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mupinfo: blasewitz schon lange out

Wir kennen Jens Blasewitz. Seit Jahren hält der tollpatschig wirkende Neonazi die NPD-Fahne in Neubrandenburg hoch. Viel bekommt man davon in der Regel jedoch nicht mit. Manchmal wollen die Schläger- und Saufnazis der Stadt mit ihm spielen, manchmal nicht. Auch seit er in der Stadtvertretung sitzt, ist es nicht wirklich lauter um ihn geworden. Ohne Aktion nunmal keine Reaktion. Blasewitz schnarcht Sitzung um Sitzung durch.

Es ist es ein glücklicher Umstand, dass er somit nur den geringsten Teil der Neubrandenburger Bevölkerung erreicht – für viele dürfte er auch nach Jahren des politischen Gestrampels noch immer ein Unbekannter sein. Doch trotz allem: Er und seine Partei sind überzeugt, dass das „Deutsche Volk“ anderen überlegen ist und schon ganz ganz bald ausstirbt (ehrlich!). Seine Partei fordert die Todesstrafe für psychisch kranke Triebtäter und die Abschiebung von hilfesuchenden Flüchtlingen, die sie als kriminell verurteilt. Dafür geht Jens Blasewitz auf die Straße, krächzt Reden bei Aufmärschen, lässt sich wählen, tritt an die Öffentlichkeit, ist in der Neonazi-Szene gut vernetzt.

Doch anders als es Blasewitz‘ Ideologie vielleicht vorgibt, sieht man Menschen jedoch nicht an, welche kognitiven und sozialen (In)Kompetenzen sie besitzen. Der Familienvater vom Lindenberg, geht mit Frau und Kind spazieren, geht feiern, geht einkaufen und zum Arzt, fährt mit seinem Skoda durch die Stadt – er führt ein ganz normales Leben, ungestört und nicht konfrontiert mit dem Widerstand, der seiner menschenverachtenden Haltung gebührt.

Genau diese Normalität zu durchbrechen, Nazis aus ihrer heilen Welt zu holen und vor allem ihr Umfeld zu informieren, ist der Sinn von Outings. Manchmal werden dabei Personen ans Tageslicht geführt, die bisher politisch noch nicht in Erscheinung getreten sind – die Veröffentlichung ihrer Aktivitäten ist in der Regel ein einschneidender Schritt, da sich weitergehende Konsequenzen für ihre Biographie abzeichnen können, wie bei Nadja Drygalla und ihrem Partner Michael Fischer.
Manchmal jedoch können Outings Menschen betreffen, die zwar als Aktivisten bekannt sind, sich aber gesellschaftlich eingerichtet haben. Ein Outing, oder eine Flyer-Aktion sorgt dann vor allem auch für den nötigen Druck auf die Menschen, Nachbarn und Freunde, die Neonazis in ihrer Gesellschaft dulden.

Die Gruppe „Step Forward“ hat in einem etwas holprigen Text die Bürger auf dem Lindenberg über ihren langjährigen Nachbarn informiert:

Am 7. Juni 2009 haben die Neubrandenburger zur Kommunalwahl einen Neonazi und Rassisten als Volksvertreter gewählt. Damit sitzt nun der erster bekennender Nazi im Neubrandenburger Stadtparlament und darf das Geschehen in unserer Gemeinde mitgestalten. Die Rede ist vom NPDler Jens Blasewitz, der auf dem Lindenberg in der Kirschenallee wohnt.

Seine politische Laufbahn begann der 38 Jährige in der autonomen Kameradschaftsszene in der er Kontakte zu gewaltbereiten Neonazis aus der Region pflegen konnte. So war er einer der führenden Köpfe der „MAF“, der Mecklenburgischen Aktionsfront, die aufgrund von Geschichtsrevisionismus und Verherrlichung des Nationalsozialismus bereits 2009 verboten wurde.
Ganz nach Vorbild der NPD Spitze verschob sich das Aktionsfeld des ehemaligen Kameraden in die bürgerliche Öffentlichkeit. Blasewitzs Aktivitäten bei Demonstrationen bei dennen er häufig als Ordner oder Redner auftritt, sind ein Beleg dafür. Ebenso wie die vermehrten Kundgebungen in der Mecklenburgischen Seenplatte Anfang 2012. Gemeinsam mit dem verurteilten Nazigewalttäter Michael Grewe, auch als der Schläger von Pölchow bekannt, meldete er in diesem Jahr die 1. Mai Demonstration der NPD in Neubrandenburg an. Unter dem rassistischen Motto „Leben und arbeiten in der Heimat“ lockte er an die 300 Neonazis aus ganz Mecklenburg Vorpommern in die Stadt.

