dumm ist der, der dummes tut

Gestern Vormittag fand der sogenannte Tollensemarsch um den gleichnamigen See in Neubrandenburg statt.
Etwa 60 Nazis, darunter auch einige Frauen, legten die knapp 40km zu Fuß zurück. Appell Eröffnungsrede – Gelatsche – Gulaschkanone. Ein unspektakuläres und vermeintlich unpolitisches Event. Doch ein Blick auch auf die diesjährige Teilnehmerschaft eröffnet einen anderen Kontext um den braunen Spaziergang.

Unter den nationalen „Wanderern“, die die beliebte Radwanderstrecke in der Mecklenburgischen Seenplatte absolvierten, befanden sich aktive NPD-“Politiker“ wie der Landtagsabgeordnete David Petereit, Kreistagsmitglied Jens Blasewitz und andere, bereits öfter auffällig gewordene Neonazis aus Neubrandenburg und dem Rest M-Vs. Doch auch aus den umliegenden Bundesländern reisten Teilnehmer_innen an, wie zum Beispiel der Wittstocker Nazi und langjährige Petereit-Freund Matthias Wirth.

Außerdem hatten die Versammelten, die sich gegen halb neun auf dem Neubrandenburger Lindenberg trafen, Besuch vom angeblichen „Aussteiger“ und Hammerskin-Freund, Denis Tomzek samt Nachwuchs.
Der Neubrandenburger Neonazi ist nicht nur seit fast zehn Jahren als Besucher von NPD-Aufmärschen in M-V auffällig, sondern auch durch seine Aktivitäten in der verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) und durch ein Tattoo der Hammerskin Nation, das der Fighter auf dem Rücken (und durch den Ring) trägt. Seinen Verein „Fight Club“ bzw. seine Crew „First Fight Team“ hat das nicht gestört – und sie finden nach wie vor keinen Anstoß an der Gesinnung ihres Prügel-Kumpels. Das Tattoo wurde auch in diesem Jahr durch ein T-Shirt überdeckt, sportliche Gegner anderer Nationen mussten als Alibi für die Gesinnung des Freizeit-Schlägers und seine lachhafte “zweite Chance“ herhalten.
Die Hammerskins sind eine weltweit organisierte, militante bis terroristische Neonazi-Organisation, in deren Umfeld auch Helfer der drei Thüringer Neonazis vermutet werden, die von 2000 bis 2006 neun Menschen ermordeten.
Das fröhliche Socializing und der nette Plausch am Treffpunkt des Marsches zeigt, dass sich Tomzek keineswegs von seinen politischen Strukturen entfernt hat. Denn der Marsch ist auch nach neun Jahren nach wie vor nicht-öffentlich und wird konspirativ organisiert und Details sind nur Eingeweihten bekannt. Es ist also ganz offensichtlich, dass Tomzek seine menschenverachtende Gesinnung nicht nur auf der Haut mit sich schleppt, sondern nach wie vor ein aktiver Bestandteil regionaler Nazistrukturen ist.

Eine weitere Auffälligkeit ist die Unterstützung durch Burg Stargarder Neonazis, rund um das arbeitssuchende Kreistagsmitglied Norman Runge. Womöglich selbst aufgrund körperlicher Unzulänglichkeiten von der Strecke überbeansprucht, sorgte die achtköpfige Gruppe für Verpflegung: aus einem Firmentransporter des Burg Stargarder „Kurierdienstes Silvio Nagel“ [Quastenberger Damm 223] gab es nach dem Marsch Essen aus der Warmhaltebox – auf der Motorhaube prangte Werbung für Tomzeks Verein, den Fight Club NB.

Öffentliche Wahrnehmung, wie teilweise in den vergangenen Jahren, fand der Marsch in diesem Jahr nicht. Rechtlich ist es keine anmeldepflichtige Veranstaltung, augenscheinlich „nur“ ein Wandertag unansehnlicher Taugenichtse. Wer da warum wandert, spielt jedoch eine nicht zu unterschätzende Rolle. Leistungsmärsche dieser Art sind identitätsstiftende Veranstaltungen der Neonaziszene, die in ganz Deutschland stattfinden und zumeist im Verborgenen vorbereitet und durchgeführt werden. Sie sind Teil der rechten Ideologie von Volksgesundheit und Heimattreue. Die meist jungen Teilnehmer_innen sollen dabei entweder historischen NS-Helden Gedenken, oder ihre „Heimat“ kennenlernen und nebenbei ihren Körper einer Leistungsprobe unterziehen. In den vergangenen Jahren wurde diese „Prüfung“ in Neubrandenburg auch mit einem Abzeichen „belohnt“.

Mehr zum „Tollensemarsch“ und seiner Bedeutung und weitere nützliche Links liefert ein Artikel des Useless-Blogs aus dem Jahr 2009.