gute freunde…

…kann niemand trennen.

Warum das Neubrandenburger „First Fight Team“ noch immer kein Problem mit Nazis und somit ein Naziproblem hat.

Als das „First Fight Team“ vor gut einem Monat zur Podiumsdiskussion und Schauveranstaltung lud, war zu erwarten, dass die Kampfsportler versuchen werden, ihr Naziproblem unter den Teppich zu kehren. Dass es augenscheinlich anders kam und klare Aussagen wie „dass Rassismus im First Fight Team und im MMA-Sport ‚ganz klar‘ nichts zu suchen habe“ fielen, wusste positiv zu überraschen. Dementsprechend fiel auch das Echo im Nordkurier aus und alle konnten sich freuen, dass die guten Fighter nicht mehr mit den bösen Fightern zusammen spielen. Diese Lobby-Arbeit trägt nun offenbar auch Früchte: Wie der Nordkurier berichtet, hat Neubrandenburgs OB Paul Krüger bereits grünes Licht für eine Fight Night im kommenden Jahr gegeben.
Es gibt jedoch eindeutige Belege dafür, dass an einer wirklichen Trennung der Neubrandenburger Fighter von der gewalttätigen und kriminellen Nazi-Szene nichts dran ist.

…gute Freunde…

Ein genauerer Blick hätte schon direkt Zweifel am tatsächlichen Umsetzungswillen der schönen Floskeln aufkommen lassen müssen. Denn die Ankündigung, die Neonazis im Team, Silvio Dahms und Denis Tomzek, würden lediglich nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen, ist ein bedeutender Unterschied zu einer wirklichen Trennung. Das First Fight Team will zwar die beiden Neonazis nicht mehr in Neubrandenburg auflaufen lassen, hat aber nicht vor, tatsächliche Konsequenzen zu ziehen und auch persönlich auf Distanz zu gehen.

Allerdings liegt auf der Hand, warum eine Trennung der Fighter von der Neonazi-Szene nicht so einfach vonstattengehen kann:

Dafür genügt schon ein Blick auf die Sponsoren des Teams. Ist doch die Firma „Losch Maler- und Bodenleger“ aus der Ihlenfelderstr. 119 in Neubrandenburg Arbeitgeber des „Fighters“ Denis Tomzek. Dieser ist bekanntermaßen Anhänger der so genannten Hammerskin-Bewegung; einer international organisierten, militant neonationalsozialistischen Skinhead-Vereinigung. Außerdem war er Mitglied der mittlerweile verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ), die sich, in Tradition der „Hitlerjugend“, der ideologischen Schulung des Nazinachwuchses verschrieben hatte.

Noch etwas spannender jedoch ist ein weiterer Sponsor, die Firma „Silvio Nagel Kurierdienste“ mit Sitz am Quastenberger Damm 223 in Burg Stargard: deren Firmenwagen wurde als Catering-Station beim diesjährigen neonazistischen „Tollensemarsch“ im Februar genutzt.


Für Neonazi-Events auf Achse: „Silvio Nagel Kurierdienste“, Burg Stargarder Neonazis und Denis Tomzek (ganz rechts) beim so genannten „Tollensemarsch“ im Februar.

Diese Verbindung ist der am „Tollensemarsch“ maßgeblich beteiligten Burg Stargarder Neonazi-Szene zuzurechnen. In diesem Fall ist es Elisabeth Nagel zu „verdanken“. Die 23-Jährige nimmt regelmäßig an NPD-Aufmärschen teil und ist immer wieder, gemeinsam mit anderen Neonazis aus Burg Stargard und Neubrandenburg, an diversen Aktionen beteiligt.


Elisabeth Nagel (links) beim NPD-Fackelmarsch in Demmin

Bedient wurde die „Gulasch-Kanone“ von weiteren Burg Stargarder Neonazis – unter ihnen die Brüder Robert und Ronny Schwenk. Letzterer ist mit der Lebensmittelausgabe gut vertraut, er liefert für die „Diakonie Stargard“ Essen aus. Der kirchliche Träger war bereits vor einigen Jahren im Gespräch, weil er mit Norman Runge (NPD) einen der prominentesten Neonazis aus dem Neubrandenburger Umland in der Pflege beschäftigt hatte.


Ronny Schwenk auf einer Demonstration an einem Transparent der mittlerweile verbotenen Kameradschaft „Mecklenburgische Aktionsfront“


Schwenk als Mitarbeiter der „Diakonie Stargard“

… sind nie allein.

Doch der Unterstützerkreis der Neubrandenburger Fighter in der Naziszene ist noch größer. Der Administrator und Gestalter der Online-Auftritte des First Fight Teams, Kai Schäfer, hat nicht nur eine Vorliebe für Computer und Kampfsport, sondern ist auch organisierter Neonazi. So trägt der mittlerweile in Berlin lebende Anklamer nicht nur eindeutig seine Gesinnung auf der Haut…


„Ewig lebt der Toten Tatenruhm“ heißt in Runenschrift – unter dem Bild eines Hitlerjungen vor einer „Schwarzen Sonne“ – auf Schäfers Oberarm


Bezeichnender Weise ist dieses Tattoo auf Schäfers Wade mit „Gemeinschafts-Tattoo“ untertitelt. Dieses Tattoo trägt auch der zweite Neonazi-Fighter, Silvio Dahms

… sondern war auch Anmelder und Administrator diverser Nazi-Webauftritte, unter anderem der Internetpräsenz der Kameradschaft „Jungsturm Pommern“ aus der Region Anklam.


Der braune Weltnetzgestalter als Admin der „FFT“-Facebook-Seite


Nazi und Pro-Gamer Kai Schäfer

…jede Menge Quark

Es ist erschreckend und vielsagend, dass die Fight-Szene derartig von Neonazis unterwandert ist. Noch dreister ist die Ignoranz ihrer Sprecher. Nach wie vor geht das „First Fight Team“ von Ronny Schindhelm und Co nicht auf Distanz zu den Neonazis Dahms und Tomzek, deren Mitgliedschaft im Club der Auslöser der ganzen Debatte um die „Fight Night“ war und die dort nach wie vor geduldet werden. Sie stellen sich sogar mit kruden sozialarbeiterischen Thesen hinter ihre „Kameraden“. Schindhelm sei, so der Nordkurier, fest davon überzeugt, dass sein Kampfsport charakterbildend sei. Sein Team wolle auch Tomzek und Dahms „den richtigen Weg aufzeigen, ohne den ganzen politischen Quark – egal, ob linksextrem oder rechtsextrem“.

Wieder war ein pseudo-antirassistisches Lippenbekenntnis der Köder, um mit der Nazi-Szene wenig vertraute Verantwortungsträger für sich zu gewinnen. Dabei steckt das „First Fight Team“ bis zum Hals im braunen Sumpf und macht sich durch die nach außen getragene Gleichgültigkeit gegenüber menschenverachtender Einstellungen zum Steigbügelhalter der rassistischen Hetze der NPD und ihrer Anhänger. Wer Neonazismus für nicht mehr als politischen Quark hält, gleichzeitig aber gewaltaffinen Neonazis ein Sammelbecken, eine Schlägerausbildung und Trainingsmöglichkeiten verschafft, der sollte zum einen weitere Schläge auf den Kopf vermeiden. Vor allem aber, sollte er in Zukunft weder in der Neubrandenburger Veranstaltungs- noch in der Kampfsport-Szene einen Platz haben.