Im Stadtparlament beteiligt sich Blasewitz kaum am geschehen, nicht an Ideenfindung und Problemlösungen die, die Stadt betreffen oder an sonstigem. Sein Mandat gebraucht er allenfalls um seinen braunen Unsinn und Propaganda zu verbreiten, wobei er die Stadtvertretung als Bühne nutzt. Wenn überhaupt beschränkt sich seine politische „Arbeit“ die er für die Bürger Neubrandenburgs verrichtet auf Störungen und Behinderungen der übrigen Abgeordneten.

Doch warum dieser Text wenn Jens Blasewitz so angepasst und bieder daher kommt?Wenn stören schon ein paar Kundgebungen und die Abgeordneten wissen schon mit ihm umzugehen, mag man sich denken…
Weil es gefährlich ist sein eingeschränktest Aktionsfeld durch Unfähigkeit zu erklären oder als harmlos abzutun. Denn er möchte nicht an der Demokratie mitwirken, sondern sie zerstören. Allein kann er im Parlament nichts verändern, aber Blasewitz pflegt weiterhin gute Kontakte zu gewalttätigen Neonazis. Sein wissen und die finanziellen mittel die Blasewitz durch seine Arbeit im Parlament erhält, nutzen er und die NPD um damit die „Kameraden“ auf der Straße zu unterstützen. Während die NPD noch bieder versucht den netten Nazi von Nebenan zu mimen, um ja nicht aufzufallen, werden diese vom Hass auf alles was in ihren Augen fremd ist angetrieben und schlagen immer wieder zu.

Ein Menschenverachtendes Weltbild wie es Jens Blasewitz vertritt ist inakzeptabel und kann nicht geduldet werden.

Nazis aus der Deckung holen… auf der Straße, im Parlament,überall!!!

Die Redaktion des Neonazi-Blogs „MUPinfo“ hat dieser Flugblatt-Aktion der (offensichtlich neuen) Antifa-Gruppe aus Neubrandenburg einen eigenen, belehrenden Artikel (*anonymisierter Link) gewidmet. Ihre hämische Analyse hat ergeben, dass der Text wenig Neuigkeiten enthält… … ja, ähm… wie soll sie auch zu anderen Schlüssen kommen? Als eine Bewegung, die stillsteht und deren seit Jahren gleiche Anhängerschaft nur Hass produziert und ausschließlich bemüht ist, Aktionsformen des politischen Gegners zu adaptieren, bleibt eben so die ein oder andere Reflexion auf der Strecke, der Propaganda zu Liebe.

Auch für uns ist es keine neue Erkenntnis, dass Jens Blasewitz jeder Nazi ein Scheißtyp ist. Und doch ist es notwendig, Namen zu nennen, in ihren Nahbereich einzudringen und den Druck zu erhöhen.

Das war ein erster Schritt – step by step… forward. Nazis auf die Pelle rücken.

dumm ist der, der dummes tut

Gestern Vormittag fand der sogenannte Tollensemarsch um den gleichnamigen See in Neubrandenburg statt.
Etwa 60 Nazis, darunter auch einige Frauen, legten die knapp 40km zu Fuß zurück. Appell Eröffnungsrede – Gelatsche – Gulaschkanone. Ein unspektakuläres und vermeintlich unpolitisches Event. Doch ein Blick auch auf die diesjährige Teilnehmerschaft eröffnet einen anderen Kontext um den braunen Spaziergang.

