Archiv der Kategorie 'aktionswochen gegen antisemitismus 2008'

// druck gemacht

… Aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft lernen! Damit das Jüdische Leben in Neubrandenburg und anderswo nicht in Vergessenheit gerät!

Hier nun die Broschüre des Aktionsbündnis „Wider das Vergessen“ zum Download. Gedruckte Exemplare könnte ihr euch im Infoladen „…Stunk!“ abholen oder bei uns bestellen.

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KEIN VERGESSEN – KEIN VERGEBEN!

// geschichtsbewusst

Überall in Mecklenburg-Vorpommern wurde am vergangenen Sonntag den jüdischen Opfern der so genannten Pogromnacht gedacht. Vor 70 Jahren kam es in der Nacht vom 09. zum 10. November zu Gewaltexzessen, bei denen im gesamten Deutschen Reich Synagogen angezündet, jüdische Läden zerstört und geplündert, jüdische Friedhöfe geschändet und Jüd_innen umgebracht oder deportiert wurden. Die Pogrome gelten als Auftakt der systematischen Judenverfolgung im „Dritten Reich“.
Auch am kleinen Neubrandenburg gingen diese Geschehnisse nicht einfach so vorbei. Der SA-Mann Klaus Reinke steckte die 1877 geweihte Synagoge in der Poststraße in Brand; die Feuerwehr ließ das Gotteshaus ausbrennen und verhinderte lediglich ein Übergreifen der Flammen auf die anliegenden Gebäude. Auch die Friedhofskapelle und der Leichenwagen auf dem jüdischen Friedhof, sowie der Manufakturladen von Erich Wolff in der Treptower Straße fielen der Zerstörungswut zum Opfer.

Anlässlich dieser Geschehnisse wurde am Sonntag in der Stadt der Vier Tore der neue Synagogenplatz an der Stelle der ehemaligen Synagoge eingeweiht. Neben der schon vorhandenen Gedenkplastik, sind hier nun auch die 19 übriggebliebenen Grabsteine des ehemaligen jüdischen Friedhofs zu finden. Der Platz gliedert sich in das Gesamtkonzept des Lehrpfads „Spurensuche Orte der Gewalt – Jüdisches Leben in Neubrandenburg“ ein. Pünktlich um 17 Uhr trafen 150 bis 200 Bürger_innen am Platz ein, um gemeinsam den Opfern zu gedenken.



Neben den Vertreter_innen der Stadt, der verschiedenen Parteien, Vereinen und Initiativen, war auch das Antifaschistische Jugendbündnis zum Abschluss seiner Veranstaltungsreihe „Wider das Vergessen – Aktionswochen gegen Antisemitismus“ anwesend. Vom 23.10. bis 09.11. organisierte das Bündnis verschiedene Veranstaltungen.
Zu insgesamt sechs Terminen wurde auf das Thema Antisemitismus aufmerksam gemacht. Die emotionalste Veranstaltung stellte wohl die Lesung des Zeitzeugen Hans-Joachim Roeseler dar, der aus seinem Buch „Auf einmal waren wir Judenkinder“ vorlas. Etwa 30 Interessierte fanden an diesem Abend den Weg in den kleinen Hörsaal der Neubrandenburger Hochschule. Die theoretische Auseinandersetzung erfolgte bei den Vorträgen „Geschichte des Antisemitismus“ und „Antisemitismus in der DDR und heute“. Auch hier trafen sich Jung und Alt – auch, um im Anschluss gemeinsam über die jeweiligen Themen zu diskutieren. Kulturell wurde das Thema am 01. November mit der jüdischen Theatergruppe Mechaje bearbeitet, die bei den „Liebhabern des Theaters“ in der Oststadt auftrat. Am Sonntag war zu einem gemeinsamen Frühstück mit anschließendem Film ins AJZ in der Seestraße geladen. Danach machten sich etwa 20 Personen auf den Weg, um gemeinsam den neuen Lehrpfad zu begehen und der Gedenkveranstaltung beizuwohnen. Mit Transparenten, Aufklebern und Broschüren wurden auch Bürger_innen auf das Anliegen des Bündnisses aufmerksam gemacht.

Fazit

Bei einem – immer wieder unterschätzten und unterdrückten – Thema wie der Bekämpfung des Antisemitismus, kann im Falle der Aktionswochen ein positives Fazit gezogen werden. Es wurden etliche Wissenslücken geschlossen und es wurde viel diskutiert.

