeigen.
Latente Fremdenfeindlichkeit und eine menschenverachtende Gesinnung schüren den Nährboden für gewalttätige Übergriffe, wie sie in Mecklenburg-Vorpommern erschreckender Alltag geworden sind. Die Beispiele der letzten Tage und Wochen untermauern diese These leider erschreckend genau.
Die NPD und deren Gefolgschaft wird es aber höchstwahrscheinlich nicht bei den Plaktatierungsaktionen belassen. Bereits heute ist eine Kundgebung in Greifswald-Schönwalde vom vorbestraftem Michael Grewe angemeldet. Aus den Erfahrungen der letzten Jahre sind ähnliche Aktionen in Neubrandenburg nicht abwegig.

Wir werden nicht still zusehen! Diverse Aktionen wie Vorträge, Infostände und Workshops, Buchlesungen und weitere Spaziergänge werden auch in Neubrandenburg folgen. Wir setzen dem rechten Wahlkampfpopulismus einen kreativen, entschlossen und konsequenten Widerstand entgegen.

Keine Stimme den Nazis – nicht am Stammtisch, nicht im Kreistag und erst recht nicht im Landtag! Kick them out!

WahlKAMPF

Im Verlauf des gestrigen Abends hat die NPD-Plakatwelle auch Neubrandenburg erreicht. Pünktlich zum Sonnenuntergang machten sich die Kameraden auf den Weg, um ihre Wahlplakate flächendeckend an die Straßenlaternen der Stadt zu bringen. Mindestens fünf Autos, vollgepackt mit plaktierwilligen Neonazis waren unterwegs. Ganz wohl scheinen sie sich nicht gefühlt zu haben – mit unterwegs war deren Begleitschutz, der auf jedes vorbeifahrende Auto achtete. Zudem wurden Polizist_innen in zivil gesichtet, die das Geschehen offensichtlich mit gewissem Abstand begleiteten.

Seit Beginn des Wahlkampfes, häufen sich die Schlagzeilen von rechtsradikalen Übergriffen in den Medien immer mehr an. Konzentrierten sich die Gewalttaten zunächst noch weitgehend auf die Beschädigung von Parteibüros und andere Objekte (1 | 2), so muss in der letzten Zeit festgestellt werden, dass die Neonazis vermehrt physische Gewalt anwenden (1 | 2 | 3). Es scheint als ob die Gewaltbereitschaft der rechtsradikalen Szene um die NPD immer stärkere Ausmaße annimmt, je intensiver sie ihren Wahlkampf betreiben. Nicht nur um diesen Einschüchterungsversuchen gegenüber antifaschistisch eingestellten Personen Einhalt zu gebieten, ist die Kampagne „Wake Up – Stand Up! Keine Stimme den Nazis in MV!“ seit mehreren Wochen in Mecklenburg-Vorpommern aktiv. Getragen wird die Kampagne dabei von einer Vielzahl alternativer Projekte, Gruppen, Bands, Locations etc. aus Mecklenburg-Vorpommern, welche sich mit verschiedensten Aktionen dem Wahlkampf der NPD und ihren Helfern entgegenstellt, über ihre menschenverachtende Propaganda aufklärt und sich darüberhinaus gegen Rechts vernetzt (1 | 2). Als Teil der Kampagne wurden auch in Neubrandenburg bereits vielfältige Aktionen durchgeführt: Von Infoständen über Vorträge und Rechtshilfeberatung bis zur Verteilung von tausenden Kampagnenflyern, die sich mit der rechten Ideologie der NPD auseinandersetzen (1).
Wir möchten an dieser Stelle nochmal alle dazu aufrufen, ebenfalls gegen Neonazis um NPD aktiv zu werden! Eine erste Möglichkeit dafür findet sich bereits morgen: Die NPD hat kurzfristig in Greifswald eine Kundgebung angemeldet. Erste Proteste sind angekündigt (1).
Material, Infos für weitere Aktionen und Ideen zum selber-aktiv-werden könnt ihr auf der Kampagnen-Website finden.

WAKE UP – STAND UP! Keine Stimme den Nazis in MV!

P.S. Mancherorts sind die NPD-Plakate bereits wieder kreativ entfernt worden (1 | 2).