Unter den nationalen „Wanderern“, die die beliebte Radwanderstrecke in der Mecklenburgischen Seenplatte absolvierten, befanden sich aktive NPD-“Politiker“ wie der Landtagsabgeordnete David Petereit, Kreistagsmitglied Jens Blasewitz und andere, bereits öfter auffällig gewordene Neonazis aus Neubrandenburg und dem Rest M-Vs. Doch auch aus den umliegenden Bundesländern reisten Teilnehmer_innen an, wie zum Beispiel der Wittstocker Nazi und langjährige Petereit-Freund Matthias Wirth.

Außerdem hatten die Versammelten, die sich gegen halb neun auf dem Neubrandenburger Lindenberg trafen, Besuch vom angeblichen „Aussteiger“ und Hammerskin-Freund, Denis Tomzek samt Nachwuchs.
Der Neubrandenburger Neonazi ist nicht nur seit fast zehn Jahren als Besucher von NPD-Aufmärschen in M-V auffällig, sondern auch durch seine Aktivitäten in der verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) und durch ein Tattoo der Hammerskin Nation, das der Fighter auf dem Rücken (und durch den Ring) trägt. Seinen Verein „Fight Club“ bzw. seine Crew „First Fight Team“ hat das nicht gestört – und sie finden nach wie vor keinen Anstoß an der Gesinnung ihres Prügel-Kumpels. Das Tattoo wurde auch in diesem Jahr durch ein T-Shirt überdeckt, sportliche Gegner anderer Nationen mussten als Alibi für die Gesinnung des Freizeit-Schlägers und seine lachhafte “zweite Chance“ herhalten.
Die Hammerskins sind eine weltweit organisierte, militante bis terroristische Neonazi-Organisation, in deren Umfeld auch Helfer der drei Thüringer Neonazis vermutet werden, die von 2000 bis 2006 neun Menschen ermordeten.
Das fröhliche Socializing und der nette Plausch am Treffpunkt des Marsches zeigt, dass sich Tomzek keineswegs von seinen politischen Strukturen entfernt hat. Denn der Marsch ist auch nach neun Jahren nach wie vor nicht-öffentlich und wird konspirativ organisiert und Details sind nur Eingeweihten bekannt. Es ist also ganz offensichtlich, dass Tomzek seine menschenverachtende Gesinnung nicht nur auf der Haut mit sich schleppt, sondern nach wie vor ein aktiver Bestandteil regionaler Nazistrukturen ist.

Eine weitere Auffälligkeit ist die Unterstützung durch Burg Stargarder Neonazis, rund um das arbeitssuchende Kreistagsmitglied Norman Runge. Womöglich selbst aufgrund körperlicher Unzulänglichkeiten von der Strecke überbeansprucht, sorgte die achtköpfige Gruppe für Verpflegung: aus einem Firmentransporter des Burg Stargarder „Kurierdienstes Silvio Nagel“ [Quastenberger Damm 223] gab es nach dem Marsch Essen aus der Warmhaltebox – auf der Motorhaube prangte Werbung für Tomzeks Verein, den Fight Club NB.

Öffentliche Wahrnehmung, wie teilweise in den vergangenen Jahren, fand der Marsch in diesem Jahr nicht. Rechtlich ist es keine anmeldepflichtige Veranstaltung, augenscheinlich „nur“ ein Wandertag unansehnlicher Taugenichtse. Wer da warum wandert, spielt jedoch eine nicht zu unterschätzende Rolle. Leistungsmärsche dieser Art sind identitätsstiftende Veranstaltungen der Neonaziszene, die in ganz Deutschland stattfinden und zumeist im Verborgenen vorbereitet und durchgeführt werden. Sie sind Teil der rechten Ideologie von Volksgesundheit und Heimattreue. Die meist jungen Teilnehmer_innen sollen dabei entweder historischen NS-Helden Gedenken, oder ihre „Heimat“ kennenlernen und nebenbei ihren Körper einer Leistungsprobe unterziehen. In den vergangenen Jahren wurde diese „Prüfung“ in Neubrandenburg auch mit einem Abzeichen „belohnt“.