Das Gedenken an die Verbrechen der Geschichte, besonders der NS-Diktatur, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart und Zukunft. Gerade die Aufarbeitung der Verbrechen des Nazi-Regimes an der jüdischen Bevölkerung und allen anderen Opfern des Faschismus bedarf großer Aufmerksamkeit. Wahrscheinlich kennen wir auch heute noch nicht das vollständige Ausmaß der Gräueltaten des deutschen Faschismus. Besonders wichtig ist es, jetzt, wo NPD und DVU versuchen, sich in Stadtvertretungen, Landtagen und in den Köpfen der Menschen breit zu machen, auf die Vergangenheit aufmerksam zu machen. Auch das Aufstreben so genannter Kameradschaften und der mit ihnen verbundenen „Autonomen Nationalisten“ macht deutlich, dass etwas geschehen muss, damit uns die Geschichte nicht erneut einholt. Um diesem Rechtsextremismus etwas entgegenzustellen, muss man sich und sein Umfeld ständig mit der Vergangenheit konfrontieren, um aus ihr zu lernen und neue Strategien im Umgang mit einer wiederkehrenden Bedrohung für Freiheit und Leben zu entwickeln.

Aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft lernen! Damit das Jüdische Leben in Neubrandenburg und anderswo nicht in Vergessenheit gerät!

KEIN VERGEBEN – KEIN VERGESSEN!

// 23.10. – 09.11. – wider das vergessen!

Eine Pressemittteilung der Antifaschistischen Offensive Neubrandenburg, des Antifaschistischen Jugendbündnis Neubrandenburg und des Infoladen „…Stunk!“ vom 17.10.08

Vom 23.10. – 09.11.08. führt ein Bündnis antifaschistischer Initiativen die Veranstaltungsreihe „Wider das Vergessen – Aktionswochen gegen Antisemitismus“ in Neubrandenburg durch.

Antisemitismus ist in vielen Ländern wieder salonfähig geworden. Hass auf das jüdische Volk wird immer häufiger offen propagiert. Vermehrt kommt es auch in Mecklenburg-Vorpommern wieder zu antisemitischen Vorfällen. Seien es die Schändung von jüdischen Friedhöfen, das Rufen von antisemitischen Parolen oder gar Gewaltattacken mit judenfeindlichem Hintergrund. Auch die alten Erklärungsmodelle wie „die jüdische Weltverschwörung“ oder „der an allem Schuld seiende Jude“ kommen wieder in Mode. Diese Tatsachen machen deutlich, dass auch heute noch antisemitische Einstellungen in der Bevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns tief verankert sind.
70 Jahre nach den Pogromen vom 9. November 1938 soll dem Vergessen entgegengewirkt werden. Aus diesem Grund führen wir vom 23.10. – 09.11.08 in Neubrandenburg die Veranstaltungsreihe „Wider das Vergessen – Aktionswochen gegen Antisemitismus“ durch. Mit Theater, Filmen, Vorträgen und einer Lesung soll auf das Thema aufmerksam gemacht werden. Unser Ziel ist es mit diesen verschiedensten Formen einen Zugang zur Problematik Antisemitismus zu schaffen – woher kommt er, wie äußert er sich, wie kann ihm begegnet werden.

Das Programm:

Donnerstag, 23.10. // Lesung „Auf einmal waren wir Judenkinder“ von Hans-Joachim Roeseler
* 19.00 Uhr (Einlass 18.30 Uhr)
* Hochschule Neubrandenburg (kleiner Hörsaal)

Mittwoch, 29.10.08 // Vortrag „Zur Geschichte des Antisemitismus“
* 19.00 Uhr
* Alternatives Jugendzentrum Neubrandenburg e.V.

Samstag, 01.11.08 // jüdische Theatergruppe Mechaje : „Mit Liedern und Tanz für mehr Toleranz“
* 15.00 Uhr (Einlass 14.30 Uhr)
* Gesellschaft der Liebhaber der Theaters (Oststadt)

Mittwoch, 05.11.08 // Themenbezogener Filmabend
* 19.00 Uhr
* Alternatives Jugendzentrum Neubrandenburg e.V.

Samstag, 08.11.08 // Vortrag „Antisemitismus in der DDR und heute“
* 18.00 Uhr
* Alternatives Jugendzentrum Neubrandenburg e.V.

Sonntag, 09.11.08 // antifaschistischer Spaziergang mit vorherigem Frühstück
* 11.00 Uhr
* Alternatives Jugendzentrum Neubrandenburg e.V.