keine pleite mit der NPD?

Die Neonazi-Szene in der Mecklenburgischen Seenplatte nutzt den Kreistag, um ihre Strukturen zu stärken – und ihre privaten Finanzen zu sanieren.

Als eine der ersten NPD-Fraktionen aus den neuen Kreistagen richten sich die vier rechten Abgeordneten der Mecklenburgischen Seenplatte ein eigenes Bürgerbüro ein. In der Kurzen Straße in Burg Stargard gelegen, haben sich die Neonazis ein Haus in der schmucken Altstadt nahe des Marktplatzes ausgewählt. Ob sie damit ihren Willen ausdrücken wollen, in die Mitte der Gesellschaft zu gelangen, oder ihre Phantasie, bereits dort angesiedelt zu sein, bleibt unklar. Offensichtlich ist jedoch, dass der Ort Norman Runge gelegen kommt: Der Geschäftsführer der Fraktion wohnt in Burg Stargard. Dort konnte er seit 2004 erste kommunalpolitische Erfahrungen sammeln, als er ungeachtet seiner neonazistischen Einstellung ins Lokalparlament gewählt wurde.

Dank seines Mandats im Kreistag profitiert der behäbige Runge jedoch nicht nur von kurzen Wegen. Als Fraktionsgeschäftsführer erhält er ein kräftiges Gehalt aus den Zuwendungen von weit über 3.000 Euro, die den vier NPD-Abgeordneten monatlich zustehen. Das Geld benötigt der Neonazi nicht nur, weil seine langjährige Anstellung als Pflegekraft in der Heilpädagogischen Wohn- und Pflegestätte in Weitin beendet wurde. Seine finanziellen Probleme sind in der Region bekannt, Runge musste Privantinsolvenz anmelden.

Seine Qualifikation für Posten der NPD scheint das nicht zu mindern, wo vielmehr sein langjähriges Engagement in der Partei und im Umfeld einschlägiger Organisationen wie der mittlerweile verbotenen Mecklenburgischen Aktionsfront oder des Kulturkreis Mecklenburg-Strelitz zählen. Runges Kollegen in der Fraktion, der langjährige NPD-Aktivist Jens Blasewitz aus Neubrandenburg und Thorsten Schmidt aus Neukalen, wurden bei der Postenvergabe jedoch übergangen. Als Fraktionsvorsitzender wurde Hannes Welchar aus Friedland ausgewählt. Der 23-jährige ist über den kleinen Ort nahe Neubrandenburg hinaus vor allem als Teil des Ordnerdienstes der NPD aufgefallen, wegen einer politisch motivierten Körperverletzung vorbestraft und hat bis zum letzten Jahr eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann in Rostock absolviert.

Welchar trat zuletzt etwa als Redner bei rechten Kundgebungen in Neustrelitz im Januar und Friedland im März auf. Diese verstärkten Aktivitäten in der Region offenbaren nicht nur, dass die rechte Szene aus der Wahl in den Kreistag in Fraktionsgröße motiviert hervorgeht. Die Propaganda gegen Flüchtlingsheime und Kindesmissbrauch zeigt weiterhin, wie sie das Parlament und ihre Präsenz in kleineren Stadtvertretungen wie Neustrelitz, Friedland oder Neubrandenburg zum Teil ihrer neonazistischen Gesamtstrategie zu machen versucht. Neben dem Büro in Burg Stargard ist die angekündigte NPD-Demonstration am 1. Mai in Neubrandenburg ein weiterer Baustein in diesem Vorhaben, die Neonazi-Szene vor Ort zu beleben – und Protest deshalb nötig, damit nicht nur Norman Runge, sondern auch seine „Kameraden“ noch so einige Pleiten erleben.


1 Antwort auf „keine pleite mit der NPD?“


  1. 1 1. Mai Neubrandenburg: Aufruf zur Blockade des Naziaufmarsch « Kombinat Fortschritt Pingback am 13. April 2012 um 22:51 Uhr
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