Mehr zum „Tollensemarsch“ und seiner Bedeutung und weitere nützliche Links liefert ein Artikel des Useless-Blogs aus dem Jahr 2009.

unlustige lachnummern

Gestern Nachmittag fand sich im Neubrandenburger Sportgymnasium zum ersten Mal der Kreistag des neuen Großkreises Mecklenburgische Seenplatte zusammen. Unter den Mitgliedern des Kommunalparlaments sind für die NPD auch vier Neonazis:

  • als Fraktionsvorsitzender, der bereits wegen Körperverletzung verurteilte, Hannes „Welle“ Welchar, der, anders als bereits kolportiert, durchaus seit geraumer Zeit politische Erfahrungen sammelt
  • Norman Runge, der bei der christlichen Diakonie (?!) mit Menschen mit Behinderungen arbeitet (?!) und der, anders als bereits kolportiert, schon in der Burg Stargarder Stadtvertretung kommunalpolitische Erfahrungen sammeln konnte, in die sich der aktive Kameradschaftler für eine Bürgerinitiative wählen ließ
  • der Neubrandenburger NPD-Stadtvertreter Jens Blasewitz vom Lindenberg
  • und Thorsten Schmidt, der für die NPD bei den Neukalener Bürgermeisterwahlen 2008 um nur 46 Prozent an seinem Mitbewerber aus der CDU scheiterte.

Mobilmachung

Nachdem sich die demokratischen Parteien bereits im Vorfeld der Sitzung auf den durchaus Kritik würdigen und blauäugigen Plan einigten, die NPD durch ein Extra an Arbeit als faul entlarven zu wollen, kündigte Welchar über bekannte Nazi-Kanäle vollmundig an, dass sich die Bürger im Kreistag ein Bild von den wahren Antidemokraten machen sollten.

Unterstützt wurden die vier Recken dann aber nur von zwei Kameraden und einer Kameradin im Publikum, sowie vom NPD-Landtagsabgeordneten Michael Andrejewski samt Begleitung.

Alle vier Volksvertreter haben sich herausgeputzt… der erste Tag im „Schweinesystem“ wird im gebügelten Hemd gewürdigt, Runge zwängte sich sogar in einen Pullunder aus offensichtlich schlechteren Zeiten. Die Stimmung ist gelöst, die Nazi-Clique frötzelt herum, und ist guter Dinge.

Drei Würmer und ein (zu) früher Vogel

Dann beginnt die Sitzung – und bevor der Kreistag überhaupt die Arbeit aufnehmen kann, gibt es in so einer konstituierenden Sitzung einiges zu klären, wie zum Beispiel die Wahl des Kreistagspräsidenten und davor die Ernennung einer Wahlleitung für eben diese Wahl des Kreistagspräsidenten. Einfach, oder?

Offensichtlich nicht für Welchar. Zur Freude aller Anwesenden, beginnt der eifrige Kamerad seine demokratische Laufbahn mit einem klassischen Fehlstart. Er steht auf, geht ans Mikrofon und [es geht immer noch um die Ernennung der Wahlleitung] nominiert seinen Kameraden Jens Blasewitz für die Wahl des Kreistagspräsidenten – Schweigen – „Darum geht es doch jetzt gar nicht“ – der Vorsitzende setzt sich unter lautem Gelächter zurück auf seinen Platz.

Michael Stieber (SPD) wurde schließlich gewählt und bekam Applaus für die Ansage, dass er keine rassistischen volksverhetzenden, undemokratischen Äußerungen dulden werde. Jens Blasewitz, der dann doch noch nominiert werden konnte, bekam zuvor nur die drei Stimmen seiner Demokratenkameraden, sowie seine eigene.

Auffällig war, dass die Fraktion in den Pausen stets Rücksprache mit „Berufsdemokrat“ Andrejewski hielt, der sich kurzerhand auf den Platz von Schmidt setzte und der frischen Fraktion ein Briefing gab:

Profi Andrejewiczbrieft die Laien

Was dann noch folgte, war der erwartet zähe Verwaltungsakt mit viel BlaBla und manchen Abstimmungen. Doch während sich die Sonne hinter den Wipfeln der Bäume im Kulturpark immer weiter senkte und wohl niemand mehr glaubte, dass die NPD-Fraktion ihren großen Worten Taten folgen lassen würde, schaffte sie es doch tatsächlich noch, ihren
ersten Arbeitstag weiter zu vergurken. Denn zur erneuten Erheiterung, waren die Nazi-Demokraten als Einzige partout nicht im Stande, bei den Abstimmungen zwischen der grünen und der roten Karte die richtige zu greifen. Am Ende bekam die farbenblinde Bande Schützenhilfe von den feixenden Abgeordneten der benachbarten CDU-Fraktion, die den Überforderten mit Zurufen bei der richtigen Farbwahl unter die Arme griff.

