beine in die hand

Nachdem die NPD bereits am Montag in Greifswald und am Dienstag in Demmin Infostände abzuhalten versuchte, sollte am vergangenen Mittwoch Neubrandenburg an der Reihe sein. Von 13:30 bis 15 Uhr hatte die Nazipartei vor dem Einkaufszentrum auf dem Datzeberg, sowie von 15 bis 17 Uhr in der Einsteinstraße, Ecke Gagarin-Ring in der Oststadt einen Stand angemeldet. Doch daraus wurde nichts…

Erwartet hatten sich die Kameraden in Neubrandenburg wahrscheinlich das einstudierte Spiel der Propaganda. Die Berufsarbeitslosen und steuerfinanzierten Nazi-Aktivisten bauen schnell ihren Stand auf, führen ein „Bürgergespräch“, machen ein nettes Foto und packen wieder ein. Garniert wird das tapfere Rumstehen dann mit einem schönen Artikel in einschlägigen Portalen – über Bürgernähe, Deutschland und Tugendhaftigkeit. Die daun wat.

Doch in Neubrandenburg lief es anders. Die vierköpfige Gruppe um den Burg Stargarder Norman Runge* und den Usedomer Daniel Ohm**, die mit leichter Verspätung auf dem Datzeberg eintraf, zögerte. Möglicherweise lag dies an den etwa 15 bis 20 Jugendlichen, die am „Platz der Familie“ warteten, um die „Kameraden“ samt ihrer Propaganda in Empfang zu nehmen. Nach internen Beratungen in sicherer Distanz, einigen Telefonaten und einem Gespräch mit den vor Ort anwesenden Polizeibeamten, entschieden sich die Neonazis gegen 14:30, den Datzeberg noch einmal zu verschonen und reisten ab.
Überrascht vom Rückzug der NPD, begab sich die Gruppe Antifas zum Ort der zweiten Anmeldung in die Oststadt. Dort wuchs sie rasch auf etwa 50 junge Menschen an und wartete auch hier auf den Auftritt der Nazis.
Gegen 15 Uhr gesellten sich zwei Polizeibeamte der vis-a-vis gelegenen Oststadt-Wache dazu und teilten mit, dass die NPD beide Infostände abgesagt habe. Der Beamte Schäfer verriet auch den Grund: Man wolle „sich in Neubrandenburg nicht auf die Mütze hauen lassen“…

Aber auch ohne etwas auf die Mütze sind öffentliche Aktivitäten der NPD in Neubrandenburg jenseits der Aufmarschversuche eher selten und schon gar nicht von Erfolg gekrönt. Im Landtagswahlkampf vor gut einem Jahr fuhr das so genannte Fischmobil zwei Stunden durch einige Stadtviertel, Parolen krächzten aus dem Lautsprecherwagen und so schnell wie es kam, verschwand es auch. Davor, 2008, versuchte eine Delegation aus NPD-Ordnungsdienst und ostvorpommerscher Kameradschaftsszene einen Infostand in der Innenstadt abzuhalten. Damals wie heute ohne Erfolg – in Bedrängnis durch etwa 40 Jugendliche, die sich gegen Nazis in ihrer Stadt engagierten, konnten sie kein Material an Passanten verteilen.

Und jetz jetz jetz?

Doch auch diese Erfolge können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in der Stadt eine rege Naziszene gibt, die durch das Verteilen von Propagandamaterialien, Schmierereien oder unterstützend bei Aufmärschen in der Region kontinuierlich in Erscheinung tritt. Immer wieder versuchen Neonazis auch in Neubrandenburg, die sozialen Nöte zu instrumentalisieren und die Unzufriedenheit der Menschen auf vermeintlich Schwächere wie Migrant_innen, Obdachlose, Andersdenkende zu projizieren.
Ob es an diesem Mittwoch nun an mangelnder Organisation oder schlichter Selbstüberschätzung lag, dass die NPD nicht in der Lage war, einen Infostand in Neubrandenburg abzuhalten, ist Spekulation. Aber es gibt Indizien, die für sich sprechen…

David P. aus der Ihlenfelder Vorstadt beispielsweise gab jüngst einen ungewohnt offenen Einblick in die Gedankenwelt, Potenziale und Strukturen des hiesigen Nationalen Widerstands. Bei Facebook gab sich der Neonazi auf beeindruckende Weise der Lächerlichkeit Preis und schaffte es so zu kurzer, virtueller Berühmtheit:


Syntax und Orthografie sind wohl zu undeutsch


Jetzt auch in deiner Stadt: join autonom nazi böck


Der Mann hinter der Bewegung: David P. aus Neubrandenburg


Lachen oder heulen? Der „Natinale Widerstand“ NB

Auch wenn Dummheit bekanntermaßen nicht minder gefährlich macht: nur weiter so.

* Ex-Aktivist in der mittlerweile verbotenen Mecklenburgischen Aktionsfront (MAF), zeitweise Stadtvertreter in Burg Stargard und jetzt NPD-Kreisvorsitzender in der Seenplatte

** Seit vielen Jahren aktiver Neonazi aus dem Umfeld des Kameradschaftsbunds Usedom (KBU), jetzt Stadtvertreter der NPD in der Stadt Usedom


4 Antworten auf „beine in die hand“


  1. 1 jes 28. September 2012 um 13:01 Uhr

    Danke! und weiter so!!! :-)

    Solidarische Grüße

  2. 2 chamel 28. September 2012 um 17:19 Uhr

    „Die Berufsarbeitslosen und steuerfinanzierten Nazi-Aktivisten“

    was hat es damit zu tun, dass sie arbeitslos sind?

  3. 3 Administrator 29. September 2012 um 7:12 Uhr

    dass sie sich stets als fleißige ehrenamtler im dienste der sache gerieren, aber im endeffekt von der partei durchfinanziert sind und den ganzen tag nichts anderes tun, als ihre gülle zu spritzen.

    was nicht bedeuten soll, dass gülle spritzen nicht „cool“ wäre… oder ohne arbeit zu sein. beides fetzt!

  4. 4 Silke 02. Oktober 2012 um 10:17 Uhr

    Herrlich! Danke für die Erheiterung am Vormittag! :-)

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