Komm lieber Mai

Während die Temperaturen am Wochenende schon an längst vergangene Sommer erinnerten und das Grün aus allen Ecken sprießt, wird auch die Stimmung rund um den bevorstehenden Ersten Mai immer heißer. Zahlreiche Aktionen in der Stadt sorgten in den vergangenen Tagen für viel Aufmerksamkeit und buntes Treiben schon im Vorfeld des Tags der Arbeit. Ob ein Mobivideo auf Youtube, Schnipselregen im Marktplatzcenter, Fahrraddemo oder zahlreiche Graffiti: Neubrandenburg ist bunt und kreativ und in Bewegung gegen Nazis.

Allerdings wird die dominante Farbe am Dienstag aller Voraussicht nach blau sein – 1000 Polizisten sind angekündigt. Sie werden versuchen, die 200-300 Neonazis, die diesmal durch die Ihlenfelder Vorstadt marschieren wollen müssen, zu schützen. In den vergangenen Wochen hat die NPD bereits Schützenhilfe vom Kreisordnungsamt bekommen, das der Nazi-Partei trotz zahlreicher angemeldeter Veranstaltungen der demokratischen Parteien und Gewerkschaften eine Route ermöglicht hat.

Auf einem Auge blöd

Doch nach wie vor findet keine weitere öffentliche Mobilisierung der rechten Szene statt. Die NPD ist sich ihres regionalen Potenzials und der über Partei und Verfassungsschutz bezahlten Berufsdemonstranten offenbar sicher und belässt es bei internen Aufrufen – wohl eine Präventivmaßnahme für die Propaganda danach.
Auch ein Blick auf die bislang geheim gehaltene Route, die durch antifaschistische Recherchen nun auch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, lässt die Verzweiflung der Nazis erahnen, die aus der kleinen Ihlenfelder Vorstadt alles herausholen und beinahe jede Straße rauf und runter laufen wollen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Plattenbauquartier Cölpiner Straße.

Entlang der Strecke verteilten die Kreistagsmitglieder Norman Runge und Hannes Welchar gemeinsam mit Mitgliedern der „Kameradschaft Neubrandenburg“ (unter ihnen der sachkundige Einwohner der Nazis in den Ausschüssen des Kreistages, Jörg Wölke-Sandt) am heutigen Vormittag noch eilig Flugblätter, um wenigstens irgendwen zu erreichen. Dass die Vorstädter bereits vor Tagen von Antifaschist_innen mit einem eigenen Flugblatt darauf vorbereitet wurden, lässt die Aktion allerdings verpuffen.

… Dass die 4-5 km lange Route ein Hakenkreuz bildet, ist die traurige Krönung der Politik des Kreises Mecklenburgische Seenplatte, der Neonazis offensichtlich freie Hand bei der Gestaltung ihrer menschenverachtenden Propaganda lässt. Das Ordnungsamt hat zudem bereits „operative Veränderungen“ angekündigt, was darauf schließen lässt, dass die Behörden Ausweichpläne für die Nazis bereit halten und mit Gegenwehr der Neubrandenburger_innen rechnen.

Das kommt nicht von ungefähr: mehrere Initiativen rufen rund um das Wohngebiet zum Protest auf, das Bündnis Neubrandenburg Nazifrei fordert, den Widerstand dahin zu tragen, wo er hingehört, nämlich in die Ihlenfelder Vorstadt.

die spinnen. die bullen. die schweine.

Der Anzahl der Polizeikräfte, die am Ersten Mai vor allem in der Ihlenfelder Vorstadt eingesetzt werden sollen, um den Neonaziaufmarsch zu schützen und den Protest aus der Ihlenfelder Vorstadt fern zu halten, sprengt alle bisher in Neubrandenburg dagewesenen Dimensionen (z.B. 2001: 500 Beamt_innen; 2008: 410 Beamt_innen). Seit Tagen patroullieren Polizist_innen in zivil und auf Streife durch das Aufmarschgebiet.
Wie in Greifswald im vergangenen Jahr hofft die Staatsgewalt mit einem derartig massiven Aufgebot, den Widerstand einzuschüchtern und Protest von vornherein zu illegalisieren und Situationen gegebenenfalls zu eskalieren.

Alternativlos

Aber wie schon die Greifswalderinnen und Greifswalder im vergangenen Jahr, werden wir auch in Neubrandenburg den Nazis breiten, friedlichen Protest entgegen setzen. Wir werden nicht zulassen, Menschenfeinde ihren Hass in unserer Stadt verbreiten. Wir brauchen keine Verbote um eine Nazidemo zu verhindern. Wir brauchten keinen NSU um zu wissen, dass die Konsequenz der Nazi-Ideologie Gewalt gegen und den Tod von Menschen bedeutet, die nicht in das völkisch-rassistische Weltbild passen.

Wir werden Naziaufmarsch blockieren, weil es unser Recht ist – von uns geht keine Eskalation aus!

Bleibt vernetzt: Twitter
Bleibt cool: Demo 1×1
Bleibt konsequent.

Weitere Infos folgen.


1 Antwort auf „Komm lieber Mai“


  1. 1 AONB: Komm lieber Mai « Kombinat Fortschritt Pingback am 30. April 2012 um 15:43 Uhr
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