… da helfen keine Pillen

Zugegeben, der peinliche Auftritt der NPD-Fraktion im ersten Kreistag der Mecklenburgischen Seenplatte verführt zur Lächerlichkeit. Der Besuch im Gymnasium kam für die Herren in den Zimmermannshosen ganz offensichtlich zu spät.
Auch ist niemand der Aufforderung Welchars gefolgt, um die Rechtsradikalen zu unterstützen. Die einzigen Nazi-Sympathisanten im Saal waren bekannte Aktivisten und ein professioneller Nazi wie Andrejewski. Die vier Kreistagsmitglieder der NPD wirkten trotz ihrer nach außen getragenen, lockeren Stimmung sehr unsicher und mussten sich ständig gegenseitig absichern, gar Tipps von weiter „oben“ holen. Die unmittelbare Präsenz von dreißig bis vierzig Antifaschist_innen im und vor dem Saal verführte sie zu Drohungen und verbalen Fehltritten.

Doch es bleibt auch festzuhalten, dass der Kreistag in den folgenden Jahren eine neue Bühne für Neonazis ist, die in Neubrandenburg und Umgebung mit ihrer Parteiorganistation bisher kaum Fuß fassen konnten. Neben dem Landtag in Schwerin gibt es mit den neuen Großkreisen plötzlich sechs Plattformen mehr zum Agieren. Allein der Einzug von gleich vier Neonazis in den MSP-Kreistag ist für die NPD bereits ein Erfolg, der noch einer gesonderten Analyse unterzogen werden muss. Die Fraktion bringt Strukturen, Arbeitsmittel und letztlich auch Geld.

Ihre Aktivitäten in den Ausschüssen werden in Zukunft offen legen, was die NPD-Fraktion zu leisten in der Lage ist. Bislang ist sie mit einem Platz im Kreisausschuss vertreten, die Wahl des Jugendhilfeausschusses steht noch aus. Wenn sie weiter so vorgehen wie gestern und an den demokratischen Kartentricks scheitern, kann die Legislatur jedenfalls vielleicht auch ganz witzig werden.

Die nächste Sitzung findet am 9.11. statt.

01.09. – Mädelsache!

Der Infoladen „…STUNK!“ lädt heute zu einer kostenlosen Infoveranstaltung über Frauen in der Neonazi-Szene. Der Vortrag wurde allerdings kurzfristig in das Alternative Jugenzentrum in der Seestraße verlegt, findet also nicht wie geplant im Neubrandenburger Stadtarchiv statt! Folgend findet ihr einen Auszug aus dem Ankündigungstext:

[…] Frauen gewinnen in der Neonazi-Szene immer mehr an Bedeutung. Sie engagieren sich in den Kommunen als Elternvertretungen, in Krabbelgruppen oder in anderen pädagogischen Bereichen und sind für die Erziehung des Nachwuchses verantwortlich. Zunehmend treten sie aber auch verstärkt in anderen Bereichen in Erscheinung. So organisieren sie interne Kulturveranstaltungen wie Sonnenwenden, Kinderfeste oder Erntedankfeiern mit. […]

Der Vortrag ist Teil der Kampagne „Wake Up – Stand Up! Keine Stimme den Nazis in MV!“ und stützt sich dabei auf Recherchearbeiten von Andrea Röpke und Andreas Speit, die 2011 in dem Buch “Mädelsache!” veröffentlicht wurden. Dabei wird speziell auf die Situation in MV näher eingegangen und die Bedeutung von Kameradinnen im Kontext der Aktivitäten der Neonazis analysiert. Ziel soll es sein, diese Problematik, gerade im Zusammenhang mit der kommenden Landtagswahl, mehr in die öffentliche Wahrnehmung zu tragen.

reitbahnviertel wachgemacht

Nachdem in den vergangenen Wochen und Tagen insbesondere das Umland Neubrandenburgs mit Infomaterial gegen die menschenverachtende Ideologie der NPD versorgt wurde, trafen sich am Sonntag Nachmittag etwa 35 Jugendliche nun auch in der Stadt, um im Zuge der Anti-NPD-Kampagne “Wake up! Stand up! – Keine Stimme den Nazis in MV”, Flyer zu verteilen.

Auch diesmal konnten mehrere Tausend Flyer in die Briefkästen oder an interessierte Passant_innen verteilt werden. Nebenbei wurden unschöne Aufkleber entfernt oder sachgemäß ersetzt. Groß war die Neugier, was denn im Viertel los ist und so ergaben sich einige interessante Gespräche mit anderen Jugendlichen. Einige Nazis wirkten sehr verdutzt ob der vielen bunten, gut gelaunten Menschen und konnten nur, den Kopf im Kragen versunken, ihrer Wege ziehen. Bemerkenswert, so galt der Reitbahnweg mit Wahlergebnissen von bis zu 18% und einer Arbeitslosenquote jenseits der 20% lange Zeit als “Problembezirk” und Nazi-Homezone. Doch die Zeiten sind vorbei – nach drei feuchtfröhlichen (Sommer 2011) Stunden zog der Spaziergang wieder in Richtung Innenstadt und löste sich auf.

In den kommenden Tagen und Wochen wird es weitere Spaziergänge in den anderen Vierteln der Vier Tore Stadt geben, also: Wake up! Stand up! Haltet die Augen und Ohren offen, macht mit. Kontakt aufnehmen könnt ihr über unsere E-Mail aonb [AT] systemausfall.org oder über die Kampagnen-E-Mail kampagne.wakeupstandup [AT] systemausfall.org … oder aber ihr schaut einfach mal bei den Leuten vom Infoladen „… Stunk!“ im AJZ vorbei.

… und kommt am 27.8. nach Rostock, denn da gibt es einen großen Aktionstag der Kampagne:

Aktionstag Rostock

[w³]: Kampagnen-Seite
[w³]: Wake up! Stand up! bei Facebook

Stadt.Land.Seenplatte.

Ähnlich wie in Rostock haben im Verlauf der letzten zwei Wochen mehrere antifaschistische Aktivist_innen aus Neubrandenburg in Städten und Dörfern westlich der Stadt Flyer der Kampagne „Wake Up – Stand Up“ verteilt.
Im Gegensatz zu Neubrandenburg, wo die NPD erst am 28.07. in der Dämmerung anfing ihre Plakate aufzuhängen, sind sie schon seit fast zwei Wochen auf den Dörfern präsent. Bis auf die NPD, scheint sich keine der zur Landtagswahl antretenen Parteien explizit für den ländlichen Raum zu interessieren. Darum machten sich die Antifaschist_innen, bestückt mit tausenden Flyern und Aufklebern, auf den Weg nach u.a. Alt Rhese, Neuendorf, Lübkow, Penzlin und Siehdichum. Während des Spaziergangs in der Mecklenburgischen Seenplatte und am Rande der Aktion gab es einige Jugendliche, die die Flyer dankend entgegen genommen haben und Unterstützung zusagten.

Die NPD fährt seit Jahren die Strategie „Erst die Dörfer, dann die Städte“. Um diese aufzubrechen und mit dem rechten Populismus der Partei aufzuräumen, wurden Themen-Fyler wie „Die NPD und das Asylrecht“ jedem Haushalt zu gesteckt. Wir sehen insbesondere im ländlichen Raum die Notwendigkeit, sachliche Aufklärungsarbeit zu leisten. Dort, wo die NPD ohne Widerspruch bleibt und das Nichtinteresse der anderen Parteien taktisch ausnutzt, um sich als Kümmererpartei des „kleinen Mannes“ darzustellen, ist es besonders wichtig präsent zu sein und Widerspruch zu zeigen.
Latente Fremdenfeindlichkeit und eine menschenverachtende Gesinnung schüren den Nährboden für gewalttätige Übergriffe, wie sie in Mecklenburg-Vorpommern erschreckender Alltag geworden sind. Die Beispiele der letzten Tage und Wochen untermauern diese These leider erschreckend genau.
Die NPD und deren Gefolgschaft wird es aber höchstwahrscheinlich nicht bei den Plaktatierungsaktionen belassen. Bereits heute ist eine Kundgebung in Greifswald-Schönwalde vom vorbestraftem Michael Grewe angemeldet. Aus den Erfahrungen der letzten Jahre sind ähnliche Aktionen in Neubrandenburg nicht abwegig.

Wir werden nicht still zusehen! Diverse Aktionen wie Vorträge, Infostände und Workshops, Buchlesungen und weitere Spaziergänge werden auch in Neubrandenburg folgen. Wir setzen dem rechten Wahlkampfpopulismus einen kreativen, entschlossen und konsequenten Widerstand entgegen.

Keine Stimme den Nazis – nicht am Stammtisch, nicht im Kreistag und erst recht nicht im Landtag! Kick them out!

WahlKAMPF

Im Verlauf des gestrigen Abends hat die NPD-Plakatwelle auch Neubrandenburg erreicht. Pünktlich zum Sonnenuntergang machten sich die Kameraden auf den Weg, um ihre Wahlplakate flächendeckend an die Straßenlaternen der Stadt zu bringen. Mindestens fünf Autos, vollgepackt mit plaktierwilligen Neonazis waren unterwegs. Ganz wohl scheinen sie sich nicht gefühlt zu haben – mit unterwegs war deren Begleitschutz, der auf jedes vorbeifahrende Auto achtete. Zudem wurden Polizist_innen in zivil gesichtet, die das Geschehen offensichtlich mit gewissem Abstand begleiteten.

Seit Beginn des Wahlkampfes, häufen sich die Schlagzeilen von rechtsradikalen Übergriffen in den Medien immer mehr an. Konzentrierten sich die Gewalttaten zunächst noch weitgehend auf die Beschädigung von Parteibüros und andere Objekte (1 | 2), so muss in der letzten Zeit festgestellt werden, dass die Neonazis vermehrt physische Gewalt anwenden (1 | 2 | 3). Es scheint als ob die Gewaltbereitschaft der rechtsradikalen Szene um die NPD immer stärkere Ausmaße annimmt, je intensiver sie ihren Wahlkampf betreiben. Nicht nur um diesen Einschüchterungsversuchen gegenüber antifaschistisch eingestellten Personen Einhalt zu gebieten, ist die Kampagne „Wake Up – Stand Up! Keine Stimme den Nazis in MV!“ seit mehreren Wochen in Mecklenburg-Vorpommern aktiv. Getragen wird die Kampagne dabei von einer Vielzahl alternativer Projekte, Gruppen, Bands, Locations etc. aus Mecklenburg-Vorpommern, welche sich mit verschiedensten Aktionen dem Wahlkampf der NPD und ihren Helfern entgegenstellt, über ihre menschenverachtende Propaganda aufklärt und sich darüberhinaus gegen Rechts vernetzt (1 | 2). Als Teil der Kampagne wurden auch in Neubrandenburg bereits vielfältige Aktionen durchgeführt: Von Infoständen über Vorträge und Rechtshilfeberatung bis zur Verteilung von tausenden Kampagnenflyern, die sich mit der rechten Ideologie der NPD auseinandersetzen (1).
Wir möchten an dieser Stelle nochmal alle dazu aufrufen, ebenfalls gegen Neonazis um NPD aktiv zu werden! Eine erste Möglichkeit dafür findet sich bereits morgen: Die NPD hat kurzfristig in Greifswald eine Kundgebung angemeldet. Erste Proteste sind angekündigt (1).
Material, Infos für weitere Aktionen und Ideen zum selber-aktiv-werden könnt ihr auf der Kampagnen-Website finden.

WAKE UP – STAND UP! Keine Stimme den Nazis in MV!

P.S. Mancherorts sind die NPD-Plakate bereits wieder kreativ entfernt worden (1 | 2).